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Warum ein Tech-Visionär an der Swiss Re interessiert ist

Der japanische Milliardär und Technologie-Investor Masayoshi Son erwägt, bei Swiss Re einzusteigen. Dafür gibt es gute Gründe.

Holger Alich
Ein Mann mit grossen Plänen: Softbank-Gründer Masayoshi Son.
Ein Mann mit grossen Plänen: Softbank-Gründer Masayoshi Son.
Franck Robichon, Keystone

Kein Zweifel, der Mann denkt in grossen Kategorien: Er sucht Technologien, damit sein Unternehmen Softbank in den nächsten 300 Jahren noch wachsen kann. Der Name seines Beteiligungsfonds ist Programm, er heisst «Vision». 100 Milliarden Dollar stehen zur Verfügung, um in die wichtigsten Zukunftstechnologien wie Robotik oder künstliche Intelligenz zu investieren.

Der Mann, der sich so in die Zukunft katapultieren will, heisst Masayoshi Son. Und jetzt klopft der 60-jährige Milliardär in der Schweiz an.

Das Ziel seiner Begierde überrascht: Son will sich nicht an einem hippen Start-up beteiligen, sondern an einer 155-jährigen Institution des Schweizer Finanzplatzes: dem Rückversicherer Swiss Re. Der Konzern bestätigte Berichte, dass es Gespräche darüber gibt, dass sich Sons Unternehmen Softbank mit einem Minderheitsanteil an dem Rückversicherer beteiligt. «Die Gespräche befinden sich in einem sehr frühen Stadium. Es ist offen, ob es zu einer Einigung kommt, noch besteht Gewissheit bezüglich Konditionen, dem Timing oder der Form einer solchen Transaktion», fügt Swiss Re an.

Zehn Milliarden Investment

Laut einem Bericht des «Wall Street Journals» erwäge Son, mit bis zu einem Drittel des Kapitals bei Swiss Re einzusteigen. Solch ein Paket hätte einen Wert von rund zehn Milliarden Franken. Die Meldung schlug daher an der Börse hohe Wellen, die Aktie der Swiss Re schoss an der Schweizer Börse am Morgen mit über fünf Prozent nach oben.

Anleger nehmen den Japaner also ernst. Denn Son ist nicht irgendwer. Seine Eltern verdienten ihren Lebensunterhalt noch als Schweinezüchter, Son hatte stets grössere Ziele. Schon mit 16 Jahren zog er in die USA und studierte Computerwissenschaften. 1973 stellte er seinen ersten 50-Jahre-Plan auf. Das Ziel: Japans führenden Konzern zu schaffen. Sein erstes grosses Geld verdiente Son damit, dass er ein elektronisches Wörterbuch an Sharp verkaufte. Mit dem Erlös gründete er 1981 sein Unternehmen Softbank, das als Softwarehändler begann. 1994 geht Softbank mit Erfolg an die Börse.

Alibaba-Deal machte ihn reich

Das gab Son die Mittel, sich an aussichtsreichen Jungunternehmen zu beteiligen. So gehörte der Japaner zu den frühen Investoren beim chinesischen Onlinehändler Alibaba. Allein die Beteiligung am Amazon-Konkurrenten ist heute rund 140 Milliarden Dollar wert.

Seit 2006 dreht Son richtig auf: Er kaufte Vodafone Japan, schluckte den US-Mobilfunker Sprint und übernahm den Chiphersteller Arm Holdings. Durch die wilde Einkaufstour schwoll indes die Verschuldung auf das Doppelte des Umsatzes von Softbank an. Daher legte Son im vergangenen Jahr den Beteiligungsfonds «Vision» auf. Für diesen gewann der umtriebige Unternehmer prominente Co-Investoren wie zum Beispiel den saudischen Pensionsfonds, Apple und den Chiphersteller Qualcomm.

Informationsrevolution vollenden

Das Portfolio von «Vision» umfasst neben der Beteiligung am Chiphersteller Arm auch den Entwickler von künstlicher Intelligenz, Brain Corp, den Messengerdienst Slack, das deutsche Gebrauchtwagenportal Auto1 bis hin zum Biotechunternehmen Roivant. Auch über Softbank baut Son sein Portfolio aus, seit kurzem ist das Unternehmen grösster Einzelaktionär beim Fahrdienst Uber. Das Ziel: Son will an der Speerspitze der Informationsrevolution stehen.

Aber was will der Tech-Visionär dann ausgerechnet mit einer Beteiligung an Swiss Re? Beobachter nennen zwei Gründe.

Sons Beteiligungen mögen zwar Zukunftspotenzial haben, viel Geld werfen sie derzeit aber nicht ab. Diese Lücke könnte Swiss Re füllen. Ihr Geschäft besteht darin, Versicherern wie der Axa oder der Zurich einen Teil ihrer Risiken abzunehmen, also rückzuversichern. Auch die US-Investorenlegende Warren Buffet baute sein Imperium auf den regelmässigen Einnahmeströmen seines Rückversicherers General Re auf. Denn hierbei zahlen die Kunden erst die Prämien, die Schäden werden später bezahlt. Bis dahin kann eine Versicherer die Einnahmen anlegen. Hat ein Versicherer seine Risiken richtig kalkuliert, bleibt am Ende ein schöner Gewinn. Im Rückversicherungsgeschäft ist die Swiss Re die weltweite Nummer zwei, hinter der Münchener Rück.

Schweizer Wissensplattform im Visier

Stefan Schürmann, Analyst der Bank Vontobel, nennt einen zweiten Grund für das Interesse Sons an der Swiss Re: Schliesslich sei der Rückversicherer stark engagiert bei der Entwicklung neuer Versicherungstechnologien, etwa für selbstfahrende Autos, Cyberrisiken oder anderer neuer Technologien. «Der wichtigste Anziehungspunkt besteht in der Wissensplattform des Unternehmens», meint daher Schürmann, also dem Know-how, Versicherungslösungen für neue Technologien zu entwickeln.

In diesem Szenario bietet eine Zusammenarbeit mit dem Technologie-Visionär auch für Swiss Re interessante Perspektiven. Den Verantwortlichen sollte dabei allerdings eines klar sein: Son beschrieb sein Vorgehen einmal als «Rudelstrategie»: Gemeinsam solle das Team aus Grosskapital und Unternehmen die Informationsrevolution vollenden. Aber der Leitwolf des Rudels wäre Masayoshi Son und niemand sonst.

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