«Ich hatte noch Schweizer Franken im Tresor»

Wie kommt eigentlich der harte Franken in Davos an, wo nun das WEF beginnt? Stimmen aus der Alpenstadt.

In Davos nimmt man den starken Franken noch relativ gelassen: Wie Touristen und Einheimische reagieren.
Matthias Chapman@matthiaschapman

«Ausgerechnet vor dem WEF in Davos», hiess es in einem Tweet, nachdem SNB-Präsident Thomas Jordan am letzten Donnerstag die Untergrenze aufhob und damit ein Erdbeben an den Märkten auslöste. Die Sorge schwang wohl mit, die 2500 Teilnehmer aus aller Welt – und noch Heerscharen von Journalisten dazu – würden ein schlechtes Bild von Davos und möglicherweise der ganzen Schweiz in die Welt hinaustragen. Teuer, teuer, teuer.

«Ich wäre besser eine Woche früher gekommen», schmunzelt ein junger Australier (siehe Video oben). Er kam zum Skifahren nach Davos und bezahlt nun 64 Franken für eine Tageskarte am Jakobshorn. In seiner Währung – dem Australischen Dollar – eine Menge Geld. Aber er zeigt Verständnis für den Schritt der Nationalbank. «Zwar ist es für mich frustrierend, aber solche Dinge passieren halt einfach.» Als gut informierter Weltenbürger meint er: «Ich sehe, dass die SNB gute Gründe für diesen Schritt hat.»

«Ich hatte Glück»

In Davos ist man bemüht, den Ball flach zu halten. Die lokalen Tourismus-Verantwortlichen geben Medien breit Auskunft. Der Schock sass aber auch hier tief, als SNB-Präsident Thomas Jordan Ende letzter Woche alle auf dem falschen Fuss erwischte. An der Jakobshorn-Bahn zum Beispiel wurden an besagtem Donnerstag keine Skitickets mehr in Euro verkauft.

Die Stimmung ist am Dienstag gut in Davos. Kein Wunder, die Sonne scheint, die Pisten locken zum Wintersport. «Ich hatte Glück, weil ich eine Woche zuvor genug Euros für die Schweiz-Ferien in Franken wechselte», sagt ein junger deutscher Arzt. Er macht hier Ferien und hat mit dem WEF gar nichts zu tun. Kommt er trotz teurem Franken wieder? «Ich werds durchrechnen, aber ich bin Davos-Fan und so stehen die Chancen gut, dass ich wieder komme.»

Mehr Platz auf der Piste

Zu seiner Freude hats auf den Pisten viel Platz. Ein bekanntes Phänomen, das auch die Einheimischen zu nutzen wissen. Die vielen WEF-Gäste füllen die Hotels, die wenigsten von ihnen können mit Wintersport aber etwas anfangen, und schon gar nicht haben sie Zeit dafür.

Mit einem Rückgang an Touristen rechnet die Einheimische Claudia Casti-Ettinger. Die ältere Dame arbeitet in einem lokalen Geschäft und sagt: «Die Touristen kaufen halt einfach nicht mehr so viel wie früher.»

Einen Kaffee für 9.50 Franken

Mit Humor nimmt die veränderte Lage an der Währungsfront ein älterer Tourist aus Süddeutschland. «Ich hatte noch Schweizer Franken im Tresor», meint er mit einem Lachen im Gesicht. Und: «Ich habe damit einen Währungsgewinn von 50 Franken gemacht.» Er denkt nicht daran, Davos wegen des starken Frankens den Rücken zu kehren. Auch wenn er «einen Kaffee für 9.50 Franken ganz schön teuer» findet. Das sind nun auch 9.50 Euro. Wo war das? Keine genaue Angabe.

thunertagblatt.ch/Newsnetz

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