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Wie Poststellen gerettet werden könnten

In diesem Jahr entscheidet die Post, wie ihre Niederlassungen in Zukunft aussehen. Um Abbau zu stoppen, hofft die Gewerkschaft auf neuen Umsatz. Derweil streicht die Post das nächste Angebot.

Ersatz für klassische Filialen: Postagentur in einem Einkaufszentrum im Kanton Luzern. Foto: Urs Flüeler (Keystone)
Ersatz für klassische Filialen: Postagentur in einem Einkaufszentrum im Kanton Luzern. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Was tun, wenn immer weniger Kunden in die Poststellen kommen? Diese Frage stellt sich die Post seit langem. Sie hat vor allem eines gemacht: Das Netz an Postagenturen mit Partnern stetig ausgebaut und dafür eigene Poststellen geschlossen.

2017 präsentierte die Post in einem Plan, welche Poststellen sie überprüfen will – sprich: welche wohl geschlossen werden – und welche gesichert sind. Doch eine Garantie für gesicherte Niederlassungen gibt es laut dem Plan nur bis 2020. Was danach kommt, ist offen. Die nächste Welle an Postschliessungen könnte also schon in diesem Jahr drohen.

Die Strategie der Post in den letzten Jahren könnte man bezüglich des Angebots in ihren Poststellen etwas polemisch mit «alles raus, nichts rein» zusammenfassen. Zuerst wurden Süssigkeiten gestrichen, dann Lose. Nun wirft die Post über die nächsten eineinhalb Jahre auch noch das Büchersortiment aus den Regalen, wie ein Postsprecher auf Anfrage bestätigt. Was bleibt, ist nicht viel mehr als ein reduziertes Papeterie- und Kommunikationsangebot. Und viel Platz.

Kooperationen mit Gemeinden

Die Post erarbeitet zurzeit unter ihrem neuen Chef Roberto Cirillo eine gross angelegte Strategieanpassung. Ein wichtiges Kapitel umfasst dabei die Zukunft der Poststellen. Eine Frage ist, ob noch mehr Poststellen in Postagenturen umfunktioniert werden. Oder ob es andere Lösungen gibt: zum Beispiel, wie die verbleibenden Poststellen anders aufgestellt werden können, um mehr Kundschaft zu gewinnen und damit mehr Umsatz zu erzielen.

Die Gewerkschaft Syndicom hat dafür konkrete Ideen: «Die Postangestellten sind gut qualifiziert, um auch andere Dienstleistungen anzubieten», sagt Syndicom-Zentralsekretär David Roth. Seine Idee: Zusätzliche Service-public-Dienstleistungen sollen in die Poststellen integriert werden. «Gemeinden verkürzen die Öffnungszeiten, um Kosten zu reduzieren. Hier bieten sich Kooperationen an», so Roth.

Ebenfalls sei es für ihn denkbar, dass die Post mehr Services zum Beispiel für Versicherungen, Banken oder Krankenkassen erbringt. «Eine räumlich nahe Versorgung bringt Mehrnutzen für alle Beteiligten. In all diesen Branchen gibt es Dienstleistungen am Schalter, die zurückgehen, aber längst nicht alle. Und da hätte die Post eine Chance, eine wichtige Funktion einzunehmen und gleichzeitig ihre Geschäfte rentabler zu machen», sagt Roth.

Post ist zurückhaltend

Roth ist besorgt darüber, dass der Staat seine Präsenz auf dem Land und in den Quartieren immer weiter abbaut. «Das führt zu Unsicherheit, zum Gefühl, aufgegeben zu werden, aber auch zu Mehrverkehr in den Zentren.» Ein ausgebautes Logistiknetz, die Verfügbarkeit von Finanzdienstleistungen und weitere Elemente des Service public seien nicht Folklore, sondern das Rückgrat der wirtschaftlichen Entwicklung.

Die Post ist zurückhaltend, wenn es um die Kommunikaton ihrer neuen Strategie geht. «Die Post will das Ergänzungsgeschäft mit rentablen postnahen Produkten auch weiterhin aufrechterhalten. Dabei ist es uns wichtig, dass diese Produkte für die Kundinnen und Kunden interessant sind und dass sie einem Bedürfnis entsprechen», sagt eine Sprecherin lediglich. Deswegen prüfe die Post laufend neue Produkte und Partnerschaften und biete diese wenn sinnvoll an.

In einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende» sprach Post-Chef Roberto Cirillo eine ähnliche Öffnung der Poststellen an, wie sie der Gewerkschaft vorschwebt, etwa das Anbieten von Dienstleistungen für Krankenkassen.

Weniger Filialen, mehr Agenturen

Seit Jahren sinkt die Zahl der Poststellen. Waren es 2013 noch 1662, sind es heute 981. Dagegen hat die Zahl der Postagenturen zugenommen, von 569 im Jahr 2013 auf heute 1136. Postagenturen und Poststellen als sogenannte bediente Zugangspunkte sind also auch gesamthaft rückläufig. Zurzeit sind 29 Fälle bei der für Schlichtungsverfahren zuständigen Postcom hängig. Bei diesen ist noch nicht abschliessend entschieden, ob Poststellen in andere Angebote umfunktioniert werden.

Seit Anfang vergangenen Jahres gelten allerdings neue Richtlinien bezüglich der Abdeckung der Bevölkerung. Vorher mussten landesweit 90 Prozent aller Einwohner innerhalb von 20 Minuten zu Fuss oder per öffentlichem Verkehrsmittel eine Poststelle oder Postagentur erreichen können. Wenn die Post einen Hausservice anbietet, dann sind es 30 Minuten. Diese Regelung gilt nun für einzelne Kantone separat, also nicht mehr im bundesweiten Schnitt. Das kommt gerade in ländlichen Kantonen einer Verschärfung der Auflagen in puncto Erreichbarkeit gleich.

Aus mehreren mach eins

Auch hinter den Kulissen stellt die Post ihre Niederlassungen neu auf. So wurde im grossen Stil umstrukturiert. Aus mehreren Poststellen wurde organisatorisch eine. Mit der Konsequenz, dass ein Drittel aller Poststellenleiter nicht mehr dem Kader zugehörig sind. Zu einem grossen Abbau kam es allerdings nicht, wie David Roth sagt. Über Frühpensionierungen habe man einschneidende Abbaumassnahmen verhindern können. Die Umstrukturierung ist nun in den letzten Zügen, wie es bei der Post heisst. Aktuell laufe die Rekrutierung der stellvertretenden Teamleitenden. Ab 1. Mai ist die neue Organisation in Kraft.

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