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Der grösste Piratenschatz aller Zeiten

Vor 300 Jahren versank der Dreimaster Whydah in den Fluten des Atlantiks vor der Küste von Cape Cod (USA). Das Besondere daran: Die Whydah war ein ­Piratenschiff und hatte einen riesigen Schatz an Bord.

Kisten voller Münzen: Im Whydah Pirate Museum werden die bislang geborgenen Fundstücke ausgestellt.
Kisten voller Münzen: Im Whydah Pirate Museum werden die bislang geborgenen Fundstücke ausgestellt.
Getty Images
Piratenschiff: «Whydah»-Nachbau im Museum.
Piratenschiff: «Whydah»-Nachbau im Museum.
Getty Images
Taucher und Abenteurer: Barry Clifford.
Taucher und Abenteurer: Barry Clifford.
Getty Images
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Es ist eine herzzerreissende Liebesgeschichte, die sich die Bewohner von Cape Cod an der Atlantikküste im Südosten von Massachusetts bis heute erzählen. Sie handelt von dem jungen und ausgesprochen gut aussehenden Samuel Bellamy, der seine grosse Liebe Maria Hallet ehelichen wollte.

Doch ihre Eltern waren gegen die Verbindung mit einem einfachen Seemann. Also versprach Samuel seiner Geliebten, in die weite Welt hinauszuziehen und erst als reicher Mann zurückzukehren. Er wurde zum erfolgreichsten Piraten aller Zeiten: «Black Sam» Bellamy.

Nach nur einem Jahr hatte er unermessliche Reichtümer angehäuft und machte sich auf den Weg zurück zu seiner Geliebten, die noch immer auf ihn wartete. Doch nur wenige Meter vor der Küste geriet sein Schiff, die Whyda», in einen schweren Sturm.

Maria hatte davon gehört und war zum Strand geeilt. Dort musste sie hilflos mit ansehen, wie ihr Geliebter direkt vor ihren Augen für immer in den tosenden Fluten versank.

Bis zu 6000 Wracks

Soweit die Legende, die Barry Clifford von seinem Onkel Bill als Junge erzählt bekam. Der Schatz liege immer noch dort, ergänzte der Onkel damals seine Geschichte. Die Erzählung und vor allem der sagenhafte Schatz gingen Barry Clifford fortan nicht mehr aus dem Kopf – dreissig Jahre lang nicht.

Als Erwachsener machte er sich endlich auf die Suche nach dem legendären Schatz des «Black Sam» Bellamy – und fand ihn über weite Strecken verstreut unter einer meterdicken Schicht von Sand begraben.

Dass Clifford das Wrack lokalisieren konnte, war keine Selbstverständlichkeit, denn in den gefährlichen Gewässern rund um Cape Cod wimmelt es nur so von Schiffsüberresten, Expertenschätzungen gehen von bis zu 6000 Wracks aus.

«Zudem war das Gebiet mit Blindgängern eines benachbarten Truppenübungsplatzes übersät», sagt Clifford heute. Am 23. Juli 1984 begannen die Bergungsarbeiten, bis heute sind sie nicht abgeschlossen.

Gut 400 Millionen Dollar

Robert Cahill von der zuständigen Behörde für Unterwasserarchäologie in Massachusetts (BUAR) geht davon aus, dass der Schatz einen Wert von mehr als 400 Millionen US-Dollar heutiger Währung besitzt.

Damit würde es sich laut den Experten um den grössten Piratenschatz handeln, der je gefunden wurde. «Black Sam» Bellamy wäre somit erfolgreicher gewesen als seine weitaus berühmteren Piratenkollegen Sir Francis Drake und Edward «Blackbeard» Teach zusammen.

Inzwischen können über 200'000 Fundstücke des Wracks der Whydah im Whydah Pirate Museum in West Yarmouth, Massachusetts, begutachtet werden.

So abenteuerlich sich die Geschichte auch anhören mag, die Barry Clifford von seinem Onkel Bill erzählt bekam: Im Kern ist sie wahr. Das weiss man auch deshalb, weil es zwei Überlebende gab, die später vor Gericht gestellt und verhört wurden. Die Akten existieren bis heute.

Historisch gesichert ist, dass Samuel Bellamy am 18. März des Jahres 1689 in ärmlichen Verhältnissen in Plymouth, Devonshire, geboren wurde. Ob er sich allerdings als junger Mann entschied, Pirat zu werden, weil er unglücklich verliebt war, konnte bis heute nicht abschliessend geklärt werden.

Zwar lebte zur damaligen Zeit wirklich eine Mary Hallet am Cape Cod, ob die beiden sich kannten oder sogar liebten, ist heute nicht mehr zweifelsfrei festzustellen.

Sicher ist allerdings, dass Bellamy 1716 bei dem Piratenkapitän Benjamin Hornigold anheuerte, mit dem auch der gefürchtete Edward «Blackbeard» Teach segelte. Im Sommer des Jahres 1716 setzten die Piraten Hornigold ab und wählten Bellamy zum neuen Kapitän, der aufgrund seiner langen, schwarzen Haare, die er locker zum Zopf gebunden trug, bald «Black Sam» genannt wurde.

Als Piratenkapitän war er dank seiner seemännischen Erfahrung und Professionalität äusserst erfolgreich. Im Frühjahr des Jahres 1717 gelang es den Seeräubern, den schnellen Dreimaster Whydah nach einer dreitägigen wilden Verfolgungsfahrt zu entern und in ihre Gewalt zu bringen.

Bellamy baute das ehemalige Sklavenschiff daraufhin zu seinem Flaggschiff aus und rüstete den ohnehin schon mit 28 Kanonen bestückten Segler weiter auf. Seine Mannschaft rekrutierte sich aus vielen Nationen, unter ihnen waren Briten, Iren, Schotten, Waliser, ehemalige Sklaven aus den damaligen Kolonien und sogar Schweden.

«Robin Hood der Meere»

«Black Sam» führte die kleine Flotte von Schiffen, die sich durch mehr als 50 Raubzüge bald ansammelte, als gewählter Ka­pitän. Gemäss Zeugenaussagen herrschte an Bord eine Demokratie, bei der die Piraten die Entscheidungen des Kapitäns nicht nur anzweifeln durften, sondern sogar rückgängig machen konnten.

Kein Wunder, dass sich die Piraten auch stolz als «Robin Hoods freie Männer» bezeichneten, Bellamy selbst als den «Robin Hood der Meere». Niemals sei er durch Brutalität aufgefallen, auch nicht seinen Feinden ge­genüber, stets habe er durch Professionalität überzeugt, sagten später die Überlebenden des grossen Sturms vom April 1717 vor Gericht aus.

Dieser schicksalsträchtige Sturm im Frühjahr 1717 allerdings beendete die steile Karriere des «Robin Hoods der Meere» jäh. Die viel zu schwer mit Gold, Silber, Edelsteinen, Elfenbein und Indigo aus über 50 Raubzügen beladene Whydah lief in der Nacht vom 26. auf den 27. April nur 150 Meter von der Küste von Cape Cod entfernt auf eine Sandbank auf.

Die über zehn Meter ­hohen Wellen liessen den stolzen Dreimaster kentern, das Gross­segel brach, das Heck zerschellte. Die Whydah versank inmitten des wütenden Sturms für immer in den Fluten, und mit ihr «Black Sam» Bellamy mit seinem legendären Schatz. Von den 146 Mann an Bord überlebten nur 2.

Infos zum von Barry Clifford gegründeten Whydah Pirate Museum in West Yarmouth, Massachusetts (USA): www.discoverpirates.com

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