Faszinierend und erschreckend zugleich

Japan erlaubt, Tiere mit menschlichen Organen zu züchten. Wichtig ist behutsames Vorgehen.

Noch steht nicht fest, welche Arten von Experimenten genau zugelassen werden. Seitenansicht eines frühen Schweineembryos. Foto: Getty

Noch steht nicht fest, welche Arten von Experimenten genau zugelassen werden. Seitenansicht eines frühen Schweineembryos. Foto: Getty

Noch in diesem Monat könnte in einem Labor in Japan ein Wesen heranwachsen, das Mensch und Tier zugleich ist. Ein bisschen Mensch zumindest. Japan hat erlaubt, dass solche Mischwesen geboren werden. Lebensfähige Chimärenaus Mensch und Tier gab es bislang nur in Büchern und Legenden.

Wann er solche Mischwesen tatsächlich auf die Welt kommen lassen will, hat der verantwortliche Wissenschaftler Hiromitsu Nakauchi bisher nicht gesagt. Das ferne Ziel seiner Arbeiten ist es, Tiere zu züchten, in denen ein menschliches Organ heranwächst, das für eine Transplantation geeignet ist. So soll der Organmangel bekämpft werden. Allein in der Schweiz warten über 1400 Menschen auf Organersatz.

Was bleibt vom Menschen, wenn die Grenze zwischen ihm und den Tieren derart porös gemacht wird?

Die Vision ist beeindruckend und erschreckend zugleich. Sie wirft die alte Frage danach auf, was wir Menschen mit Tieren anstellen dürfen. Auf lange Sicht soll diese Forschung Leben retten. Und doch hinterlässt das Vorhaben gemischte Gefühle, was nicht nur daran liegt, dass Tiere vielleicht leiden, ganz sicher aber sterben. Was bleibt vom Menschen, wenn die Grenze zwischen ihm und den Tieren derart porös gemacht wird?

Noch steht allerdings nicht einmal fest, welche Art von Experimenten genau erlaubt sein wird. Wahrscheinlich dürfen die Forscher nur menschliche Zellen mit sehr eingeschränktem Entwicklungspotenzial verwenden. So lässt sich ausschliessen, dass Tiere mit menschlichem Nervensystem entstehen. Das ist eine Schwelle, die bislang kein Forscher überschreiten will. Dann würden die Grenzen wirklich verschwimmen, wenn Tiere durch den Eingriff menschliche Eigenschaften bekommen würden. Bevor die Entscheidung nicht gefallen ist, lässt sich nicht abschätzen, wie monströs oder wie umsichtig das Unterfangen ist.

Der Forscher selbst gibt sich besonnen. Er beginnt nicht gleich mit dem Gruselexperiment und bringt menschliche Chimären zur Welt, sondern plant in kleinen Schritten. Wenn er das ehrlich meint, dann bleibt der Gesellschaft noch genug Zeit, sich mit seiner Forschung auseinander­zusetzen – und sich dafür oder auch dagegen zu entscheiden.

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