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Seitensprung: Junge und Alte tuns immer öfter

Laut einer Langzeitstudie praktizieren zehn Prozent aller Amerikanerinnen und Amerikaner Ehebruch – darunter immer mehr Jungverheirate und ältere Menschen.

Im Trend, doch weniger verbindlich? Ex-Mister-Schweiz Renzo Blumenthal bei einem Werbe-Termin auf einer Hochzeitsmesse.
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Reto Oeschger

Bei Studien zum Sozialverhalten entscheidet oft auch die Art der Fragestellung über das Resultat. Noch im vergangenen Sommer beispielsweise verkündeten Wissenschaftler von der University of Colorado im Fachblatt «The Journal of Family Psychologie», dass von 4884 Frauen im Jahr zuvor nur ein Prozent Ehebruch begangen hatte – allerdings auf der Basis von persönlichen Interviews. Ein unpersönlicher Computerfragebogen, bei dem die Peinlichkeit des Geständnisses keine Rolle spielte, ergab bei denselben Frauen dagegen eine Quote von sechs Prozent.

Deutliche Veränderung innerhalb von 15 Jahren

Nun scheinen jüngere Studien laut einem Bericht der Zeitung «New York Times» einen realistischen Eindruck zur Ehetreue in den USA zu liefern – mit Hilfe einer Langzeitstudie namens «National Social Survey», in der eine repräsentative Auswahl von Amerikanerinnen und Amerikaner schon seit 1972 erfasst werden. Neue Analysen von Daten zwischen 1991 und 2006 zeigen laut einer Studie von Sozialkundlern der University of Washington, die im Detail erst im November publiziert werden soll, drastische Veränderungen.

Die «Seitensprung-Rate» liegt demnach zwar stabil bei 10 Prozent – doch die Verteilung in der Bevölkerung veränderte sich stark: Bei Männern über 60 Jahren stieg die Quote bis 2006 auf 28 Prozent, nachdem sie fünf Jahre zuvor noch 21 Prozent betragen hatte. Bei den Frauen in diesem Alter ist der Anstieg sogar noch stärker: von fünf auf 15 Prozent. Auch die Jungverheirateten nehmen es laut dem Zeitungsbericht mit der Treue weniger genau als früher: Rund 20 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen unter 35 bekennen demnach, ihren Partner schon einmal betrogen zu haben – ein Zuwachs von immerhin 5 beziehungsweise 3 Prozent.

Viagra und Online-Pornos als Ursachen?

Wodurch diese Veränderungen zustande kamen, ist den Wissenschaftlern derzeit noch nicht ganz klar. Und so kursieren derzeit zahlreiche Theorien – darunter auch die Vermutung, dass bei Männern Viagra und ähnliche Medikamente und bei Frauen Östrogen-Präparate und andere Mittel das Sexualleben intensiviert haben. Auch bessere künstliche Hüftgelenke, so vermuten manche Wissenschaftler, könnten dazu beigetragen haben. Bei den jüngeren Menschen hingegen vermuten Sozialforscher den Porno-Boom im Internet als Ursache: Eine veränderte Vorstellung von dem, was «normal» ist, war in Studien bereits festgestellt worden – und mehr Seitensprünge wären demnach die logische Konsequenz.

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