Herzkrankheiten: Forscher bitten 9000 Menschen zur Gen-Analyse

Schweizer Wissenschafter prüfen die Rolle der Gene bei Kreislauf-Krankheiten. Beim Darmkrebs wird sie überschätzt.

Die Ursachen von Herzkrankheiten sollen noch genauer erforscht werden: Forscher wollen dazu das Erbgut von 9000 Menschen untersuchen. Bild: AndreaAstes/iStock

Die Ursachen von Herzkrankheiten sollen noch genauer erforscht werden: Forscher wollen dazu das Erbgut von 9000 Menschen untersuchen. Bild: AndreaAstes/iStock

Die Analyse des Erbguts von 9000 Menschen soll einen tieferen Einblick in die Ursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ermöglichen. Das Forschungsprojekt von Schweizer und deutschen Wissenschaftler ist das grösste dieser Art im deutschsprachigen Raum.

Aus der Schweiz sind die Hochgebirgsklinik Davos und das Universitätsspital Zürich beteiligt. Die in Schindellegi SZ domizilierte Kühne-Stiftung fördert das Vorhaben mit 12,5 Millionen Euro.

Übergewicht, Rauchen und ungesunde Ernährung zählen zu den wesentlichen beeinflussbaren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Genetische Faktoren bestimmen das Risiko mit. Das Zusammenspiel zwischen Genen und äusseren Einflüssen sei aber nur unzureichend bekannt, hiess es am Freitag in einer Mitteilung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.

Übergewicht, Rauchen und ungesunde Ernährung sind beeinflussbare Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bild: jacoblund/iStock

Nun wollen die Wissenschaftler das vollständige Erbgut von 8000 gesunden Menschen mit dem von 1000 ehemaligen Patienten des Universitären Herz- und Gefässzentrums am UKE vergleichen. Ziel des fünfjährigen Projekts sei es, neue Optionen etwa zur Vorsorge, Erkennung und Behandlung von Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und Herzinfarkten zu entwickeln.

Rolle der Gene beim Darmkrebsrisiko überschätzt

Beim familiär erhöhten Darmkrebsrisiko spielen die Gene eine Rolle – aber sie wird bislang offenbar überschätzt. Andere Risikofaktoren wie familiäre Ernährungsgewohnheiten wiegen demnach vermutlich schwerer als angenommen.

Das habe Konsequenzen für Berechnungen des individuellen Darmkrebsrisikos. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) Heidelberg laut Mitteilung vom Donnerstag in einer aktuellen Studie.

Darmkrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung weltweit. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 33'100 Männer und 27'900 Frauen daran. Das Risiko nimmt mit dem Lebensalter zu. Mehr als 25'000 Patienten sterben jährlich an dieser Krebserkrankung.

Vorzeichen von Darmkrebs: Adenomatöse Polypen können bösartig entarten. Bild: selvanegra/iStock

Wissenschaftler gehen derzeit davon aus, dass die Erkrankung zu 35 Prozent erblich bedingt ist. Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählt eine familiäre Vorbelastung. Zudem identifizierten Forscher in den vergangenen Jahren rund hundert Genvariationen, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind und die das Risiko für Darmkrebs beeinflussen.

Aktuelle Studien des DKFZ legen nun aber nahe, dass diese kleinen Genvariationen einen deutlich geringeren Anteil des familiär erhöhten Darmkrebsrisikos erklären als bisher angenommen. Davon berichten die Forschenden im «International Journal of Cancer».

Neues Berechnungsverfahren

Die DKFZ-Forscher werteten Daten von knapp 8000 Darmkrebspatienten sowie gesunden Menschen aus. Während bislang gängige Verfahren davon ausgingen, dass die familiäre Häufung zu 100 Prozent genetisch bedingt ist, entwickelten die Heidelberger Experten ein neues Berechnungsverfahren, dass genau das nicht annimmt.

Während bisherige Berechnungen den bislang bekannten Genvarianten einen Anteil bis 23,1 Prozent am familiär erhöhten Darmkrebsrisiko zusprachen, führten die Berechnungen der DKFZ-Forscher zu einem deutlich geringeren Anteil von 14,3 Prozent.

Bereits im vergangenen Jahr hatte eine Studie gezeigt, dass bei Halbgeschwistern von Darmkrebspatienten das Risiko, selbst zu erkranken, ebenso erhöht ist wie bei «echten» Geschwistern. «Das legt nahe, dass gemeinsame Risikofaktoren, etwa spezielle Ernährungsgewohnheiten, Rauchen oder ein Bewegungsmangel eine deutlich grössere Rolle spielen als bisher angenommen», betonten die Forscher.

Wer nur wenige auffällige Genvarianten in seinem Erbgut trage, dürfe sich nicht in Sicherheit wiegen, wenn etwa sein Lebensstil das Darmkrebsrisiko erhöhe. Umgekehrt müsse Darmkrebs trotz ungünstiger Genetik kein Schicksal sein, wenn das individuelle Verhalten das Risiko senke.

oli/sda

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