Zum Hauptinhalt springen

2013 ist das Jahr der Kometen

Nächste Woche wird möglicherweise erstmals seit Jahren ein Komet von blossem Auge sichtbar die Nordhalbkugel passieren. Später im Jahr könnte sogar ein Jahrhundert-Spektakel folgen.

Seltenes Phänomen: Der Komet McNaught, aufgenommen in Pucon, rund 900 km südlich von Santiago de Chile. (19. Januar 2007)
Seltenes Phänomen: Der Komet McNaught, aufgenommen in Pucon, rund 900 km südlich von Santiago de Chile. (19. Januar 2007)
AFP

Über Russland explodierte vor gut zwei Wochen ein Meteor, dann schrammte ein Asteroid an der Erde vorbei – und nun taucht Anfang nächster Woche auch noch ein Komet am Abendhimmel auf. Doch Gefahr droht nicht vom Besuch des Kometen Panstarrs: Er bleibt bei seiner Stippvisite weiter von der Erde entfernt als die Sonne. Sternfreunde warten dennoch gespannt auf den kosmischen Gast, denn Panstarrs dürfte der erste Schweifstern seit Jahren sein, der am nördlichen Himmel mit blossem Auge zu sehen ist. Und im Herbst könnte der Komet Ison sogar ein Jahrhundert-Spektakel am Himmel bieten.

Kometen gelten ebenso wie Asteroiden als Überbleibsel der Entstehung unseres Sonnensystems vor rund 4,6 Milliarden Jahren. Doch während Asteroiden aus Gestein bestehen, sind Kometen eher mit schmutzigen Riesen-Schneebällen vergleichbar. Wenn sie sich auf ihrer Reise durch den Weltraum der Sonne nähern, bilden sie oft Gas- und Staubschweife aus.

Helle Schweifsterne sind selten

Zwar ziehen häufig Kometen an der Sonne vorbei, doch die meisten von ihnen sind nur in Teleskopen zu beobachten. Selten sind dagegen die hellen Schweifsterne wie zum Beispiel die prächtigen Kometen Hale-Bopp und Hyakutake aus den 1990er Jahren. Und was dürfen Himmelsgucker nun von Panstarrs erwarten, der im Juni 2011 mit dem gleichnamigen Teleskop auf Hawaii entdeckt wurde? «Im Prinzip wird er leicht mit blossem Auge sichtbar sein», sagt die Bochumer Astronomin Susanne Hüttemeister, schränkt aber zugleich ein: «Wenn er nicht in der hellen Abenddämmerung stünde.»

Die ersten Beobachtungsmöglichkeiten für Panstarrs, der die astronomische Bezeichnung C/2011 L4 trägt, bieten sich in unseren Breiten zu Beginn der nächsten Woche. Bei Sonnenuntergang steht der Komet dann tief am Westhimmel, der allerdings noch aufgehellt ist. Weiter zum Monatsende steht Panstarrs zwar höher am Himmel, wird dafür aber auch nach und nach lichtschwächer. Ausserdem stört dann auch das helle Licht des Mondes den Blick mit blossem Auge auf den Kometen.

«Ison hat mehr Potenzial»

Einen noch spektakuläreren Anblick als Panstarrs könnte demnächst ein zweiter Komet bieten, der sich ebenfalls im Anflug auf die Sonne befindet. «Ison hat mehr Potenzial», sagt Hüttemeister über den im September entdeckten Kometen mit der Bezeichnung C/2012 S1, der im kommenden November dicht an der Sonne vorbeiziehen und sich Ende Dezember unserem Planeten bis auf weniger als die Hälfte der Entfernung zwischen Erde und Sonne nähern soll.

Allerdings sind Kometen unsichere Kantonisten – niemand kann genau vorhersagen, was ihnen in Sonnennähe widerfährt. Ison beispielsweise wird der Sonne so nahe kommen, dass er womöglich auseinanderbricht. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Komet die Hoffnung auf ein Himmelsspektakel enttäuscht: 1973 blieb der Auftritt des Kometen Kohoutek, dessen Erscheinen als astronomisches Jahrhundert-Ereignis angekündigt worden war, weit hinter den Erwartungen zurück.

Angebliche Unglücksboten

Doch nicht immer sahen die Menschen im Auftauchen eines Schweifsterns nur ein prächtiges Naturschauspiel. Jahrhundertelang galten Kometen als Unglücksboten – flammende Menetekel am Firmament, die Krieg und Seuchen ankündigen. Dies galt auch für den bekanntesten aller Schweifsterne – den Halleyschen Kometen, der uns etwa alle 76 Jahre besucht. Sein Erscheinen im Jahr 1066 etwa galt Zeitgenossen als Vorbote der Schlacht bei Hastings und des Sieges der Normannen über die Angelsachsen.

Zu den alten Mythen gesellt sich eine zwar sehr unwahrscheinliche, aber dennoch reale Gefahr: Der Einschlag eines Kometen auf der Erde würde tatsächlich eine globale Katastrophe auslösen. Um mehr über die schmutzigen Schneebälle im All zu erfahren, wurden zuletzt eine Reihe von Forschungsmissionen unternommen. Eine der spektakulärsten starteten die Europäer 2004, als sie die Sonde «Rosetta» auf die zehnjährige Reise zum Kometen Tschurjumow-Gerasimenko schickten. Dort soll sie 2014 ein Landegerät mit dem Namen «Philae» absetzen – zu einem «Ritt auf dem Kometen».

AFP/mw

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch