Auch das Tierreich kennt die direkte Demokratie

Afrikanische Wildhunde treffen demokratische Entscheidungen. Dazu ­stimmen die Tiere mit einer ungewöhnlichen Methode ab: Sie niesen. Das haben Forscher erstmals beobachtet.

Liegen bleiben oder auf zur Jagd? Jeder Wildhund kann seine Stimme ­abgeben.

Liegen bleiben oder auf zur Jagd? Jeder Wildhund kann seine Stimme ­abgeben.

(Bild: iStock)

Nicht nur Menschen fällen gemeinsam Entscheide, indem sie darüber abstimmen. Auch viele Tiere, die in sozialen Gruppen ­leben, kennen dieses demokratische Prinzip. Beispielsweise Erdmännchen oder Kapuzineraffen: Bei beiden Arten ziehen Gruppen erst dann zum nächsten Ort weiter, wenn eine Mindestanzahl der Tiere mit einem Schrei zu­gestimmt hat.

Eine spezielle Methode nutzen Afrikanische Wildhunde: Sie geben ihre Stimme mit einem Niesen ab, wie ein internationales Forscherteam kürzlich heraus­gefunden hat. Die Zoologen beobachteten im afrikanischen Botswana verschiedene Rudel von Wildhunden.

Diese Savannen­bewohner leben in Gruppen von etwa sechs bis zwölf Tieren. Tagsüber liegen sie jeweils lange schlafend herum. Ob das Rudel aufbricht, um jagen zu gehen, bestimmt es bei einem Treffen. Jeweils ein einzelner Hund ergreift die Initiative und fängt an, sich nervös zu verhalten. «Etwa so wie ein Hund, der seinen Besitzer freudig begrüsst», sagt Reena Walker von der Brown University, die die Wildhunde beobachtet hat.

Andere aus dem Rudel ge­sellen sich dazu, halten ihre Köpfe aneinander oder laufen Seite an Seite. Ausserdem geben die Hunde Nieslaute von sich, indem sie sehr schnell durch die Nase ausatmen. Am Ende eines solchen Treffens bricht das ganze Rudel zur Jagd auf – oder alle ­legen sich wieder hin.

«Zuerst dachten wir, dass das Niesen einfach dazu dient, die Nase zu putzen», sagt Ökologin Reena Walker. Doch bald stellten die Wissenschaftler fest: Je mehr Nieser sie hörten, desto eher lief ein Rudel danach los.

Bevorzugte Oberschicht

Diese Entdeckung untersuchten sie genauer. Ein Jahr lang beobachteten die Forscher insgesamt 68 Treffen von fünf verschiedenen Rudeln, machten Film- und Tonaufnahmen und werteten diese aus. Welches Tier hat das Treffen initiiert? Wie viele haben daran teilgenommen? Welche Tiere niesten und wie oft?

Diese und weitere Verhaltensweisen verglichen die Forschenden mit dem Ausgang des Treffens. Es zeigte sich: Die Summe aller Nieser ist der ausschlaggebende Auslöser dafür, ob das Rudel aufbrach oder nicht. Diese Erkenntnis sei erstaunlich, sagt Walker: «Hunde sind eigentlich dafür bekannt, dass ein dominantes Tier oder Paar weitgehend das Gruppenverhalten bestimmt.»

Ganz fair ist die Demokratie der Wildhunde allerdings nicht. Wenn nämlich ein dominantes Tier das Treffen initiiert,braucht es im Schnitt nur drei unterstützende Nieser, bis das Rudel loszieht. Fängt hingegen ein nicht dominantes Tier an, sind zehn Nieser nötig. Immerhin reichen diese dann auch ohne Unterstützung des dominanten Paares.

Berner Zeitung

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