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Forscher bringen Pinguine in Gefahr

Für wissenschaftliche Studien werden Pinguinen Markierungsbänder angebracht. Diese haben jedoch äusserst negative Auswirkungen auf die Tiere.

Bleiben lieber unberührt: Fürst Albert II von Monaco beobachtet eine Pinguin-Population in der Antarktis.
Bleiben lieber unberührt: Fürst Albert II von Monaco beobachtet eine Pinguin-Population in der Antarktis.
Keystone

Das Anbringen von Markierungsbändern an den Flossen gefährdet freilebende Pinguine. Markierte Tiere haben weniger Küken und geringere Überlebenschancen als nicht-markierte, berichten Forscher nach zehnjähriger Untersuchung einer Kolonie von Königspinguinen. Die Forscher um Claire Saraux von der Universität Strassburg in Frankreich bezweifeln zudem die Aussagekraft der Daten, die mit Hilfe der Markierungsbänder gewonnen werden. Laut der im Fachblatt «Nature» publizierten Studie reagieren markierte Tiere nämlich anders auf Umweltveränderungen als nicht- markierte.

Die Markierungsbänder aus Metall oder Plastik werden bei Pinguinen an einer Flosse angebracht. Für wissenschaftliche Studien können die einzelnen Tiere so aus der Ferne identifiziert werden. Schon in den 1970er Jahren stellten Forscher fest, dass die Bänder die Flossen ernstlich verletzen können.

40 Prozent weniger Junge

Ausserdem kam bald der Verdacht auf, dass sie die Pinguine beim Schwimmen behindern. Die Markierungsbänder erhöhen nämlich den Widerstand im Wasser und damit den Energieverbrauch der Tiere. Die langfristigen Auswirkungen der Markierungen sind dennoch bisher unter Fachleuten umstritten.

Saraux und ihre Mitarbeiter verglichen nun das Verhalten und die Fortpflanzung von 50 markierten und 50 nicht-markierten Tieren einer Kolonie von Königspinguinen (Aptenodytes patagonicus), die auf einer Insel in der Antarktis brüten.

Dabei stellten sie fest, dass die markierten Tiere über einen Zeitraum von zehn Jahren 39 Prozent weniger Küken hatten als die nicht-markierten. Zudem war ihre Überlebensrate um 16 Prozent geringer. Vor allem schwächere Tiere litten unter den Bändern.

Später am Brutplatz

Weiter fanden die Forscher heraus, dass die markierten Pinguine deutlich später zum Brüten eintrafen als die anderen - im Schnitt 16 Tage. Auch die Futtersuche dauerte bei ihnen deutlich länger, vermutlich weil die Bänder beim Schwimmen störten.

Zusammengenommen könne dies den verminderten Bruterfolg der markierten Pinguine erklären, schreiben die Forscher. Sie fanden die beobachteten Effekte auch noch nach mehreren Jahren. Dies widerspreche der Annahme, dass die Pinguine sich mit der Zeit an die Markierungsbänder gewöhnen.

Verhalten manipuliert

Schliesslich untersuchten die Forscher die Reaktionen der zwei Pinguin-Gruppen auf Klimaveränderungen. Sie fanden, dass die markierten Tiere vor allem in wärmeren Jahren später zum Brüten eintrafen als die nicht-markierten Tiere. Auch die Wassertemperatur beeinflusste der Untersuchung zufolge den Bruterfolg beider Gruppen unterschiedlich.

Die Temperatur verändert die Verfügbarkeit an Nahrung und damit die Dauer der Futtersuche, erklären die Forscher. Wissenschaftler, die mit Hilfe der Markierungsbänder den Einfluss von Klimaveränderungen auf die Pinguinen untersuchen, beeinflussten durch die Bänder selbst das Verhalten der Tiere.

SDA/jak

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