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Igel würden Whiskas kaufen

Der Endspurt vor dem Winterschlaf: Igel müssen sich jetzt ein Fettpolster anfressen, sonst kommen sie nicht durch den Winter. Wir Menschen können den vom Schnee überraschten Stacheltieren helfen: mit etwas Katzenfutter.

Unter dem überraschend heftigen Wintereinbruch hatten letzte Woche Tausende von Autofahrern und Pendlern zu leiden. Der Schnee und das kalte Wetter der letzten Tage machte und macht aber auch vielen Wildtieren zu schaffen. Allen voran den Igeln: «Bei uns gehen zurzeit aus der ganzen Schweiz überdurchschnittlich viele Anfragen von Leuten ein, die hungrige und kranke Igel gefunden haben», sagt auf Anfrage etwa Anneliese Girlich, welche die Hotline der Vereinigung Pro Igel betreut und selber in Rheinfelden eine Igelstation betreibt: «Allein in meiner Station päppele ich im Moment 26 Igel auf.»

Zu leiden haben derzeit insbesondere spät geborene Jungigel, die sich noch nicht den nötigen Winterspeck anfuttern konnten. «Schuld» daran war nicht in erster Line der Schnee der letzten Tage, sondern insbesondere die zwei Wochen zuvor mit sehr trockenem, kaltem Bisenwetter: Weil die Würmer und Schnecken tief im Boden blieben, fanden viele Igel zu wenig Nahrung. «Das Problem», so die Igel-Fachfrau Anneliese Girlich, «ist, dass zurzeit vielen Jungigeln nun die Zeit davonläuft: Um den Winter zu überstehen, sollten sie mindestens 600 bis 700 Gramm auf die Waage bringen. So viel wiegen zurzeit aber längst nicht alle Tiere.»

Katzenfutter und Nüsse

Wer jetzt im Garten einen sichtbar mageren jungen Igel vorfindet, kann ihn laut Girlich am besten mit etwas Katzenfutter, das man ihm abends an einem geschützten Ort in einem Schälchen hinstellt, aufpäppeln: «Gut sind auch Nüsse. Obst hingegen essen sie entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht. Und von Milch ist dringend abzuraten, da sie beim igel tödlichen Durchfall verursachen kann. Etwas Wasser genügt.» Sehr geschwächte Tieren, so Anneliese Girlich, die auf eine bald 30-jährige Erfahrung in der Igel-pflege zurückblickt, könne man über die Runden helfen, indem man sie ins warme Haus nimmt und ihnen mit einer mit einer alten Zeitung ausgekleideten Schuhschachtel ein Behelfsnest macht. «In diesem Fall sollte man aber unbedingt vorgängig Kontakt mit Fachleuten aufnehmen und den Igel kurz in einer Igelstation zeigen», rät Girlich: «Wir können wertvolle Tipps geben. Und: Möglicherweise leidet das Tier nämlich auch unter Parasiten wie zum Beispiel Darmsaugwürmern. Und da können wir mit einer Spritze oder Medikamenten, die man dem Tier ins Futter mischt, helfen.»

Kranke Igel sind laut Girlich relativ leicht zu erkennen: Da Igel normalerweise in der Dämmerung und Nachts aktiv sind, stimmt in der Regel mit einem Tier, das man tagsüber umherirrend antrifft, irgendetwas nicht. Und: Gesunde Igel «kugeln» sich normalerweise ein, wenn sie sich in Gefahr wähnen, kranke Igel bleiben ausgestreckt liegen.

Laub und Äste

Wir Menschen können im Übrigen den stachligen Wildtieren nicht «nur» beim Anfressen von etwas Winterspeck helfen, sondern auch beim Nestbau. In diesen Tagen läuft für die Igel der Endspurt in Sachen Winterquartiersuche, bevor dann die Temperaturen endgültig in den Null-Grad-Bereich absinken. «Wer einen Garten hat», so Anneliese Girlich, «sollte ihn vor dem Winter nicht von Laub und Ästen leer säubern. ‹Igelgerechter› ist es, wenn man das Laub in ruhigen Winkeln zu Haufen aufschichtet und mit Ästen beschwert. Igel benutzen das Laub zur Isolation ihrer Nester oder bauen ihr Nest darin.»

Infos zum Thema Igelpflege und zuden Igelstationen in der Schweiz:?www.pro-igel.ch, www.igel.ch/igelstationen_links. htm. Buchtipp: Der igelfreundliche Garten, Wolf Richard Günzel, Pala, Fr.18.90.

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