In Äthiopien werden 4 Milliarden Bäume gepflanzt

Mit 350 Millionen Setzlingen in zwölf Stunden hat Äthiopien einen Weltrekord im Bäumepflanzen aufgestellt – und will noch viel mehr als das.

Ministerpräsident Abiy Ahmed pflanzt mit: Äthiopien will den auf 4 Prozent der Landesfläche geschrumpften Waldanteil wieder erhöhen. Foto: Aron Simeneh/Office of the Prime Minister - Ethiopia

Ministerpräsident Abiy Ahmed pflanzt mit: Äthiopien will den auf 4 Prozent der Landesfläche geschrumpften Waldanteil wieder erhöhen. Foto: Aron Simeneh/Office of the Prime Minister - Ethiopia

Jeder der über 100 Millionen Einwohner Äthiopiens soll in diesem Jahr 40 Bäume pflanzen – 4 Milliarden Setzlinge sollen so bis Oktober hinzukommen. Im Zuge der Initiative «Green Legacy» (Grünes Vermächtnis) sind allein bei einer landesweiten Aktion am Montag innerhalb von zwölf Stunden über 353 Millionen Bäume angebaut worden, wie die Regierung mitteilte. Rund 23 Millionen Menschen haben sich demnach daran beteiligt.

Den bisherigen Weltrekord hielt Indien. Dort wurden 2016 im Bundesstaat Uttar Pradesh rund 50 Millionen Bäume und im Jahr 2017 in Madhya Pradesh rund 66 Millionen Bäume innert zwölf Stunden gepflanzt.

Weltrekord: Äthiopien hat in zwölf Stunden über 350 Millionen Bäume gepflanzt. Foto: Aron Simeneh/Office of the Prime Minister - Ethiopia

«Äthiopien wird immer anfälliger für Klimaschocks; Wasserstände schrumpfen, und die Fruchtbarkeit des Bodens ist wegen des Mangels an Bewaldung beeinträchtigt», sagte Landwirtschaftsminister Umer Husen. Dem wolle man mit der im Mai begonnenen Pflanzinitiative begegnen.

Noch Ende des 19. Jahrhunderts waren laut UNO rund 35 Prozent der Landesfläche mit Wald bedeckt, doch dieser Anteil sank bis Anfang 21. Jahrhundert auf 4 Prozent.

Äthiopiens Bevölkerung von derzeit rund 105 Millionen Menschen wächst rasend schnell – 1960 waren es noch rund fünfmal weniger. Das erhöht den Bedarf nach Wohn- und Ackerland sowie nach Bauholz. Zudem hat das Land laut Weltbank mit 7,7 Prozent ein sehr hohes Wirtschaftswachstum.

Allerdings gehört Äthiopien nach Angaben der UNO noch immer zu den weniger entwickelten Ländern der Welt. Somit sei es anfälliger für Klimaveränderungen. Das Land hat demnach grosse Umweltprobleme wie Bodenerosion, Abholzung, Wüstenbildung, wiederholte Dürren, Überschwemmungen sowie Wasser- und Luftverschmutzung.

7,8 Milliarden Bäume am «Earth Day» 2020

Projekte zur Wiederaufforstung gibt es weltweit; bis 2020 sollen nach der Bonn Challenge 150 Millionen Hektaren bepflanzt werden, bis 2030 gar 350 Millionen Hektaren. Äthiopien hat sich zur Wiederaufforstung von 15 Millionen Hektaren verpflichtet, das würde auch die 2,6 Millionen Hektaren gutmachen, welche im Land zwischen 1990 und 2015 gemäss UNO verloren gingen.

Nächstes Jahr ist zudem eine weltweite Pflanzaktion am «Earth Day» geplant. Für jeden Bewohner der Erde soll dann ein Baum gesetzt werden – 7,8 Milliarden Setzlinge wären das nach Angaben der Organisatoren. Der «Earth Day» wird am 22. April 2020 zum 50. Mal gefeiert, über eine Milliarde Menschen sollen sich an den unterschiedlichen Aktionen beteiligen.


Ist der Wald unsere Rettung?Es gäbe viel Raum, um Wald aufzuforsten, wie ein Forscherteam der ETH Zürich herausgefunden hat. Zum Artikel

anf/sda

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