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Bei welchen Operationen es am häufigsten zu Infektionen kommt

Erstmals wurde die Rate der Wundinfektionen in allen Schweizer Spitälern untersucht. Bei drei Operationsarten nahm die Zahl der Fälle zu.

Bei Dickdarmoperationen kommt es in 12,8 Prozent der Fälle zu einer Wundinfektion: Eine Ärztin zieht Handschuhe an.
Bei Dickdarmoperationen kommt es in 12,8 Prozent der Fälle zu einer Wundinfektion: Eine Ärztin zieht Handschuhe an.
Reuters

Zum zweiten Mal sind die Infektionsraten nach chirurgischen Operationen an Schweizer Spitälern untersucht worden. Neu ist, dass die Daten erstmals nach einzelnen Spitälern abrufbar sind. Zudem war die Teilnahme an der Erhebung zum ersten Mal obligatorisch für alle Spitäler, die Operationen durchführen.

«Das Ziel ist, dass die Spitäler sich untereinander vergleichen können», erklärte Petra Busch, Geschäftsleiterin des Nationalen Vereins für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ), am Dienstag vor Medien in Bern. Seit der nationale Qualitätsvertrag von 2011 in Kraft sei, müssten die Spitäler an der Erhebung teilnehmen und diese auch selbst bezahlen.

Insgesamt wurden die Infektionsfolgen bei zehn verschiedenen chirurgischen Eingriffen erhoben, von denen acht in die Auswertung einflossen. Der Datensatz umfasst nun über 38'000 Infektionsfälle an 118 Schweizer Spitälern und Spitalgruppen. Die Operationen wurden zwischen Oktober 2011 und September 2012 durchgeführt - bei manchen Eingriffen war der Untersuchungszeitraum ein Jahr früher.

Die sicherste von diesen Operationen in Bezug auf Wundinfektionen ist - auf die ganze Schweiz betrachtet - eine Knietotalprothese. Dabei entzündete sich in 0,9 Prozent der Fälle die Wunde. Am riskantesten ist die Dickdarmchirurgie mit Wundinfektionen in 12,8 Prozent der Fälle. Der Grund dafür ist, dass der Darm besonders viele Keime beherbergt.

Eine Rangliste einzelner Spitäler haben der ANQ, der die Erhebung veranlasste, und die Infektiologenvereinigung Swissnoso, die sie durchführt, explizit nicht angefertigt. «Ich glaube nicht, dass ein Spitalvergleich dem Patienten viel bringen würde», sagte Christian Ruef, Infektiologe und Präsident von Swissnoso.

Der Grund: Bestimmte Faktoren wie die strikte Definition und Überwachung von Infektionen können zwischen Spitälern variieren. Auch behandeln manche Spitäler kränkere Patienten, die von anderen Kliniken zu ihnen verlegt wurden. Die statistische Korrektur für diese Risiken sei nicht perfekt, sagte Ruef.

So erklärt zum Beispiel das Spitalzentrum Biel seine etwas höhere Infektionsrate bei Kaiserschnitten damit, dass es «wenn immer möglich eine natürliche Geburt anstrebt». Die meisten Kaiserschnitte seien deshalb ungeplant, was die höhere Infektionsrate erkläre.

Druck auf Spitäler

Die Erhebung soll stattdessen den Wettbewerb zwischen Spitälern und damit Massnahmen zur Qualitätsverbesserung fördern, sagte Petra Busch. «Die Spitäler haben selbst ein Interesse daran, sich dort zu verbessern, wo sie nicht so gut dastehen», ergänzte Ruef. Studien aus dem Ausland belegten, dass die Infektionsrate bereits sinke, sobald sie überwacht werde.

Doch auch die Kantone, die sich mit den Krankenkassen, dem Spitalverband und den Gesundheitsdirektoren im ANQ zusammengeschlossen haben, besitzen damit eine Zusatzinformation für den Abschluss von Leistungsaufträgen und Tarifverträgen, sagte Busch. Dies übe ebenfalls Druck auf die Spitäler aus, sich - wo nötig - zu verbessern.

Die Berichte gehen überdies direkt an die Spitalleitung und die Chirurgen, «also jene Stellen, die etwas bewirken können», sagte Ruef. Wie Wundinfektionen reduziert werden können, ist seit langem bekannt - zum Beispiel indem rechtzeitig vor einer Operation vorbeugend Antibiotika verabreicht werden. Swissnoso baut derzeit Präventionsmodelle für die Spitäler auf, die bei der Umsetzung helfen sollen.

Bisher keine Trends

Die Infektionsraten haben sich im Vergleich mit der Vorperiode von 2010 bis 2011 nicht wesentlich geändert. Bei einigen Eingriffen lassen sich allenfalls Trends ablesen: Leicht tiefer liegen die Raten bei Gallenblasenentfernung, Kaiserschnitt, Herzchirurgie, Hüfttotalprothesen- und Knietotalprothesenimplantation.

Leicht angestiegen sind sie bei Blinddarmentfernung, Leistenbruchoperationen und Dickdarmchirurgie. Diese Unterschiede sind aber statistisch nicht signifikant. Das heisst, das Resultat könnte auch zufällig entstanden sein. Je länger die Messungen laufen, desto aussagekräftiger werden sie, schreibt der ANQ.

Auch der Vergleich mit dem Ausland ist gemäss den Experten schwierig. Die Definitionen und insbesondere die Erfassung der Infektionen nach dem Spitalaustritt variiere stark zwischen den Ländern, erklärte Ruef. Die Schweizer Erhebung verfolge die Patienten nach dem Spitalaustritt besonders lange und sorgfältig, weshalb die hiesigen Infektionsraten bei manchen Eingriffen höher lägen als in anderen Ländern.

SDA/wid

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