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NOx – mehr Herz­infarkte und Schlaganfälle

Millionen von Menschen seien durch die illegalen Emissionen von Stickoxid gefährdet, sagt ein Mediziner. Der «Guardian» rechnet derweil ­Schadstoffzahlen hoch.

Was hier rauskommt, sollte möglichst gut gefiltert sein: Abgasrohr eines Personenwagens.
Was hier rauskommt, sollte möglichst gut gefiltert sein: Abgasrohr eines Personenwagens.
Reuters

Der Abgas-Skandal von VW ist weit mehr als eine «riesige Dummheit», als die er gern ­bezeichnet wird. «VW hat bewusst die Gesundheit von Millionen von Menschen aufs Spiel gesetzt», sagt der Mediziner Nino Künzli vom Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel. «Das ist unglaublich.» Zehn- bis vierzigmal mehr Stickoxide (NOx) als erlaubt pusten jene elf Millionen diesel­getriebenen Golfs, Jettas oder Passats in die Luft, die mit der Schwindel-Software des VW-Konzerns ausgerüstet sind.

Heute weiss man: Stickoxide gefährden die Gesundheit, sie können Atemwegserkrankungen fördern und Herz­infarkte oder Schlaganfälle begünstigen. In einer der bislang umfassendsten Studie zu dem Thema trugen britische Forscher Daten aus über 200 einzelnen Untersuchungen zusammen. Ihre Quintessenz: Erhöht sich während 24 Stunden die NOx-Konzentration in der Luft um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m3), steigt für Menschen in den betroffenen Gebieten das Risiko, hospitalisiert zu werden oder zu sterben. Nicht stark zwar, wie die Forscher im Mai im «­British Medical Journal» schrieben, aber konsistent um jeweils ein bis zwei Prozent.

Zu einem ähnlichen Schluss kam ein Forscherteam um Künzli in der schweizerischen «Sapaldia»-Studie: Verbessert sich die Luftqualität, dann leiden die betroffenen Menschen seltener an chronischen Atemwegserkrankungen. «Das konnten wir bis auf die Ebene des Individuums zeigen», sagt Künzli.

Grenzwert wird in Städten oft überschritten

Die schweizerische Luftreinhalteverordnung schreibt daher vor, dass die NOx-Konzentration im Jahresmittel maximal 30 µg/m3 Luft betragen darf. Dieser «Immissionsgrenzwert» wird indes in städtischen Lagen mit viel Verkehr immer noch oft überschritten, in Lausanne, Zürich oder Bern. Es gilt aber auch: Dank verbesserter Technologien sind in den letzten 30 Jahren die NOx-Konzentrationen in der Schweizer Luft deutlich gesunken.

Mit den derzeit bekannten Daten sei es nicht möglich auszurechnen, welchen Einfluss die illegalen Emissionen der VW Diesel in den letzten sechs Jahren auf die hiesige NOx-Belastung und damit auf die Gesundheit der Schweizer Bevölkerung hatten, sagt Künzli.

Dafür hat die britische Zeitung «The Guardian» die Rechnung für alle elf Millionen ­manipulierten Autos weltweit gemacht: Demnach belasteten diese VWs, Audis oder Skodas die Luft jährlich mit geschätzten 237'000 bis 948'000 ­Tonnen NOx zusätzlich. Fast eine Million Tonnen pro Jahr also, das entspricht dem 25-fachen Ausstoss des grössten Kohlekraftwerks Europas, Drax in der englischen Grafschaft North Yorkshire.

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