Wie Frauen und Männer Pornos konsumieren

Die grösste Pornowebsite der Welt veröffentlicht Zahlen zum Nutzungsverhalten ihrer Besucher. Einblick in ein tabuisiertes Vergnügen.

Virtual Reality: Technologische Innovationen werden die Art und Weise, wie wir Pornografie konsumieren, grundlegend verändern.

Virtual Reality: Technologische Innovationen werden die Art und Weise, wie wir Pornografie konsumieren, grundlegend verändern.

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Mit 81 Millionen Besuchern pro Tag liegt Pornhub auf Platz 38 der meistbesuchten Websites der Welt – innerhalb der Schweiz sogar auf Platz 18. Letztes Jahr hat die Pornoseite 25 Milliarden Sucheingaben verarbeitet, das entspricht rund 800 Sucheingaben pro Sekunde. Seit fünf Jahren publizieren die Betreiber der Website eine jährliche Auswertung des Nutzungsverhaltens ihrer Besucher. Mit geschlechts- und länderspezifischen Statistiken gewährt sie einen aufschlussreichen Einblick in die Trends, Neigungen und sexuellen Vorlieben, die den Pornokonsum weltweit dominieren.

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Pornografie ist ein Riesengeschäft. Seit den Anfängen des Internets gehört die Erwachsenenunterhaltung zu einem der grössten Traffic-Verursacher. Unterschiedliche Studien kommen zum Schluss, dass das Internet mittlerweile zu gut einem Drittel aus pornografischen Inhalten besteht. Alleine im letzten Jahr wurden auf Pornhub über vier Millionen Videos mit einer Gesamtlaufzeit von 68 Jahren hochgeladen, die transferierte Datenmenge betrug im selben Zeitraum 3732 Petabytes. Genug, um den Speicher aller iPhones dieser Welt zu füllen.

800 Sucheingaben pro Sekunde: Die Nachfrage nach pornografischen Inhalten bewegt sich in astronomischen Höhen. Grafik: Pornhub

Nur fünf Minuten des Datenverkehrs auf Pornhub würden bereits ausreichen, um die 50 Millionen Bücher der New York Public Library – eine der grössten Bibliotheken der Welt – vollzuschreiben. Zudem wurden im letzten Jahr auf Pornhub mit 120 Millionen Video-Bewertungen mehr Stimmen abgegeben als für Hillary Clinton und Donald Trump an der US-Präsidentschaftswahl zusammen.

3732 Petabytes an transferierten Daten: Genug, um den Speicher aller iPhones dieser Welt zu füllen. Grafik: Pornhub

Suche nach frauenfreundlichen Pornos um 1400 Prozent gestiegen

2017 stand ganz im Zeichen des Feminismus. Die nach einem Hashtag benannte #MeToo-Bewegung machte sich aber nicht nur auf Twitter bemerkbar. So war der Suchbegriff «Porn for Women» während des gesamten Jahres der «top trending search», also der am schnellsten wachsende Suchbegriff auf Pornhub. Die Verwendung dieses Suchbegriffs steigerte sich im Verlaufe des Jahres um 1400 Prozent. Gemäss der Sexualtherapeutin Dr. Laurie Betito dürfte sich dieser Trend 2018 fortsetzen: «2017 war ein Jahr, in dem Frauen aus dem Hintergrund hervorgetreten sind. Im Rahmen der #MeToo-Bewegung haben sie eine Stimme gefunden, mit der sie ihre Begehren offen artikulieren können. Das ist bloss ein Anzeichen dafür, was in Zukunft noch kommen wird.»

«Porn for Women» bis «Cheerleader»: Die Suchbegriffe, die 2017 definierten. Grafik: Pornhub

Auch in absoluten Zahlen hat die Suche nach frauenfreundlichen Pornos 2017 dominiert. So wurde der Suchbegriff «Lesbian» (Pornos, in denen vor der Kamera keine Männer mitwirken) im dritten Jahr in Folge mit Abstand am meisten nachgefragt. Auf Platz zwei landete der Suchbegriff «Hentai» (japanische Anime-Pornos), dicht gefolgt vom Suchbegriff «Milf» (Mom I'd like to f*ck), der für Pornos mit reiferen Frauen steht.

«Lesbian», «Hentai» und «Milf»: Die drei meistverwendeten Suchbegriffe 2017. Grafik: Pornhub

Bemerkenswert ist insbesondere die Platzierung der beiden Kategorien «Hentai» und «VR» (Virtual Reality), welche im Vergleich zum Vorjahr um sechs respektive 14 Plätze aufgeholt haben. Bei «Hentai» handelt es sich um japanische Comic-Filme pornografischen Inhalts, also nicht um Aufnahmen echter Menschen. In Japan haben sie eine lange Tradition, sie existierten schon vor der Erfindung des Fotoapparats und dienten bereits zu Kaisers Zeiten als Quelle sexueller Inspiration.

Beispiel klassischer Hentai-Kunst: «Der Traum der Fischersfrau» von Hokusai (1814) Bild: Wikimedia Commons

Bei VR-Porn handelt es sich um die neue Technologie aus dem Bereich der virtuellen Realität (VR), die in Form von computergesteuertem Sexspielzeug an den Körper angeschlossen werden kann. Einerseits erlaubt sie dem Nutzer, taktile Reize eines räumlich entfernten Sexpartners wahrzunehmen. Andererseits kann der Nutzer auch in eine virtuelle Fantasiewelt abtauchen, um dem Sex mit fiktionalen Charakteren zu frönen. Experten gehen davon aus, dass die VR-Technologie die Zukunft der Pornobranche bestimmen wird.

«Hentai und VR-Porn erlauben dem Konsumenten, dieser Welt zu entfliehen und den Stress der Realität für einen kurzen Moment zu vergessen.»Dr. Laurie, Sexualtherapeutin

Was sagt die starke Zunahme der Nachfrage nach virtuellen pornografischen Inhalten über den Zustand unserer Gesellschaft aus? Für Dr. Laurie handelt es sich dabei um ein Indiz für das wachsende Bedürfnis der Menschen, ihre Sexualität von der Realität abzukoppeln und in einer Welt der totalen Fantasie zu versinken: «Die Welt bewegt sich heute in einer beispiellosen Geschwindigkeit, was zu einer Steigerung des Stresslevels geführt hat. Hentai- und VR-Porn erlauben dem Konsumenten, dieser Welt zu entfliehen und den Stress der Realität für einen kurzen Moment zu vergessen.»

Verweildauer nach Ländern

In der Auswertung des Nutzungsverhaltens erfassen die Autoren der Studie auch die durchschnittliche Verweildauer der Pornokonsumenten und weisen sie nach Ländern geordnet aus. Am längsten blieben 2017 philippinische Besucher auf der Website, mit einer durchschnittlichen Verweildauer von 13 Minuten und 28 Sekunden. Gefolgt werden sie von Südafrikanern (11 Minuten 2 Sekunden) und US-Amerikanern (10 Minuten 33 Sekunden).

Wer lässt sich am meisten Zeit? Die durchschnittliche Verweildauer ausgewählter Länder. Grafik: Pornhub

Von allen erfassten Ländern blieben Russen (7 Minuten 41 Sekunden), Japaner (7 Minuten 50 Sekunden) und Inder (8 Minuten 20 Sekunden) am kürzesten auf der Website. Im Vergleich zum Vorjahr haben die Südkoreaner am meisten zugelegt: Sie blieben 2017 durchschnittlich 3 Minuten und 48 Sekunden länger auf der Website.

Topsuchanfragen nach Länder

Die Autoren der Studie haben ausserdem ausgewertet, wie sich die Topsuchanfragen über die Länder verteilen. Dabei lassen sich Suchanfragen, die einer Region zugeordnet werden können, von Suchanfragen unterscheiden, die in unterschiedlichen Regionen vorkommen. So scheint sich die Vorliebe für «Hentai» auf den asiatischen Raum zu konzentrieren (mit Ausnahme von Weissrussland), während auf dem afrikanischen Kontinent eine Vorliebe für «Ebony»-Pornos, also Filme mit schwarzen Darstellern, verbreitet ist.

Italiener, Polen, Usbeken und Inder mit gemeinsamer Vorliebe: Die geografische Verteilung der Topsuchanfragen. Grafik: Pornhub

Die Vorliebe für Pornos aus der «Milf»-Kategorie hingegen lässt sich keinem geografischen Raum zuordnen. Sie taucht in allen Ecken der Welt als Topsuchanfrage auf, etwa in Italien, Polen, Usbekistan und Indien. Die meistverwendete Suchkategorie «Lesbian» taucht vornehmlich in der westlichen Welt, aber auch in Saudiarabien und dem Oman auf.

Topsuchanfragen nach Geschlecht

Des Weiteren wurde in der Studie untersucht, wie sich das Nutzungsverhalten zwischen den Geschlechtern unterscheidet. Hier lassen sich deutliche Unterschiede festmachen: Während sich die meistverwendeten Suchanfragen der Männer aus den Kategorien «Japanese», «Ebony» und «Milf» zusammensetzen, suchen Frauen am meisten nach den Kategorien «Lesbian», «Threesome» (Dreier) und «Big Dick» (Filme mit gut bestückten Hauptdarstellern).

Unterschiedliche Vorlieben: Wie sich das Nutzungsverhalten zwischen den Geschlechtern unterscheidet. Grafik: Pornhub

Zudem haben die Autoren der Studie ausgewertet, welche Kategorien überproportional oft von Frauen nachgefragt wurden. Dabei zeigt sich, dass sowohl explizit frauenfreundliche als auch explizit frauenverachtende Kategorien proportional öfter von Frauen nachgefragt werden als von Männern. Die frauenfreundlichen Kategorien «Pussy Licking», «Popular With Women» und «Lesbian» belegen dabei die Plätze eins bis drei, während explizit frauenverachtende Kategorien wie «Hardcore», «Rough Sex» (gewaltsamer Sex) und «Bondage» (Fesselspiele) auf den Plätzen sechs, sieben und neun folgen.

Globaler Zuwachs: Der Anteil pornokonsumierender Frauen nach Ländern sortiert. Grafik: Pornhub

Unter dem Strich konsumieren weltweit aber immer noch deutlich mehr Männer Pornos als Frauen. Im globalen Schnitt kommt auf drei Pornokonsumenten bloss eine Pornokonsumentin. Dabei ist der Anteil an pornokonsumierenden Frauen mit 36 Prozent in den Philippinen am höchsten, während Japan mit bloss 19 Prozent Frauenanteil das Schlusslicht darstellt. Der grösste Zuwachs am Anteil pornokonsumierender Frauen verzeichnete Indien – mit 129 Prozent. Russland ist das einzige Land, in dem der Anteil pornokonsumierender Frauen gegenüber dem Vorjahr gesunken ist – mit ganzen 39 Prozent.

Einfluss der Sonnenfinsternis auf das Konsumverhalten

Gemäss den Autoren der Studie bleibt das Konsumverhalten übers Jahr mehr oder weniger konstant. Es gibt jedoch Ereignisse, welche die Pornokonsumenten davon abhalten, ihren Bedürfnissen nachzugehen. Eins davon war die Sonnenfinsternis vom 21. August 2017, die in den USA deutlich beobachtet werden konnte. Die Nutzerzahlen sind an diesem Tag landesweit stark zurückgegangen.

Man kann nicht überall gleichzeitig hinschauen: Einbruch des Pornokonsums während der Sonnenfinsternis nach Bundesstaaten. Grafik: Pornhub

Wie die Grafik zeigt, sind die Nutzerzahlen in denjenigen Bundesländern am stärksten eingebrochen, wo die Sonnenfinsternis am deutlichsten zu sehen war.

Als Letztes wurde in der Studie gegen Jahresende hin noch untersucht, wie sich der Einbruch des Pornokonsums über Weihnachten zwischen den Ländern unterschieden hat. Dabei hat sich gezeigt, dass sich Leute in warmen Ländern wie Südafrika oder Australien durch den Weihnachtsrummel am wenigsten vom Pornokonsum haben abhalten lassen, während das Konsumverhalten in europäischen Ländern wie Belgien oder Spanien am sensibelsten darauf reagiert hat.

Heilige Belgier, scheinheilige Südafrikaner: Einbruch des Pornokonsums über Weihnachten nach Ländern. Grafik: Pornhub (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.01.2018, 18:07 Uhr

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