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Die Krönung von Roy Hodgson

Der ehemalige Schweizer Nationalcoach steht in England hoch im Kurs. Der FC Liverpool will ihn und offenbar auch der nationale Verband – als Nachfolger von Trainer Fabio Capello.

Roy Hodgson ist in der Fussballschweiz eine Legende. Hier wird er der neue Trainer der Nationalmannschaft: Roy Hodgson (M. posiert mit dem Vorgänger Uli Stielike, (r.), sowie Zentralpräsident Freddy Rumo. Hodgson brachte die Schweizer Nationalmannschaft  zur Fussball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA und zur Fussball-Europameisterschaft 1996 in England. Dort war er aber nicht mehr Coach der Nati.
Roy Hodgson ist in der Fussballschweiz eine Legende. Hier wird er der neue Trainer der Nationalmannschaft: Roy Hodgson (M. posiert mit dem Vorgänger Uli Stielike, (r.), sowie Zentralpräsident Freddy Rumo. Hodgson brachte die Schweizer Nationalmannschaft zur Fussball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA und zur Fussball-Europameisterschaft 1996 in England. Dort war er aber nicht mehr Coach der Nati.
Keystone
Nach dem 4:0-Sieg gegen Estland steht fest, dass die Schweiz 1994 endlich wieder einmal an der einer WM teilnehmen darf. Baumeister Hodgson wird am 17. November 1993 im Zürcher Hardturm gefeiert.
Nach dem 4:0-Sieg gegen Estland steht fest, dass die Schweiz 1994 endlich wieder einmal an der einer WM teilnehmen darf. Baumeister Hodgson wird am 17. November 1993 im Zürcher Hardturm gefeiert.
Keystone
Mit dem FC Fulham erreichte er 2012 den Final der Europa League. Obwohl sein Team mit 1:2 gegen Atletico Madrid verlor, wählten ihn die Trainer und Manager der vier Top-Ligen in England zum «Trainer des Jahres».
Mit dem FC Fulham erreichte er 2012 den Final der Europa League. Obwohl sein Team mit 1:2 gegen Atletico Madrid verlor, wählten ihn die Trainer und Manager der vier Top-Ligen in England zum «Trainer des Jahres».
Keystone
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Müde und mit grimmigen Gesichtern sind Englands Fussballer in ihrer Heimat angekommen. Das Bild spricht Bände für die Gemütslage der Spieler und der Nation. Denn der Trip nach Südafrika, das nicht anerkannte Tor von Frank Lampard im Achtelfinal gegen Deutschand zum vermeintlichen 2:2 hin oder her, wird als weiteres Desaster in die Geschichte des Mutterlands des Fussballs eingehen. Der Sündenbock ist nach Meinung der meisten Sportjournalisten und der Öffentlichkeit der italienische Trainer Fabio Capello. Er soll – gemäss den unzähligen Kolumnisten im Blätterwald und bei den elektronischen Medien – so schnell wie möglich ersetzt werden, und zwar durch einen Briten, der die Verhältnisse kennt und die Sprache bestens beherrscht.

Der englische Verband (FA) steckt in einer Zwickmühle. Er ist zum Handeln gezwungen. Denn erstens steht bald die EM-Kampagne mit der Schweiz als Gegner ins Haus, und zweitens nimmt der Druck der Öffentlichkeit auf die Funktionäre zu, den aktuellen Coach der «Three Lions» in die Wüste zu schicken. Gemäss «Dail Mail» und «Times» ist die Wunschperson bereits auserkoren. Der Nachfolger von Capello soll Roy Hodgson heissen, ein Mann, der in der Schweiz bestens bekannt ist und im Alpenland eigentlich als Mitbürger angesehen wird. Schliesslich ist man heute noch zwischen Genf und Buchs SG der Meinung, dass die Nati an der EM 1996 in England grössere Stricke zerrissen hätten, wenn Hodgson als Personalchef geblieben wäre und nicht Inter Mailand übernommen hätte.

Der lukrative Vertrag von Capello

Doch an diesem möglichen Engagement von Hodgson liegen für die FA mehrere Steine im Weg. Der 62–Jährige, der in der vergangenen Saison den bescheidenen FC Fulham bis in den Final der Euro League gebracht hat und zum «Trainer des Jahres» in England erkoren worden ist, soll den FC Liverpool wieder an die Spitze des Landes und in Europa führen. Die «Reds» drängen auf eine schnelle Verpflichtung, sie wollen den neuen Trainer bereits am Donnerstag auf der Anfield Road präsentieren. Fulham mit Ersatzkeeper Pascal Zuberbühler und dem neuen Verteidiger Philippe Senderos kann eine Ablöse für seinen scheidenden Trainer von 2 Millionen Pfund (3,27 Millionen Franken) erwarten.

Nun scheint aber auch der Verband die Fühler nach Hodgson ausgestreckt zu haben. Gemäss Medienberichten wird Capello fallengelassen, obwohl dieser noch einen lukrativen Vertrag bis Ende Juni 2012 in der Tasche hat. Eine Absetzung des mürrischen Italieners würde 12 Millionen Pfund (rund 20 Millionen Franken) kosten – eine teure Angelegenheit.

Der richtige Mann

Viele Persönlichkeiten auf der Insel, aber offenbar auch Top-Funktionäre im Verband sehen in Hodgson den richtigen Mann für den Job als Chef der «Three Lions». Ob der «Fussball-Messias» aber die grundlegenden Probleme des Nationalsports – Lücken in der Nachwuchsausbildung, wenig einheimisches Schaffen in der Premier League, ungenügende Goalies – einfach über Nacht lösen kann, ist zu bezweifeln.

Aber diese Trainerfrage wird England in den nächsten Tagen zweifellos beschäftigen. Und für Hodgson, der in seiner Coachinglaufbahn auch schon weniger erfolgreichere Zeiten erlebte, ist es zweifellos eine angenehme Situation. Nichts ist schöner für einen Coach, als auf dem einheimischen Markt begehrt zu sein.

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