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Leben im AllWo die Aliens wohnen

Astronomen vermuten 36 intelligente Zivilisationen allein in der Milchstrasse. Allerdings hat diese Schätzung nur Bestand, wenn die Ausserirdischen sich nicht rasch selbst ausrotten.

Unsere Galaxie, die Milchstrasse, fotografiert im Wallis. (KEYSTONE/Anthony Anex)
Unsere Galaxie, die Milchstrasse, fotografiert im Wallis. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Für leidenschaftliche Physiker ist es fast eine Kränkung, dass die Antwort auf eine existenzielle Menschheitsfrage in einer erbärmlich simplen Gleichung zu stecken scheint: die Antwort auf die Frage, ob wir Menschen allein im All sind. 1961 hat ein gewisser Frank Drake die Formel dafür aufgestellt, es ist nur eine simple Multiplikation. Heraus kommt die Zahl intelligenter Zivilisationen in der Milchstrasse.

Doch so einfach die Formel aussieht, so schwer ist die Bestimmung der einzelnen Faktoren, die da multipliziert werden. Ähnlich wie bei der Berechnung von Würfelwahrscheinlichkeiten, wo zwei Würfel mit der Chance von einem Sechstel mal einem Sechstel einen Sechserpasch bilden, also durchschnittlich in einem von 36 Würfen, ist die Wahrscheinlichkeit von Leben im All eine Aneinanderreihung vieler, teils äusserst unwahrscheinlicher Unwägbarkeiten: Auf einem Alien-Planeten muss zum Beispiel die richtige Temperatur für biochemische Prozesse herrschen, der Planet muss alt genug sein, damit Evolution stattfinden konnte. Vieles kommt zusammen, es ist eher wie bei einem Lottosechser als beim Sechserpasch. Manche Experten glauben gar, dass wir Menschen allein im All sind. Nun haben britische Forscher erneut nachgerechnet. Sie kommen auf drei Dutzend intelligente Zivilisationen in der Milchstrasse, unserer Galaxie.

Metallgehalt von Sternsystemen relevant

Wie das Team um die Astrophysiker Christopher Conselice und Tom Westby von der University of Nottingham im «Astrophysical Journal» berichtet, wurde dabei angenommen, dass die Entstehung von Leben auf fremden Planeten ähnlich wie auf der Erde abläuft und ähnlich lange dauert, nämlich um die fünf Milliarden Jahre. Zudem spielten weitere Faktoren eine Rolle, beispielsweise der Metallgehalt von Sternensystemen (der in unserem vergleichsweise hoch ist), denn Metall ist die Grundlage für Aufstieg und Industrie, wie schon Spieler von «Siedler von Catan» wissen. Indem sie für all die Faktoren der Drake-Gleichung wissenschaftlich begründete Annahmen treffen, kommen die britischen Forscher auf 36 aktive und kommunikationsfähige Zivilisationen in unserer galaktischen Nachbarschaft.

Wobei Nachbarschaft in kosmischen Massstäben zu bemessen ist: Der durchschnittliche Abstand zu den Aliens beträgt laut der neuen Berechnung 17’000 Lichtjahre, was die Kontaktaufnahme und erst recht eine interstellare Debatte über den Sinn des Lebens äusserst mühsam gestalten würde. Es könnte daher gut sein, dass die Menschheit noch auf absehbare Zeit mit ihrer existenziellen Einsamkeit zurechtkommen muss.

Interessant ist übrigens ein besonders unsicherer, aber entscheidender Faktor in der Drake-Gleichung: der Zeitraum, den eine intelligente Zivilisation überdauert. Auf der Erde ist es nur gut hundert Jahre her, seit Guglielmo Marconi erste Funksignale über den Atlantik schickte. Doch hundert Jahre sind in kosmischen Massstäben nicht mal ein Wimpernschlag. Sollten Zivilisationen nur hundert (oder mehrere Hundert) Jahre brauchen, bis sie ihre vermeintliche Intelligenz für ökologische oder militärische Selbstvernichtung nutzen, würde das den entsprechenden Faktor der Drake-Gleichung so klein machen, dass die Wahrscheinlichkeit für intelligentes Leben im All gegen null tendiert.