WunderFrauen

Kulturredaktorin Mirjam Comtesse über die Gründe dafür, dass Amazonen wie «Wonder Women» sie zu Tränen rühren.

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Mirjam Comtesse

Ein Actionfilm und Tränen der Rührung? Das scheint überhaupt nicht zusammenzupassen. Doch bei «Wonder Woman» bekomme ich jedes Mal feuchte Augen. Und ich bin nicht die Einzige. Freundinnen erzählen mir, wie sie ebenfalls schluchzend vor der Leinwand sassen, als der Film 2017 in den Kinos lief.

Es gibt da diese umwerfende Szene: Die Amazonen, zu denen Wonder Woman gehört, kämpfen am Strand ihrer Insel Themyscira gegen Nazi­soldaten. Und wie sie das tun! Ohne zu zögern, springen sie an langen Seilen die steilen Klippen hinab, sie reiten auf Pferden mitten in die feindlichen Truppen hinein, sie zeigen spektakuläre Stunts.

Alles läuft perfekt orchestriert ab. Eine Frauenarmee! Todes­verachtend, diszipliniert, selbstbewusst. Als ich den Film zum ersten Mal sah, wurde mir plötzlich schmerzlich bewusst, dass Frauen sonst nirgends so dargestellt werden: als Team, das bedingungslos zusammenhält. Als furchteinflössend und stolz. Als Individuen, die nie auf die Idee kämen, sich einem Mann unterzuordnen.

Gleichzeitig sind die Amazonen unglaublich schöne Frauen. Aber sie sind es nicht auf die verführerische Art. Wie sie auf einen möglichen männlichen Betrachter wirken könnten, ist ihnen offensichtlich völlig egal. Und trotzdem sind sie weiblich durch und durch. Sie fühlen mit anderen mit, wollen Schwächere beschützen und schätzen Stilbewusstsein. Fast überflüssig, zu sagen, dass der Film von einer Regisseurin gedreht wurde.

Patty Jenkins hat mit «Wonder Woman» ein neues Frauenbild geschaffen. Die Hauptdarstellerin Gal Gadot ist dessen perfekte Verkörperung: Ihre Wonder Woman ist verletzlich und stark zugleich. Sie ist schön und muss von niemandem hören, dass es so ist. Und wenn sie sich verliebt, dann lässt sie sich auf ihre Gefühle ein, muss aber nicht um jeden Preis gefallen.

Schon kommen die Tränen. Nicht nur aus Rührung, sondern auch aus Trauer darüber, dass wir Frauen bisher keine solchen Vorbilder hatten.

In dieser Rubrik schreiben wir über Kultur und Kleinigkeiten,die uns nachhaltig bewegt haben.

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