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YB schlägt Servette 2:0Sogar Zeit für Belangloses

Die Young Boys gehen gegen die Genfer früh in Führung. Sie laufen nie Gefahr, Punkte abzugeben. Captain Fabian Lustenberger kann seiner alten Liebe frönen.

Zwei, die für den guten Teamgeist bei YB stehen: Jean-Pierre Nsame (rechts) überlässt Felix Mambimbi die Ausführung des Penaltys.
Zwei, die für den guten Teamgeist bei YB stehen: Jean-Pierre Nsame (rechts) überlässt Felix Mambimbi die Ausführung des Penaltys.
Foto: Peter Schneider (Keystone)

Es ist Mitte Februar, der Frühling kündigt sich ein erstes Mal zart an, und allmählich darf die Frage gestellt werden: Wann wird YB Meister?

Seit der Winterpause haben die Young Boys den Vorsprung auf den Zweiten FC Basel, der sich am Samstag zu einem 0:0 gegen Lausanne mühte, von 8 auf 18 Punkte ausgebaut. Zum Vergleich: In der Rekordsaison 2018/2019 waren sie zu diesem Zeitpunkt der Meisterschaft 19 Punkte vor dem ersten Verfolger gelegen. Damals wurden sie am 13. April Meister. Ein ähnlich früher Titelgewinn scheint realistisch.

Seoane rotiert kräftig

Zumal die Berner kein Nachlassen erkennen lassen. Gegen Servette nimmt Gerardo Seoane im Vergleich zum Leverkusen-Spiel sieben Wechsel vor. Einzig Goalie David von Ballmoos, Captain Fabian Lustenberger sowie die Mittelfeldspieler Michel Aebischer und Christian Fassnacht stehen erneut in der Startaufstellung.

Nicolas Ngamaleu, Jordan Lefort und Jordan Siebatcheu, am Donnerstag Matchwinner, befinden sich nicht einmal im Aufgebot. Seoane erklärt die Massnahme mit fehlender mentaler Frische, im Falle Siebatcheus habe er zudem kein Risiko eingehen wollen. Beim Rückspiel am Donnerstag in Leverkusen fehlt Nsame noch einmal gesperrt, sein französischer Ersatz wird dann der einzige Mittelstürmer im Kader sein.

Es sind also beträchtliche Umbauarbeiten, die Seoane anordnet. Und doch gerät der Erfolg, der siebte en suite, nie in Gefahr. Wie am Donnerstag geht YB früh in Führung. Diesmal sind vier Minuten gespielt, als Mohamed Camara einen Corner von Miralem Sulejmani ablenkt und Steve Rouiller den Ball ins eigene Tor bugsiert.

Das 1:0 helfe enorm, sagt Seoane. Die Statistik bestätigt seine Einschätzung: Nach Führungstreffer haben die Berner in der Meisterschaft erst einmal Punkte abgegeben, beim 2:2 gegen Lugano Mitte Dezember.

Nsames schöne Geste

Als Jean-Pierre Nsame kurz vor der Pause nach starker Vorarbeit von Rechtsverteidiger Quentin Maceiras mit seinem 12. Saisontreffer nachdoppelt, scheint das Spiel entschieden. Nach 60 Minuten wechselt Seoane Lustenberger, Fassnacht und Aebischer aus, es ist eine Schonungsmassnahme vor dem Rückspiel in Leverkusen.

Lustenberger, der auf der Tribüne auch schon als aktiver Mitcoacher auffiel, erlebt eine entspannte Schlussphase. Einmal findet er die Zeit, bei einem YB-Mitarbeiter weiter oben auf der Tribüne nachzufragen, wie Hertha Berlin, sein vorheriger Club, gespielt habe. Die Berliner verlieren gegen Leipzig 0:3 – es bleibt der einzige kleine Makel an Lustenbergers Nachmittag.

Aber nicht die einzige bemerkenswerte Szene: Als den Bernern eine Viertelstunde vor Schluss ein Penalty zugesprochen wird, überlässt der vorbestimmte Schütze Nsame den Ball Sturmpartner Felix Mambimbi. Eine Geste, die für den Teamgeist spricht. Er übe manchmal Penaltys mit Nsame, erzählt der 20-Jährige. «Aber es wäre mir nicht in den Sinn gekommen, ihn zu fragen, ob ich schiessen dürfe. Das kam von ihm aus.»

Doch bevor Mambimbi zur Ausführung schreiten kann, interveniert der Videoschiedsrichter. Und nachdem er sich die Bilder angesehen hat, annulliert der Unparteiische Alain Bieri den Elfmeter. Mambimbi war zuvor Timothé Cognat auf den Fuss getreten – und nicht umgekehrt.

Mambimbi wird zum Pechvogel

Mambimbi ist damit der Pechvogel des Tages. Zuvor war schon sein vermeintliches 3:0 nach Eingriff des Videoschiedsrichters aberkannt worden, weil Mohamed Camara in der Entstehung ein Foul begangen hatte. Seoane findet beide Entscheide richtig und setzt zu einem kleinen Plädoyer für den Videoschiedsrichter an. Der VAR, sagt der YB-Trainer, mache den Fussball fairer. «Weshalb er eine gute Sache ist, hat man heute gesehen.»

Seoane ist am Sonntagabend ein zufriedener Trainer. Und nicht, weil ihm die frühlingshaften Temperaturen behagen, wie er einem Journalisten eines Lokalradios erzählt. Ihm gefiel der Auftritt seines Teams, auch wenn spielerisch Steigerungspotenzial bestehe, wie er sagt. «Ich hätte mir in der Offensive ein bisschen mehr Aggressivität gewünscht.»

Seoane wird etwa an die Szene nach einer Viertelstunde gedacht haben, als Fabian Rieder einen wunderbaren Steilpass spielte und Fassnacht versuchte, querzulegen, statt selbst abzuschliessen. Wer sich mit solchen Details beschäftigen kann, dem läuft es.