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Bern bleibt im Cup dabei«Zäme wärs cooler»

In trister Atmosphäre sorgt der SC Bern für etwas Heiterkeit. Er besiegt Davos im Cup-Achtelfinal 2:0. Es bleibt die Frage: Wie viel ist dieser Sieg wert?

Die Berner bejubeln den Treffer Ted Brithéns (Nummer 90). Allein das Tor des Schweden hätte Zuschauer verdient gehabt.
Die Berner bejubeln den Treffer Ted Brithéns (Nummer 90). Allein das Tor des Schweden hätte Zuschauer verdient gehabt.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)

Sonntagnachmittag, draussen Herbstsonne, drinnen Eishockey: Diese Kombination hat die Massen noch nie in die Hallen gezogen – zumindest nicht in jene der National League. Aber gerade solche Spiele können einen schönen Kontrast bilden. Für einmal vergnügen sich in den halb vollen Stadien Kinder, die wegen der späten Spielzeiten unter der Woche kaum Zugang zum Eishockey finden. Und häufig stimmt auch der Unterhaltungswert – speziell im Cup. Erinnert sei an den Vergleich SCB - Gottéron vor zwei Jahren, als Tristan Scherwey beim 6:1 sein Sonntagskleid überstreifte und den ersten Hattrick auf Profistufe erzielte.

Und jetzt? Dreht Joe Thornton im trostlosen Rund seine Kreise – ein NHL-Superstar für eine Handvoll Beobachter. Und der Cup ist in einer Zeit, in der längst nicht nur die Fortsetzung der Meisterschaft in der Schwebe ist, mehr denn je Beigemüse. Nächste Saison wird er ganz von der Menükarte des Schweizer Eishockeys verschwinden.

So fragt man sich an diesem herbstlich sonnigen Sonntagnachmittag in der Postfinance-Arena: Ergibt das überhaupt Sinn? Diese Frage dürften sich zuweilen auch die Spieler stellen, wenn sie auf die Ränge blicken und ihnen eine stumme Armee an Schalensitzen salutiert.

Von 4,5 bis über 14 Millionen Franken

Natürlich geht es in der letzten Cup-Saison noch um etwas – nicht zuletzt um einen Zustupf für die corona-gelöcherten Clubkassen. Etwas über 300’000 Franken ist der Cupsieg wert, sofern der Wettbewerb zu Ende gespielt wird. Das ist ein schöner Batzen, aber wenig im Vergleich zum Defizit, welches der SC Bern erwartet. Geschäftsführer Marc Lüthi hat übers Wochenende einen «Budget-Weitwurf» gemacht. Bekanntlich rechnete der Club bei einer erlaubten Belegung von zwei Dritteln der Sitzplätze mit einem Minus von 4,5 Millionen Franken. Mittlerweile stehen andere Summen im Raum: Wird die Qualifikation vor maximal 1000 Besuchern gespielt, steigt das Minus in Bern auf 7 Millionen, bei offiziell 0 erlaubten Zuschauern in den Bereich von über 14 Millionen Franken. Bei solch roten Zahlen wird nicht nur dem Geschäftsführer schwarz vor den Augen.

Mindestens bis zur Länderspielpause am 2. November (ohne anstehende Länderspiele) steht bei den Zuschauern die 0. Für die Spieler hingegen gilt im übertragenen Sinn: von fast 0 auf 100. Nach einem lockeren Aufgalopp bestreitet der SCB 7 Partien innert 13 Tagen. Und diesen Zwischensprint gestaltet die Equipe von Don Nachbaur bis dato äusserst erfolgreich: Den beiden Siegen in der Meisterschaft gegen Biel lässt sie am Sonntag ein 2:0 im Cup-Achtelfinal gegen Davos folgen.

Brithéns Tor, Nachbaurs Geste

Nachbaur und Davos-Coach Christian Wohlwend setzen bereits vor dem ersten Puckeinwurf ein Zeichen und vertrauen auf ihre Nummer-eins-Torhüter. Überhaupt werden keine Kräfte geschont. Wohlwend formiert die beiden Center Perttu Lindgren und Thornton in einer Linie, wobei Lindgren nicht nur in der eigenen Zone die laufintensive Arbeit verrichtet.

Den ersten Akzent setzt einer, der 21 Jahre jünger ist als Thornton. Berns Verteidiger Mika Henauer (20) zwingt bei seinem Vorstoss HCD-Goalie Robert Mayer zu einem Abpraller, Inti Pestoni vollendet (5. Minute). Es folgt der Auftritt Ted Brithéns. Der Schwede düpiert Verteidiger Oliver Heinen an der Bande und reüssiert mittels Hocheckschuss. Weitere Tore: Fehlanzeige – auch weil Tomi Karhunen im Schlussfurioso der Gäste den Überblick behält.

Coach Nachbaur ist zufrieden und klopft auf die linke Brust. Was bedeutet: Sein Team hat mit Herz gespielt. Verteidiger Yanik Burren sagt: «Du gewöhnst dich daran, ohne Zuschauer zu spielen. Aber du möchtest es anders haben.» Auf der leeren «Stehrampe» liegt ein Transparent. Die Aufschrift: «Zäme wärs cooler.»

Tatsächlich fehlen dem Spiel für die Aufnahme in den Zirkel «gmögiger» Sonntagsspiele im Herbst einzig die Zuschauer. Eine zur Hälfte gefüllte Arena hätte bereits genügt.

Am Ende bleibt der Wunsch, die Zeit an diesem Sonntag um mehr als nur eine Stunde zurückzudrehen.