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In Laufschuhen die Alpen bezwungen

Der Transalpine-Run gilt als der härteste Etappenlauf der Welt. An der heurigen Austragung haben auch zwei Läufer und eine Läuferin aus Burgdorf teilgenommen und dabei die Alpen auf einer Strecke durch vier Staaten überquert.

Die Alpen, der massive Gebirgsriegel, der die klimatische und kulturelle Grenze zwischen Mittel- und Südeuropa bildet, sind ein Mythos. Sie stehen für unbezähmte Natur, wilde Schönheit und unberechenbare Gefahr. Die Alpen wandernd von Nord nach Süd zu überqueren, ist ein strapaziöses Unterfangen. Undenkbar, dass man dies rennend tun könnte. Und doch gibt es Leute, die das unmöglich Scheinende geschafft haben. Zu ihnen gehören die 53-jährige Anna Riedel und der 38-jährige Bruno Jost aus Burgdorf. Sie haben beide am 5. Gore-Tex-Transalpine-Run teilgenommen, die Strapazen bewältigt, den Zieleinlauf geschafft und dabei erst noch ein sportliches Resultat erzielt, mit dem beide zufrieden sind. Unter den Top Ten Anna Riedel lief in der Kategorie «Gemischt» als Team mit ihrem Freund Benny Reiter aus Nidau, Bruno Jost spannte in der Kategorie «Herren» mit seinem Laufkollegen Urs Jenzer aus Frutigen zusammen. Die insgesamt 250 Zweierteams liefen in 8 Tagesetappen auf Terrain der vier Staaten Deutschland, Österreich, Schweiz und Italien, legten insgesamt 238 Kilometer zurück und bewältigten 15000 Höhenmeter. Riedel/Reiter mischten unter den 69 Teams ihrer Kategorie im vordersten Drittel (Rang 20) mit, und Jost/Jenzer konnten das hoch gesteckte Ziel, bei den 80 Männerteams unter den 10 besten zu laufen, erreichen: Die beiden belegten den 6. Schlussrang. In derselben Kategorie war auch noch ein weiterer Burgdorfer unterwegs: Bernhard Lüthi klassierte sich zusammen mit seinem Zermatter Teampartner Gustav Biner auf dem 23. Rang. Der Transalpine-Run gilt als der härteste Mehretappenlauf der Welt. In der Tat: «Schwieriges Gelände, Kletterpartien, weglose Strecken, krasse Höhendifferenzen – man hat uns nichts erspart», blickt Bruno Jost zurück, und Anna Riedel nennt als Beispiel die Rappenscharte im Südtirol: Diesen Dreitausender zu bezwingen, kostete ab dem rund 1000 Meter über Meer gelegenen Start gut 2100 Höhenmeter, die beim Abstieg vollumfänglich wieder «vernichtet» wurden. «Derlei beansprucht die Oberschenkel stark», sagt Riedel. Müde, aber unverletzt Wer nun denkt, dass Anna Riedel und Bruno Jost nach dem Einlauf ins Endziel im südtirolischen Latsch total erschöpft gewesen wären und mindestens einen Monat zur Wiederherstellung gebraucht hätten, irrt sich gründlich. Sie seien in den nächsten Tagen einfach ein wenig müder als üblich gewesen, aber ansonsten hätten sie den Lauf gut und auch unverletzt überstanden, berichten beide. Bruno Jost erklärt: «Es ist schon erstaunlich, was der Mensch durchzustehen im Stande ist; als sich mein Körper während des Laufs auf die hohe Beanspruchung eingestellt hatte, funktionierte er auch unter diesen Bedingungen reibungslos, sodass ich wohl auch noch einen neunten und zehnten Tag so hätte weitermachen können.» Die Lueg bietet zu wenig Damit Läufer eine Strapaze wie den «Transalpine» so gut verkraften können, braucht es ein speziell darauf ausgerichtetes Training. Dazu finden sich in der Region Burgdorf jedoch kaum Möglichkeiten. «Die Lueg bietet 300 Höhenmeter, das ist auf die Dauer zu wenig», erklärt Bruno Jost – und fuhr deshalb, wie Anna Riedel auch, für die Vorbereitung auf den Transalpine-Run oft ins Berner Oberland, um auf Gebirgsstrecken zu trainieren. Die Herausforderung zählt Das Team Anna Riedel und Benny Reiter hat bereits zum vierten Mal am Lauf quer durch die Alpen teilgenommen. Auf den Geschmack kamen die beiden, als sie die Lust an den herkömmlichen «Strassenrennen» irgendwann verloren hatten. «Wir suchten etwas Neues; im Trailrunning haben wir es gefunden. Hier laufen wir in der Natur, riechen, fühlen und sehen sie und bieten unserem Körper eine schöne, aber auch strenge Erfahrung», berichtet sie. Wobei die landschaftlichen Reize einer Strecke während des Laufs nur eine untergeordnete Rolle spielen. Bruno Jost bestätigt das: «Der Sportler sucht den Alpen- oder den Wüstenlauf nicht, weil er die Berge oder die Wüste besonders liebt, sondern wegen der speziellen Herausforderung, die extreme Terrains an ihn stellen.» Klar sei es erfreulich, wenn einen die Landschaft anspreche und man das auch noch ein wenig geniessen könne. Dazu komme man aber höchstens am Rande. Zu sehr sei man auf den Lauf selber konzentriert, auf die Gegnerkontrolle, die eigene Befindlichkeit, die Kraftreserven, das Terrain und die Technik. «Man befindet sich letztlich an einem sportlichen Wettkampf.» Aufhören ist hart Übrigens: Nicht allen Teilnehmenden gelang es, den Transalpine-Run unbeschadet zu überstehen. An den Etappenzielen seien immer wieder angeschlagene Läufer mit allerlei Schrammen, Verletzungen und Stützverbänden zu sehen gewesen, erzählen Riedel und Jost. Entsprechend kam es unterwegs auch zu Ausfällen: Nur 78 Prozent der gestarteten Teams liefen vollzählig in Latsch ein. «Ich habe grossen Respekt vor jedem, der den Entschluss fasst, ein Rennen abzubrechen», sagt Bruno Jost. «Aufhören ist sehr hart, denn einem solchen Lauf vorausgegangen ist immerhin ein monatelanges Training.» Hans Herrmann •www.transalpine-run.com>

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