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Kunsthalle statt Kunstmuseum?

In der Diskussion um eine Alternative zum geplatzten Anbau beim Kunstmuseum schaltet sich Kunsthalle-Direktor Philippe

1915. Die Platzverhältnisse im Kunstmuseum sind eng. «Es ist eine absolute Lebensbedingung für die Entwicklung der bernischen Kunst und Künstler, dass ein anständiges Ausstellungsgebäude baldigst erstellt wird», schreibt die «Berner Woche». Es werden Architekturpläne publiziert, die vorsehen, auf dem Helvetiaplatz ein grosses Museum zu errichten: die Kunsthalle. Am Ende wird aber nur die Hälfte der eingezeichneten Fläche bebaut. 2009 mangelt es dem Kunstmuseum wieder an Platz. Dieses Mal ist die umfangreiche Gegenwartskunstsammlung betroffen. «Man sollte wieder an die Kunsthalle denken», meint deren Direktor Philippe Pirotte. Nachdem die Leitung des Kunstmuseums letzte Woche bekannt gegeben hat, dass sie nach dem geplatzten Anbauprojekt nach möglichen Partnern für die Gegenwartsabteilung Ausschau hält, meldet sich nun Pirotte zu Wort. «Ich plädiere für eine gute Idee. Genau solche braucht es in der jetzigen Situation in Bern.» Seine Vision: Hinter der Kunsthalle, wo sich ein kleiner, – wie Pirotte von seinem Büro aus beobachtet – «schlecht genützter» Park befindet, könnte ein Gegenwartszentrum entstehen. Progr weniger geeignet «Es ist merkwürdig, dass bisher nicht über eine Kooperation gesprochen wurde, schliesslich kauft die Stiftung Kunsthalle die Werke für die Gegenwartssammlung an», so Pirotte. Er hat bereits konkrete Vorstellungen, wie die Sammlung in einem Erweiterungsbau bei der Kunsthalle genützt werden könnte. «Werke eines Künstlers könnten etwa zusammen mit unserem Archivmaterial in einer Ausstellung neu kontextualisiert werden.» Zudem seien Film- und Videoräume notwendig, um die modernen Medien möglichst ohne technische Einschränkungen wiederzugeben, was in bestehenden Ausstellungsräumen oft nicht möglich ist. Auch das Atelierhaus Progr, das vom Kunstmuseum bereits offiziell als möglicher Partner genannt wurde, kann solche Räume nicht bieten. «Auf Grund der Architektur und der Platzverhältnisse eignet sich der Progr nicht für die Gegenwartssammlung», sagt Pirotte und spricht ein Problem an, das auch schon Kunstmuseumspräsident Christoph Schäublin gegenüber dieser Zeitung erwähnte. Möglichkeiten abgeklärt Denkarbeit für eine Kunsthalle-Erweiterung wurde schon im Vorfeld geleistet. 2006 feilten die Absolventen der Berner Fachhochschule für Architektur im Rahmen des Abschlussprojekts «Active Coexistence» an entsprechenden Bauplänen. Die Künstler Eran Schaerf und Florian Dombois entwarfen 2008 die Pläne für einen «Verhandlungsraum» im Park der Kunsthalle, in dem über einzelne Kunstwerke «palavert» werden sollte. Und Pirotte selbst liess Abklärungen machen, was auf dem umliegenden Gelände möglich ist. Denn die Kunsthalle platzt aus allen Nähten. Das umfangreiche Archiv, das Material zu legendären Ausstellungen und den wichtigsten internationalen Künstlern umfasst, kommt laut einer internen Studie spätestens in sechs Jahren an seine Grenzen. Der richtige Moment für Berns Kunstinstitutionen, sich zusammenzutun, um etwas Neues zu schaffen, meint Pirotte. «Auf unserem Areal würde ein solches Projekt auch nicht 25 Millionen kosten», sagt er weiter und weist damit auf die exorbitanten Baukosten des gescheiterten Anbauprojekts hin. Nächste Woche trifft sich der Stiftungsrat Kunsthalle – da dürfte auch Pirottes Vorschlag zur Sprache kommen. Das Kunstmuseum und der Mäzen Hansjörg Wyss prüfen derweil verschiedenste Alternativen und wollen sich noch nicht zu den einzelnen Ideen äussern. Stefanie Christ >

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