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Oberländer Bahnen müssen warten

Der Unterhalt der Montreux-Berner Oberland-Bahn und der Freiburger Bahnen wird wegen des Sparprogramms des Bundes vermutlich zurückgestellt. Das dritte Bahngleis Lausanne–Genf hingegen soll gebaut werden.

Das Sparprogramm des Bundes in Höhe von insgesamt 4,5 Milliarden Franken gefährdet das dritte Bahngleis zwischen Genf und Lausanne laut Verkehrsminister Moritz Leuenberger nicht. «Dieses Projekt ist sehr wichtig und bleibt eine Priorität», unterstrich der Bundesrat. MOB zurückstellen? In einer Sendung von Radio Suisse Romande von gestern Dienstag sagte Leuenberger weiter, der Unterhalt der Freiburger Bahnen sowie der Montreux-Berner Oberland-Bahn riskiere dagegen, warten zu müssen. Grundsätzlich seien es aber nicht in erster Linie die welschen Projekte, die den Sparmassnahmen zum Opfer fielen, präzisierte er. Verkehrsminister Moritz Leuenberger kann gegenwärtig keine präzise Aufzählung jener Projekte machen, die von Sparmassnahmen betroffen wären. Der Bundesrat habe die Erarbeitung einer solchen Zusammenstellung in Auftrag gegeben, führte Leuenberger am Radio aus. Abschreckendes Ausland Mit der Pünktlichkeit und Effizienz des Schweizer Bahnnetzes könnte es indes vorbei sein, wenn auf die bisher versäumten Investitionen in die Infrastruktur ganz verzichtet würde. Diese seien dringend notwendig, sind sich Beobachter einig. Um den Nachholbedarf bei der SBB-Infrastruktur zu decken, fordert das Unternehmen eine Milliarde Franken. Dies sei wenig im Vergleich zu ausländischen Verkehrsbetrieben, sagte Michel Béguelin, alt SP-Ständerat (VD) und alt Vizepräsident der Gewerkschaft des Verkehrspersonals, auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA. Frankreich beispielsweise musste 15 Milliarden Euro ausgeben, um die Versäumnisse der Bahninfrastruktur der letzten 10 Jahre nachzuholen. In Grossbritannien seien gar 70 Milliarden nötig, ergänzte Béguelin. In der Schweiz herrsche noch keine prekäre Situation, die Lage sei aber kritisch. Das Bahnnetz stosse an die Kapazitätsgrenze, und die Anzahl Reisender steige weiterhin. Die Qualität lasse sich nur beibehalten, wenn die finanziellen Mittel aufgestockt würden, präzisierte Michel Béguelin. Deshalb sei die Milliarde für den Bahnverkehr «ein Beweis» für die schlechte Verfassung der SBB-Infrastruktur. Der Zustand der SBB-Infrastruktur habe sich in den letzten Jahren verschlechtert, sagte auch Walter von Andrian, Chefredaktor der «Schweizer Eisenbahn-Revue». «Die SBB haben im Rahmen von Sparmassnahmen den Unterhalt auf ein Minimum reduziert. Dies führt zu einer erhöhten Störanfälligkeit des Betriebes.» Den dringenden Investitionsbedarf in die Bahninfrastruktur unterstrich ebenfalls die Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs (KöV). «Einer gesteigerten Nachfrage gerecht zu werden und gleichzeitig die Budgets zu kürzen, das ist nicht realistisch», sagte François Marthaler, KöV-Präsident. Gingen Bundessubventionen zurück, würde das Geld gebraucht, «um Löcher zu stopfen», fügte Marthaler an. Dies wirke sich nachteilig aus auf künftige Projekte. Die KöV würde deshalb alles dafür tun, um eine Budgetblutung zu stoppen, ergänzte der Grüne. Kaum Budgetkürzungen Gegen Sparpläne stellte sich auch Michel Béguelin. «Wir fahren gegen eine Wand mit solchen Vorschlägen.» Würden Bundesgelder reduziert, müssten nicht gepflegte Streckenabschnitte aus Sicherheitsgründen langsamer befahren werden, ergänzte Béguelin. Zuletzt wäre die gesamte Effizienz des Schienennetzes in Frage gestellt. Der Bund will seine Ausgaben zwischen 2011 und 2013 jährlich um 1,5 Milliarden Franken kürzen. SBB-CEO Andreas Meyer forderte dagegen eine Milliarde Franken, um die Infrastruktur der SBB in Stand zu setzen. Zudem rechnet die SBB zwischen 2010 und 2016 mit Mehrkosten von jährlich über 100 Millionen Franken, um die Substanz der Infrastruktur zu erhalten. sda>

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