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Rätsel um ominösen Ordner 10

Eben doch: Der Bundesrat hat im Fall Tinner offenbar nicht nur Atompläne aus den Akten entfernt, sondern auch amerikanische Geheimdienst-Dokumente. Das geht aus einer Passage in einem Gerichtsentscheid hervor.

Der Bundesrat gibt zwar zu, im Fall Tinner Pläne zum Bau der Atombombe aus den Ermittlungsakten der Justiz entfernt und geschreddert zu haben. Spekulationen, wonach er der Justiz darüber hinaus auch Dokumente des amerikanischen Geheimdienstes vorenthält, hat er bis jetzt aber nicht bestätigt. Das tat Bundesratssprecher André Simonazzi auch gestern nicht. Pikant ist das, weil die unbestätigten Spekulationen gestern erstmals durch ein amtliches Dokument bestätigt wurden: In einer Passage eines Gerichtsentscheides wird das Untersuchungsrichteramt zitiert. Das Untersuchungsrichteramt habe festgestellt, dass im Fall Tinner neben den Unterlagen zur Herstellung von Atomwaffen noch weitere Akten fehlen. «Es handelt sich hierbei um den gesamten Beilageordner Nr. 10», wird das Untersuchungsrichteramt weiter zitiert. Und: Gemäss eines von der Bundesanwaltschaft eingereichten Aktenverzeichnisses enthalte dieser «Ordner Nr.10» unter anderem Unterlagen zur Zusammenarbeit der Tinners mit den amerikanischen Diensten. Hat CIA Finger im Spiel Jene Passage im Gerichtsentscheid nährt den alten Verdacht, dass der Bundesrat die Dokumente eben doch auf Druck des amerikanischen Geheimdienstes aus der Akte Tinner entfernen liess. Der damalige Justizminister Christoph Blocher hat dies stets bestritten. Es sei bei der Ausdünnung der Ermittlungsakten nur darum gegangen, sicherzustellen, dass keine Pläne zum Bau von Atombomben in falsche Hände geraten. Wo ist «Ordner Nr. 10»? Wo sich jener «ominöse Ordner Nr. 10 befindet», ob er geschreddert wurde oder ob der Bundesrat ihn an einem noch geheimeren Ort als die anderen Akten aufbewahrt, ist offen. Bundesratssprecher Simonazzi wollte gestern nicht einmal die Existenz des Ordners bestätigen. Die Brüder Tinner stehen im Verdacht, von 2001 bis 2003 für Abdul Qader Khan, den «Vater der pakistanischen Atombombe», gearbeitet zu haben. Der gestern publizierten Gerichtsentscheid lässt vieles offen: Er erlaubt den Ermittlern Einsicht in die vorenthaltenen Akten, aber nur, wenn es der Bundesrat erlaubt. Mischa Aebi >

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