Gerhard Jansen zieht sich vollständig zurück

Im Herbst schliesst Gerhard Jansen, Gründer und Präsident der Thuner Schleuniger-Gruppe, die Nachfolgeregelung ab. Sein Modell ist bemerkenswert: Die Firma verkaufen und die Übergangsfrist

aktiv begleiten.

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Am 1. November 2009 übergibt Gerhard Jansen das Verwaltungsratspräsidium der Schleuniger-Gruppe an Calvin Grieder. Dies gibt das Unternehmen heute bekannt. Grieder ist Chef der Bühler-Gruppe in Uzwil/SG und sitzt im Verwaltungsrat der Metall Zug AG. Metall Zug ist seit Anfang 2008 Mehrheitsaktionär des Herstellers von Abisoliermaschinen aus Thun. Der 53-jährige Grieder ist studierter ETH-Ingenieur und hat eine langjährige internationale Industrieerfahrung.

Der Verkauf vor eineinhalb Jahren war der erste Schritt der Nachfolgeregelung bei Schleuniger. Mit dem Wechsel im Verwaltungsratspräsidium findet die Nachfolgeplanung nun ihren Abschluss. Jansen, der Schleuniger zusammen mit seinem Partner Martin Strehl in den vergangenen 18 Jahren aufgebaut hat und bis zum Verkauf Mehrheitsaktionär war, wird sich vollständig aus dem Unternehmen zurückziehen. Den Anteil von 10 Prozent, den er noch an Schleuniger hält, tauscht der bald 64-Jährige im kommenden Jahr in Aktien von Metall Zug um. Auf diesen Zeitpunkt hin wird Jansen das Aufsichtsgremium von Schleuniger verlassen.

Jansen bezeichnet seinen Ansatz als «frühzeitige, begleitete» Nachfolgeregelung. «Mir schwebte vor, die Mehrheit am Unternehmen zu verkaufen, jedoch als Präsident des Verwaltungsrats und als Minderheitsaktionär die Stabübergabe zu begleiten», sagt Jansen im Gespräch mit dieser Zeitung. Er habe deshalb schon vor fünf Jahren damit begonnen, sich mit der Nachfolge auseinanderzusetzen. «Da sich keine Lösung innerhalb der Familie oder im Partner-Umfeld abzeichnete, musste ich andere Optionen prüfen», sagt Jansen.

Sehr lange gerungen

Wegen der Firmengrösse – Schleuniger beschäftigte zum Verkaufszeitpunkt 400 Mitarbeiter und erwirtschaftete einen Umsatz von 110 Millionen Franken – habe er sehr lange mit der Eigentümerfrage gerungen. Laut Jansen standen ein Börsengang, ein Management-Buyout mit Hilfe einer Beteiligungsgesellschaft und ein Verkauf zur Diskussion.

Um sich über den potenziellen Käufer klar zu werden, habe er vom Wunschkandidaten ein klares Profil erstellt, erklärt Jansen. «Wen will ich?», sei dabei eine bedeutende Überlegung gewesen. «Noch viel wichtiger war aber die Frage: ‹Wen will ich nicht?›», sagt Jansen. Von Anfang an sei festgestanden, dass er keine finanzorientierte Lösung wolle. Der potenzielle Käufer sollte vielmehr ein industrieller Partner sein, der am Unternehmen Schleuniger interessiert ist und nicht an dessen Anlagevermögen, der Schleuniger als selbstständige Firma weiterentwickelt und der wenn möglich aus der Schweiz stammt.

Wunschpartner gefunden

«Mit Metall Zug haben wir einen Wunschpartner gefunden», sagt Jansen. «Das Unternehmen entsprach beinahe zu 100 Prozent meinem Wunschprofil.» Nach dem Verkauf an Metall Zug sollte es nicht nur auf strategischer Ebene zu personellen Änderungen kommen, sondern auch auf operativer. Martin Strehl, langjähriger Geschäftspartner von Jansen und bis vor kurzem Chef von Schleuniger, hat das Unternehmen per Ende Juli verlassen. Strehl machte sich selbstständig, bleibt aber als Verwaltungsrat mit Schleuniger verbunden. Wie bereits vermeldet, hat seit Anfang Monat Christoph Schüpbach die Chef-Funktion übernommen. «Metall Zug als Mehrheitsaktionärin hat dafür geschaut, dass das neue Führungsduo von Schleuniger funktioniert. Zwischen dem designierten Präsidenten Calvin Grieder und dem neuen Firmenchef Christoph Schüpbach gibt es bereits jetzt einen hohen Abstimmungsgrad», sagt Jansen.

Und was macht er selber im Ruhestand? «Einmal Unternehmer, immer Unternehmer», erklärt Jansen. Er habe verschiedene Verwaltungsratsmandate angenommen und als Minderheitsaktionär in ausgewählte neue Untermnehmungen investiert.

Jon Mettler

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Erstellt: 24.08.2009, 00:38 Uhr

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