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«Abbau geht auf Kosten der Patienten»

SparbremseUni-Spital baut 150 Stellen ab,TA vom 27. Januar Schlechtere Versorgung. Im Universitätsspital sollen 150 Stellen eingespart werden. Nun musste ich die heute schon unbefriedigende Personalsituation vor einigen Jahren in der Familie erfahren. Da wartete eine todkranke Frau stundenlang auf eine lindernde Behandlung, nur weil die Ärzte beim besten Willen keine Zeit hatten. Wenn nun noch mehr Personal eingespart wird, geht dies auf Kosten der Patienten. Die schlechte Versorgung der Patienten ist eine direkte Folge der Sparpolitik der rechtsbürgerlichen Parteien inklusive Grünliberale. Ernst Joss, Dietikon Bedenkliche Konsequenzen. Der Hauptgrund für die 48 Millionen, die im Uni-Spital-Budget fehlen, sind die vom Arbeitsgesetz vorgeschriebenen zusätzlichen Arztstellen wegen der 50-Stunden-Woche und die vom Kanton durchgeführte Lohnteilrevision, was zu massiv höheren Lohnkosten führte. Für beides ist nicht das Uni-Spital verantwortlich, sondern der Gesetzgeber und damit die Politiker und die Stimmbürger. Sie wollen auch, dass das Sparpaket San 10 durchgeführt wird, mit dem der Kanton 1,9 Milliarden einsparen will. Die Spitaldirektion hat nun mitgeteilt, wie dies umzusetzen ist. Aufgrund der Sparvorgaben sollen Mutterschaftsurlaube nicht mehr ersetzt, Stellenabgänge – wenn überhaupt – mit monatelanger Verzögerung wieder besetzt und vorzeitige Pensionierungen ausgesprochen werden. Entlassungen werden nicht ausgeschlossen. Alle Berufsgruppen sind betroffen. Beim hohen Frauenanteil bedeutet dies, dass weniger Mitarbeiterinnen vorhanden sind für die gleiche Arbeit. Wenn Mitarbeiterinnen während des Mutterschaftsurlaubs oder nach Kündigungen nicht ersetzt werden, kann das Uni-Spital schlicht nicht gleich viele Patienten behandeln, es sind weniger Personen für den Wochenenddienst vorhanden, weniger Termine möglich für ambulante Patientinnen und Patienten. Weniger Köpfe können nicht einfach mit «Prozessoptimierungen» kompensiert werden. Wenn der Kanton und die Bevölkerung wirklich ein Interesse am Universitätsspital haben mit seiner hochspezialisierten Medizin und Spitzenleistungen für alle (nicht nur Privatpatienten!), wünschen wir, die im Uni-Spital Beschäftigten, uns ein besseres Verständnis für die Konsequenzen der Sparentscheide und eine bessere Unterstützung in unserer Arbeit. Längerfristig müssen sich der Kanton und politische Vertreter entscheiden, ob das hochstehende medizinische Angebot des Universitätsspitals über Budgetkürzungen des Kantons gesteuert werden soll oder über eine Strategie und ein Bekenntnis zu einer hochstehenden Medizin auf universitärem Niveau mit den entsprechenden Ressourcen. Yvonne Schaller, Zürich Ein Sturm im Wasserglas. Das Uni-Spital beschäftigt 6100 Personen, 1700 davon sind in technischen, administrativen, nicht medizinischen Führungs- und Back-up-Aufgaben tätig. Es sollen 150 Stellen eingespart, der Bestand also um rund 2,5 Prozent reduziert werden. Ärzte und Pflege müssten überhaupt nicht betroffen sein, denn unter uns Betriebswirtschaftern gibt es die folgende immer wieder bewiesene Erkenntnis: Jede Organisation kann ohne Folgeprobleme auf 10 Prozent der personellen Kapazitäten verzichten. So viel Effizienzverbesserung durch Prozessoptimierung, durch Überwindung von Abteilungsgrenzen, durch Verbesserung des Informationsflusses, durch Absenzenkontrolle ist jederzeit machbar. 10 Prozent des nicht medizinischen Personals sind 170 Personen: Wo ist das Problem? Selbst wenn die Pflege auch einige Stellen verlieren sollte, wird der Patient nichts merken. Angenommen, die Pflege muss von ihren 2100 Stellen 50 abbauen. Die durchschnittliche Betreuungszeit pro Patient durch die Pflege sinkt dadurch um vielleicht eine halbe oder ganze Minute. Ob das die Qualität der Pflege und Betreuung gefährden kann? Der Aufschrei ist nicht bloss ein Sturm im Wasserglas, sondern eine unverantwortliche Reaktion auf notwendige, demokratisch entschiedene Massnahmen, welche die Pflege- und Betreuungsqualität in keiner Weise vermindern. Eine Argumentation nach dem Prinzip St. Florian: «Verschone unsere Häuser, zünd lieber andere an.» Werner Schneiter, Zürich «Jede Organisation kann ohne Folgeprobleme auf 10 Prozent des Personals verzichten.» Intensivstation des Zürcher Uni-Spitals.Foto: Thomas Burla

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