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Abt Martin Werlen nimmt die Lehrer in die Pflicht

Lehrer müssen umdenken und soziale Medien wie Facebook und Twitter in den Unterricht einbauen. Darüber waren sich die Experten an der ersten Bildungs- und Forschungskonferenz in Rüschlikon einig.

Von Anja Müller Rüschlikon – Wenn Abt Martin Werlen über Twitter eine kurze Textnachricht im Internet verbreitet, lesen das über 2300 Personen. So auch gestern Morgen, als er vor seinem Auftritt an der ersten Bildungs- und Forschungskonferenz im Gottlieb-Duttweiler-Institut ins Internet schrieb: «Referat in Rüschlikon – Ersetzen Social Media die Schule? Stelle klar, dass das keine rhetorische Frage ist.» Der Vorsteher des Klosters Einsiedeln ist ein bekennender Fan sozialer Netzwerke wie Twitter und Facebook. An einem Tag im Kloster twittert er mehrmals täglich. Gestern stellte er von seinem Smartphone aus innerhalb von sieben Stunden sechs Kommentare ins Internet. Entsprechend war seine Antwort auf die Frage, die die Standortförderung Zürich Park Side als Veranstalterin der Konferenz gestellt hatte: «Keine Schule kann es sich heute leisten, kein Interesse an sozialen Medien zu haben, sonst lebt sie an den Menschen vorbei.» Noch sei aber die Bereitschaft der Lehrpersonen klein, sich mit den modernen Kommunikationsmitteln zu befassen. «Das ist gefährlich», warnte der Abt. Denn dadurch büssten die Pädagogen an Autorität ein. Um weiterhin einen Vorsprung auf die Schüler zu haben, müssten sie sich mit Facebook, Twitter und Co. befassen, statt abschätzig darüber zu sprechen. «Schliesslich sind solche Kontakte nichts anderes, als wenn ich jemandem schreibe oder ihn anrufe.» Mit Evangelium verträglich Er selber habe die sozialen Medien in der Klostergemeinschaft eingeführt, und auch mit seinen Schülern sei er auf diese Art in ständigem Kontakt. «Ich erfahre dadurch mehr über sie, als ein Lehrer in der Schule erfährt.» Für den Abt ein weiterer Vorteil: Soziale Medien vertragen sich gut mit dem Evangelium. «Man steigt vom Podest und wird zu einem Partner. Und lernen beruht immer auf Partnerschaft.» Der CEO des Gottlieb-Duttweiler-Instituts, David Bosshart, fand im nachfolgenden Referat noch deutlichere Worte: «Ob sich Lehrer mit sozialen Medien befassen, ist eine reine Frage der Motivation. Wenn die Lust nicht da ist, gehören sie in Pension.» Der Gebrauch von Technologien mache Generationen aus, sagte Bosshart. Fernsehen sei heute passiv, alt und nicht auf Feedback aus. Die neue Generation erwarte aber Rückmeldungen, und zwar sofort. «Wenn Sie erst nach drei Tagen auf einen Kommentar auf Facebook antworten, haben die Jungen das Gefühl, Sie seien gestorben.» Bosshart riet den rund 80 anwesenden Vertretern und Vertreterinnen verschiedener Bildungs- und Forschungsinstitutionen aus dem Bezirk, darauf zu achten, dass sie bei der Nutzung von sozialen Medien mithalten können. «Denn das Teilen von Wissen über soziale Medien nimmt stetig zu.» Schule bald überflüssig? In der abschliessenden Podiumsdiskussion prognostizierte in erster Linie Peter C. Mott, Direktor der Zurich International School und Präsident der Standortförderung Zimmerberg-Sihltal, eine düstere Entwicklung: «Die Schule läuft Gefahr, überflüssig zu werden, wenn sie sich der Entwicklung nicht anpasst. Ich bin nicht sicher, ob es mit den neuen Technologien in zehn Jahren Schulhäuser überhaupt noch braucht.» Beat Ritschard, Standortförderer Zimmerberg-Sihltal, war nach der ersten Bildungs- und Forschungskonferenz zufrieden. Der angestrebte Dialog habe stattgefunden. Eine Fortsetzung sei im nächsten Frühling geplant. Abt Martin Werlen schrieb um 16 Uhr auf Twitter: «Ein interessantes Projekt abgeschlossen, das nächste kann beginnen. Von regional zu international. Richtig katholisch!» «Lehrer, die sich nicht für soziale Medien motivieren können, gehören pensioniert.» David Bosshart, CEO GDI Twitterte während seines Referats: Abt Martin Werlen. Foto: Slivia Luckner

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