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Alles bloss Plastic

Die kleine Geschichte Der Sänger des Hits «Ça plane pour moi» gesteht: «Ich habe gar nicht gesungen.» Sein richtiger Name ist Roger Jouret, er ist ein drittklassiger Popsänger belgischer Herkunft, er wurde weltberühmt als Interpret eines Punksongs mit dem Titel «Ça plane pour moi», und das anno 1977, als Punk erst grad geboren und schon gar nicht eine französische Angelegenheit war. Nun, die Welt kennt Jouret unter seinem Künstlernamen Plastic Bertrand. Ein Name, der an sich schon alles sagt: Alles nur Plastic, alles nur Bluff in diesem Song, dessen Slangtitel ins Deutsche übersetzt ungefähr «Es fäget für mich» heissen würde. Denn in belgischen Musikkreisen war es längst ein offenes Geheimnis, dass Plastic Bertrand seinen Hit nicht selber gesungen hatte und dass die Stimme auf der famosen Aufnahme vermutlich dem damaligen Produzenten Lou Deprijk gehörte, der im Übrigen auch als Co-Autor des Lieds zeichnete, zusammen mit dem Parolier Yvan «Pipou» Lacomblez. Vor vier Jahren wurde gar ein Gericht in dieser Sache vorstellig, angestrengt von Deprijk, der die Exklusivrechte für eine Neufassung des Hits reklamierte. Aber obwohl die befragten Experten zum einhelligen Urteil gelangten, der Originalsänger von «Ça plane pour moi» müsse Lou Deprijk sein, bestritt Roger Jouret weiterhin die Tatsache und behauptete, die Schnellsprechzeilen des Hits zumindest mitgesungen zu haben. Jetzt allerdings hat Plastic Bertrand, so ein Artikel in der belgischen Zeitung «Le Soir», endlich öffentlich zugegeben, dass er weder den ominösen Hit noch etliche andere unter seinem Namen erschienene Schallplatten selber gesungen habe. Er sei schlicht ein Opfer von Deprijk gewesen. Immerhin ist anzunehmen, dass der Künstler, der mit dem Hit damals auch auf Welttournee ging, für seinen angeblichen Gesang reichlich kassiert hat. Und im Übrigen konnte Plastic Bertrand, der schon vor seiner Punk-Zeit in verschiedenen Gruppen gespielt und gesungen hatte, seinen Namen für weitere Karriereschritte benützen. In den frühen 80er-Jahren lebte er in Mailand als Star einer erfolgreichen Fotoromanserie. Zehn Jahre nach seinem Welterfolg nahm er, real singend, aber schliesslich doch erfolglos für Luxemburg am Eurovision Song Contest teil. Er sang in einem Kindermusical Seite an Seite mit Daniel Balavoine und Abbas Annifrid Lyngstad. Er arbeitete zusammen mit Jacques Dutroncs einstigem Texter Jacques Lanzmann. Er spielte in einigen Filmen mit und verfasste Filmscripts, so zum Beispiel für «Asterix versus Caesar». Verständlich wohl deshalb auch seine langjährige Weigerung, unehrenhaft unter die Milli Vanillis dieser Musikwelt eingereiht zu werden. Und doch noch eine kleine Fussnote zur ganzen Geschichte: Lou Deprijk hatte «Ça plane pour moi» ursprünglich über die Maquette eines etwas pikanten Punksongs «Jet Boy, Jet Girl» konstruiert – gespielt und gesungen von einer englischen Band namens Elton Motello, ja, angeblich hatte sogar dieselbe Band die Begleitung für Plastic Bertrand geliefert. Alan Ward, der Leader dieser marginalen Gruppe aus dem Umfeld der Damned, hat Debrijk die Autorenrechte allerdings nie strittig gemacht. Ihm sind dadurch immerhin einige Tantiemen verloren gegangen: «Ça plane pour moi» ist ein Punk-Evergreen, der oft gecovert und verarbeitet wurde, zuletzt etwa von der französischen New-Wave-Erneuerer Nouvelle Vague (die nächstens in Winterthur gastieren). Fazit: Plastic Bertrand ist der geschwindelte Sänger eines im Grunde gestohlenen Liedes. Benedetto Vigne Dies ist der Artikeltext. Er wiederholt sich jetzt mehrfach. Plastic Bertrand, etwa zur Zeit, in der sein Hit veröffentlicht wurde .

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