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Asiatisches Restaurant verdrängt beliebte Dorfbeiz

Eine chinesische Gastronomie- kette hat für über 3 Millionen Franken die Liegenschaft mit dem Restaurant Löwen in Kloten gekauft. Der bisherige Pächter wurde überrumpelt.

Kloten. - «Das ist charakterlos», sagt Werner Wagner, seit 1992 Pächter des Restaurants Löwen in Kloten. Mit keinem Wort habe der Besitzer ihm gegenüber jemals erwähnt, dass er die Liegenschaft an der Bahnhofstrasse 5 verkaufen wolle. Nur dank seiner aufmerksamen Gäste habe er vom bevorstehenden Verkauf erfahren: «Im Januar sagten sie mir, dass das Gebäude auf Homegate ausgeschrieben sei», erzählt Wagner. Vom Besitzer hörte der Pächter danach vier Monate lang nichts. Erst im Mai wurde er vor vollendete Tatsachen gestellt: Die Liegenschaft ist an eine chinesische Restaurantkette verkauft worden - für über 3 Millionen Franken. Die Kündigung hat der Pächter dann im August bekommen. Voraussichtlich Ende 2010 ist Schluss mit dem Wirten im Löwen. Wagner hofft auf eine Fristerstreckung um fünf Jahre. Ob es dazu kommen wird, weiss er noch nicht.

Viel Geld investiert

Der Pächter kann nicht verstehen, dass einmal mehr ein asiatisches Restaurant eine beliebte Dorfbeiz verdrängt: «Als ob wir nicht schon genug davon hätten.» Tatsächlich gibt es in Kloten bereits zwei chinesische, ein thailändisches und ein indisches Restaurant sowie eine Sushi Bar. Es scheint, dass Kloten ein beliebtes Pflaster für fernöstliche Restaurants ist. «Reiner Zufall» sagt dazu Jakob Utzinger, Präsident vom Gastro Verband Zürcher Unterland. Er glaubt, dass die asiatische Küche derzeit im Trend liegt. «Früher waren es Pizzerias, die überall aus dem Boden geschossen sind.» Nun sei es halt die fernöstliche Küche, die vor allem bei jungen Leuten hoch im Kurs liege.

Ein schwacher Trost für Wagner. Es schmerzt ihn, wenn er daran denkt, dass es «sein Baby» schon bald nicht mehr geben wird. «Ich habe sehr viel Zeit und Geld ins Lokal investiert», sagt er. So habe er zum Beispiel eine neue Theke installiert, einen neuen Holzboden verlegt und ein Abteil für Nichtraucher geschaffen.

Dass er bald auf der Strasse stehen könnte, löst bei ihm Existenzängste aus. Der 46-jährige Klotener hat sich vorgestellt, bis zu seiner Pensionierung Pächter des Löwens zu bleiben. «Aber ich möchte nicht schwarzmalen. Ich muss nach vorne schauen», sagt er. Nach der Ära Löwen will er wieder Pächter eines Restaurants werden. «Am liebsten natürlich in Kloten.»

Der Besitzer der Liegenschaft konnte gestern für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Über dem Restaurant befinden sich fünf Wohnungen. Die Mieter sind vom Verkauf des Gebäudes nicht betroffen, sie können weiterhin in der Liegenschaft blieben, ebenso das Hörcenter im Parterre.

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