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Aufbruch und Umbruch bei GC Neue Spieler, neue Betreuer, neue Methoden: die Grasshoppers wollen zurück zum Erfolg. Aufbruch und Umbruch bei GC

Neue Spieler, neue Betreuer, neue Methoden: Die Grasshoppers wollen zurück zum Erfolg.

Von Peter Bühler, Niederhasli Ciriaco Sforza erscheint bestens gelaunt in der Cafeteria auf dem GC-Campus. Die Hälfte der Arbeit ist um die Mittagszeit bereits getan, die erste von zwei Übungseinheiten an diesem Tag vorüber. Rund 80 Minuten lang hat der Trainer seine Spieler auf dem Platz gefordert – im Mittelpunkt stand die Schulung der Technik und Taktik. Sforza stellt zufrieden fest: «Alle machen sehr gut mit, ich spüre viel positive Energie in der Mannschaft.» Einiges hat sich bei den Grasshoppers verändert. Acht neue Spieler sind zum Klub gestossen (vgl. nebenstehende Liste), zwei, drei weitere könnten dazukommen – etwa der Holländer Daniel de Ridder von Wigan oder Denis Simijanovic von Winterthur. Nicht weniger als 15 Spieler haben oder werden den Klub verlassen, darunter mit Kay Voser, Vincenzo Rennella und Veroljub Salatic drei, die Sforza gerne behalten hätte. Doch Voser und Salatic hatten auslaufende Verträge, Rennella war von Genoa 1893 nur ausgeliehen. «Reisende soll man nicht aufhalten», sagt der Trainer lakonisch. Rennella zieht es zu Cesena, Voser zum Ligakrösus Basel. Diese Wechsel kann Sforza nachvollziehen, nicht aber den Entscheid von Salatic für Omonia Nikosia: «Bei GC war er ein fester Wert und wusste, was er hatte. Aber er wollte ja unbedingt weg – und jetzt kickt er wohl bald für einen Klub auf Zypern …» «GC ist wieder GC» Viel wichtiger als die Personalie Salatic ist für Sforza die Tatsache, dass die Grasshoppers keinen einzigen Spieler aus wirtschaftlichen Gründen verkaufen mussten – im Gegensatz zu den vergangenen Jahren. Von Gajic, Pavlovic, Frick, König, Cvetinovic, Vasquez, Colina, Basha und Ruiz trennt sich der Verein aus freien Stücken, Riedle und D’Angelo werden nach Bellinzona ausgeliehen, Steven Lang nach Lausanne. Nach der gelungenen Sanierung in der letzten Saison und den garantierten Beiträgen durch den Owners-Club in der Höhe von rund 5 Millionen Franken pro Jahr stehen die Grasshoppers wieder auf einem soliden Fundament. Die Zuschüsse der Owners decken das jährliche strukturelle Defizit von 5 Millionen ab, und der Klub kann mit einem Budget von 16 Millionen in die Saison gehen. Sforza sagt: «GC ist wieder GC, ein finanziell gesunder Klub mit hohen sportlichen Ansprüchen.» Den kommenden Monaten sieht er optimistisch entgegen. Lächelnd erklärt er: «Wir werden in der Super League für die eine oder andere Überraschung sorgen.» Auf eine bestimmte Platzierung mag er sich nicht festlegen, aber er ist überzeugt, dass GC eine gute Saison spielen wird: «Der 7. Platz wie zuletzt wäre eine Enttäuschung.» Durch Rückschläge gereift Die vergangene Spielzeit mit diesem viertletzten Rang war für die Zürcher auf und neben dem Rasen turbulent verlaufen. Sforza ist aber überzeugt, dass die Mannschaft und ihr Umfeld gestärkt aus den finanziellen und sportlichen Wirren hervorgegangen sind. «Der Trainer, die Spieler und die Vereinsführung haben nie die Nerven verloren», sagt er stolz. Das vergangene Jahr, in dem über eine lange Phase der wirtschaftliche Kollaps sowie der Abstieg aus der Super League drohten, sei für alle hart gewesen. Keiner bei GC wolle je wieder eine solche Zeit erleben. Und doch ist Sforza der Ansicht: «Die vielen negativen Erlebnisse haben jeden Einzelnen als Persönlichkeit reifen lassen und weitergebracht.» Nach dem erschreckenden 1:3 gegen St. Gallen im Letzigrund im April und dem Absturz auf den letzten Rang sieben Runden vor dem Meisterschaftsende war Sforza die hohe Bedeutung der Psyche seiner Spieler und die Wichtigkeit der mentalen Verfassung seiner Mannschaft endgültig bewusst geworden. Er liess sie zu einer Aussprache unter sich allein, sie bewirkte viel Gutes. Und er war offen für das Engagement des Mentaltrainers Sven Stecher, der seither mit den Spielern und dem Trainerstab regelmässig an der Persönlichkeitsentwicklung arbeitet. Der 44-jährige Bündner Stecher befasst sich seit Jahren mit der Beratung und Unterstützung von Wirtschaftsleadern, Kriseninterventionen sowie der Führung von Teams durch Veränderungsprozesse. Sforza sagt: «Unsere Spieler erhalten so nicht nur eine fussballerische, sondern eine ganzheitliche Ausbildung.» Der Einfluss des Mentaltrainers Nach jenem Debakel gegen St. Gallen gelang den Grasshoppers der Befreiungsschlag mit 16 gewonnenen Punkten aus den folgenden 6 Spielen. Sforza sagt: «Das kann auch Zufall sein, mentale Einflüsse sind ja schwer messbar. Ich persönlich bewerte Stechers Arbeit aber sehr positiv.» Der Psychologe bleibt im Betreuerteam. Er kümmert sich regelmässig um das Wohlergehen von Spielern und Trainern – genau wie Alain Sutter, der an diesem Morgen das Training verfolgt hat und zu einer kurzen Besprechung mit Sforza im Campus-Café vorbeischaut. Die Grasshoppers haben ihren früheren Spieler als Berater des Verwaltungsrats und direkten Ansprechpartner des Trainers verpflichtet. Sforza sagt über Sutter: «Er ist ein Fussballfachmann. Ich bin glücklich, dass er bei GC ist.» Die Plätze des Campus im Blickfeld – die neue Saison im Fokus: Trainer Ciriaco Sforza im Obergeschoss der GC-Geschäftsstelle in Niederhasli. Foto: Daniel Kellenberger

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