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Beim verflixten siebten Mal sucht stetiger Regen den Slow-up heim

Der ruhige Sonntag ist für den Slow-up selbst Tatsache geworden: Nur ein Drittel so viele Besucher wie letztes Jahr nahmen teil.

Von Beatrice Gerwig Männedorf – Stell dir vor, du wohnst an der Seestrasse und erwachst am Morgen vor lauter Stille. Kein Autolärm, nur blökende Schafe und Kinderlachen. «Der Slow-up-Sonntag ist für uns der friedvollste Tag im Jahr», sagt Nicole Steiger. Ihre Kinder spielen Fussball auf der autofreien Seestrasse und fordern die kleine Louisa zum Mitspielen auf. «Dörf mer nöd», sagt die Zweijährige und bremst ihren rosaroten Scooter vor der Strasse ab. Doch, heute darf man. Bevor er in Stäfa beim offiziellen Auftakt das Band zerschneidet, singt der Gesundheitsdirektor des Kantons Zürich, Thomas Heiniger, das Lob der Bewegung und der Langsamkeit. Weil man über Bewegung nicht nur reden solle, sei er von Horgen aus mit dem Velo gefahren. Und wenn man langsam fahre, könne man vielleicht vierblätterige Kleeblätter am Strassenrand entdecken. Nach fünfmal Glück der Regen Heiniger hofft, dass dereinst der Slow-up rund um den Zürichsee führen kann statt wie heute von Meilen bis Schmerikon. Bislang sind die eigentlich slow-up-willigen unteren Seegemeinden Erlenbach, Küsnacht und Zollikon vom Event ausgeschlossen, weil sich Herrliberg weigert, die Seestrasse einen Tag lang für den Autoverkehr zu sperren. Bis jetzt habe man fünfmal Wetterglück gehabt, erinnert sich OK-Präsident Hans Länzlinger, Stadtrat von Rapperswil-Jona. Die Regenzellen sind angeblich zwar auf dem Weg in den Kanton Glarus, doch momentan ist das Wetter garstig: «8 Grad» blinkt es auf der Leuchtanzeige beim Strandbad Männedorf. Dazu tropft es beständig auf die Velohelme, die Finger sind klamm, die Strasse nass und grau. Zeitweise leuchten die orangen Uniformen der Verkehrskadetten als einzige Farbtupfer. «Bratwürste, Cervelats und heisse Kürbissuppe!», ruft eine Stimme aus einem fahrbaren Chalet am Strassenrand. Wirtin Vreni Leuenberger vom Restaurant Widenbad ist seit neun Uhr hier, ihre Lockrufe verhallen jedoch ungehört. Es ist halb zwölf Uhr, und sie hat noch nichts verkauft. «Die Velofahrer brausen mit gesenktem Kopf vorbei», sagt sie. Keiner habe Lust, auf den Holzbänken im Regen zu verweilen. 15 000 nehmen teil Neben den obligaten Gruppen von Inlineskatern, Velofahrern und Fussgängern ziehen originelle Fahrzeuge vorbei, die wahrscheinlich nur einmal im Jahr aus der Garage geholt werden. Ein älterer Herr winkt vom hölzernen Hochrad herab. «Kommt ins Trockene!», ruft ein Vater seinen beiden Zwerglein in gelben Pelerinen zu und lotst sie zu einem Festzelt auf dem Trottoir. An der Bar wird diskutiert, ob man weniger nass wird, wenn man schnell fährt. Am Nachmittag nimmt die Besucherzahl doch noch zu. 15 000 Personen werden schliesslich gezählt. Letzes Jahr haben demgegenüber 45 000 am Fest der Langsamkeit teilgenommen. Kinder spielen auf der autofreien Strasse in Männedorf Fussball – am Morgen noch ziemlich allein. Foto: Silvia Luckner

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