Zum Hauptinhalt springen

«Betonblock mit dem Charme eines Denkmals für Diktatoren»«Betonblock mit dem Charme eines Denkmals für Diktatoren»

Gegner Von Peter Aeschlimann Zürich – Die Gegner des geplanten Getreidesilos im Industriequartier schickten sich gestern im GZ Wipkingen an, die Argumente der Befürworter zu zerpflücken. Es treffe nicht zu, dass bei einem Nein zum privaten Gestaltungsplan am 13. Februar der Standort der Mühle in Zürich gefährdet sei, sagte Christoph Schreyer, Präsident der IG Unterer Letten. Solche Behauptungen hält der Umweltnaturwissenschafter für «Panikmache». Schliesslich hätte Swissmill in den letzten Jahren auf dem Areal «massiv investiert». Die Kapazität des bestehenden Silos reiche aus, um 1 bis 2 Monate ohne Nachschub Getreide mahlen zu können. Gar als Mär tat Schreyer das Argument ab, dass künftig dank dem 120 Meter hohen Turm Mehl dort hergestellt werden könne, wo es verbraucht werde. Da Coop seit der Schliessung der Bäckerei Wallisellen die Zürcher Filialen aus Schafisheim AG mit Backwaren beliefert, würde jedes Weggli zweimal 40 Kilometer per Lastwagen zurücklegen, ehe es beim Konsumenten ankomme. Dem Silo nichts abgewinnen kann auch Richard Wolff, AL-Gemeinderat und selbst ernannter Urbanist. Er kritisierte das Aussehen des «Undings ohne Sinn und Zweck». Bei dem Objekt handle es sich um einen «Betonblock mit dem Charme eines Denkmals für einen Diktator». Urbanität bedeute Mitsprache der Bevölkerung bei der Gestaltung ihrer Umwelt. Der Swissmill-Turm sei der Öffentlichkeit jedoch als «pfannenfertiges Projekt» präsentiert worden. ETH-Architekt Benjamin Leimgruber bemängelte an der Silo-Aufstockung, dass sie Recht ausheble. So käme der Turm im Hochhausgebiet III zu stehen, wo Hochhäuser zwar möglich sind, jedoch nur punktuell und im Einklang mit der Umgebung. Ebenfalls verletze der Gestaltungsplan kantonales Recht. Dort steht, dass Planer von Hochhäusern zwingend auf Objekte des Natur- und Heimatschutzes Rücksicht zu nehmen haben. «Neue Hierarchie entsteht» Die Proportionen sprengten jeden Massstab, sagte Markus Fischer. Der Präsident des städtischen Heimatschutzes ist überzeugt, dass der Turm die Bauten am Ufer optisch verkleinern würde. «So entstünde eine neue Hierarchie, welche durch die Funktion des Silos nicht gerechtfertigt wäre.» In der Badi Unterer Letten, auch sonst ein von der Sonne nicht verwöhnter Ort, würde es wegen des Turms ab 16 Uhr noch etwas dunkler. Es sei bedauerlich, dass viele nicht erkannt hätten, dass hier ein grosses Stück Lebensqualität für Familien und Quartierbewohner geopfert werden soll, sagte Martin Ménard, ein Betroffener. Die Gegner haben bisher rund 30?000 Franken in ihre Kampagne investiert. Geplant sind neben Plakaten auch ein Rapsong und ein Flashmob. Wird das Volk den Gestaltungsplan dennoch absegnen, kündigte der Wipkinger Quartiervereinspräsident Beni Weder bereits seine Unterstützung an, falls Private gegen eine etwaige Baubewilligung rekurrieren wollten. Für das Nein-Komitee sprengen die Proportionen jeden Rahmen.Visualisierung: PD

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch