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Buschauffeur bricht einem Automobilisten die Nase

Ein 52-jähriger Chauffeur der Buslinie 787 hat einem Automobilisten das Nasenbein zertrümmert. Vor dem Obergericht plädierte er vergeblich auf unschuldig.

Von Thomas Hasler Dietlikon/Zürich – Als der Chauffeur an jenem späteren Nachmittag im Januar 2009 endlich die Haltestelle Dübendorferstrasse in Dietlikon erreicht hatte, betrug sein Rückstand auf den Fahrplan etwa zehn Minuten. Da musste es doch nicht auch noch sein, dass ein 24-jähriger Automobilist den in der Haltestelle stehenden Bus überholte und sein Auto wegen einer stehenden Kolonne schräg vor dem Bus anhielt – gerade so, dass ihm die Wegfahrt versperrt war. «Hast du ein Problem?» Mit Hupe und Lichtzeichen versuchte der 52-Jährige zunächst, den Automobilisten zur Wegfahrt zu motivieren. Doch der 24-Jährige war aus nicht bekannten Gründen offenbar auch «geladen»: Er zeigte dem Chauffeur den Stinkefinger. Der seit zwanzig Jahren als Chauffeur arbeitende Mann stieg aus und klopfte auf der Beifahrerseite an die Scheibe des Autos. Der junge Mann liess die Scheibe herunter und fragte: «Hast du ein Problem, du Sau?» Da schlug ihm der 52-Jährige mit der Faust derart heftig ins Gesicht, dass er einen Nasenbeinbruch erlitt. Der 24-Jährige telefonierte je zweimal der Feuerwehr und der Polizei und verfolgte den Bus bis zum Bahnhof Stettbach. Dort schlug er auf die Fensterscheiben ein und stellte sich vor den Bus. Da soll der Chauffeur mit dem Bus auf den nahe stehenden Mann losgefahren sein und ihn, so die Anklage, «einer konkreten Gefahr an Leib und Leben ausgesetzt» haben. Die Einzelrichterin am Bezirksgericht Bülach sah dieses Losfahren und die Gefährdung des 24-Jährigen, gestützt auf Zeugenaussagen, als nicht erwiesen an. Doch sie verurteilte den Chauffeur wegen einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 70 Franken und einer Busse von 700 Franken. Auf dem Schnee ausgerutscht? Der 52-Jährige wandte sich ans Obergericht. Er habe nicht zugeschlagen. «Ich hatte keine Zeit, solche Sachen zu machen», sagte er. Zeit zum Aussteigen hatte er aber offenbar. Er habe den 24-Jährigen an der Nase nehmen wollen. Dann wiederum sagte er, er habe ihm mit dem Finger auf die Stirn tippen wollen, um ihm zu bedeuten, dass er spinne. Vielleicht habe er ihn dabei berührt. Aber die Nase habe er ihm sicher nicht gebrochen. Einen Stinkefinger sehe er jeden Tag im Strassenverkehr. Und woher kommt dann der Nasenbeinbruch, den die Polizeibeamten schon beim Bahnhof Stettbach bemerkten und den der Arzt später ebenfalls diagnostizierte? So was passiere schnell, beispielsweise wenn man auf dem Schnee ausrutsche, meinte der Chauffeur. Vielleicht habe er schon eine gebrochene Nase vor der Auseinandersetzung gehabt, mutmasste der Verteidiger. Das war dann dem Obergericht zu viel an Ungereimtheiten. Es sei «absolut nicht nachvollziehbar, wie er sich sonst die Nase gebrochen haben soll». Dass der 24-Jährige die Polizei aufbiete und dem Bus nachfahre, bloss um den Chauffeur falsch zu belasten, sei «ausserhalb jeglichen vernünftigen Handlungsvorgangs». Die drei Richter bestätigten den Schuldspruch und die Geldstrafe.

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