Zum Hauptinhalt springen

Chronik einer angekündigten Absetzung

Wie die ZSC Lions den Trainerwechsel von Colin Muller zu Bengt-Ake Gustafsson vollzogen.

Von Simon Graf Es mutete fast zynisch an: Derweil Colin Muller gestern Vormittag im Neudorf das ZSC-Training leitete, klärte die sportliche Führung ein paar 100 Meter entfernt die letzten Details mit dessen Nachfolger Bengt-Ake Gustafsson. Der Trainerwechsel wurde den Spielern und dem Coachingduo dann nach der Einheit mitgeteilt. «Solche Dinge gehören leider auch dazu», sagte Sportchef Edgar Salis. «Logisch war es äusserst unangenehm. Und natürlich war Colin sehr enttäuscht.» Nebst Muller muss auch Assistent Bob Leslie gehen, Gustafsson übernimmt die Mannschaft heute und steht am Samstag in Genf erstmals an der ZSC-Bande. Sein Assistent soll Henryk Gruth werden, der bisher als Trainer der Elitejunioren und Ausbildungschef wirkte. Die Trennung von Muller hatte sich in den letzten zwei Wochen abgezeichnet, wurde durch die drei Siege gegen die SCL Tigers, Davos und Kloten aber hinausgezögert. Es darf vermutet werden, dass sie Salis und CEO Peter Zahner gerne schon vor zwei Wochen vollzogen hätten, aber das Okay von Walter Frey noch nicht erhielten. Der neuerliche Rückschlag gegen die Lakers stimmte den Verwaltungratspräsidenten, der nicht gerne Leute entlässt, nun um. Gustafsson erhielt einen Vertrag bis Ende Saison. «Das war auch sein Wunsch», sagt Zahner. «Wenn beide das Gefühl haben, man sollte das Engagement verlängern, werden wir das zu gegebenem Zeitpunkt diskutieren.» Allen persönlich Adieu gesagt Zahner nannte zwei Gründe, die zur Trennung von Muller führten: «Erstens die Punkte. 20 nach knapp einem Drittel der Qualifikation sind zu wenig. Wenn man das hochrechnet, verpasst man das Playoff. Zweitens die Entwicklung des Teams, die nicht in die Richtung zeigte, die wir uns erhofft hatten.» Auf Details, was konkret falsch gelaufen sei, mochte sich der CEO nicht festlegen. Muller sei einfach ein Opfer des fehlenden Erfolgs geworden. «Es tut mir leid für Colin», sagt Captain Mathias Seger. Wir fühlen uns alle schlecht wegen dieser Entlassung. Aber so läuft das Business: Der Trainer ist meistens das schwächste Glied.» Muller habe sich von jedem Spieler persönlich verabschiedet, berichtete Seger. «Es war sicher ein harter, emotionaler Gang für ihn. Chapeau, dass er das gemacht hat. Das zeigt seinen Charakter. Die Mannschaft mochte ihn gut, er hat sehr viel Herzblut in seine Arbeit gesteckt. Aber wir brachten es einfach nicht auf die Reihe.» Der Verteidiger, der Gustafsson noch aus dessen Tagen als Assistent Ralph Kruegers im Nationalteam kennt, sagt über ihn: «Seine Erfolge als Spieler und Trainer sprechen für sich. Er ist wohl der prominenteste Coach, den der ZSC je hatte. Aber das heisst nicht, dass alles automatisch gut kommt. Es liegt an uns.» Olympia- und WM-Gold Mit Gustafsson habe man den besten Trainer auf dem Markt geholt, betont Zahner. «Sein Leitungsausweis ist beeindruckend. Und schwedische Trainer arbeiten strukturiert, bei ihnen ist eine klare Handschrift zu erkennen.» Der 52-Jährige aus Karlskoga, 60 Kilometer von Karlstad entfernt, spielte von 1979 bis 89 bei Washington in der NHL und gewann im Herbst seiner Karriere mit Feldkirch die Europaliga. Nach zwei Trainerjahren in Langnau (1999 bis 01) wurde er 2002 mit Färjestad Meister, mit dem Nationalteam holte er 2006 Olympia- und WM-Gold – im gleichen Jahr hatte das noch niemand geschafft. Gustafsson spricht auch Deutsch, aber besser Englisch, und gilt als guter Kommunikator. Sportchef Salis glaubt, dass der Schwede ein neues System installieren werde. Und manchmal tue es eben einer Mannschaft nur schon gut, ein neues Gesicht zu sehen. Zahner sagt: «An der Zielsetzung hat sich nichts geändert. Wir wollen in die Top 4 und den Halbfinal erreichen.» Momentan liegt der SCB auf Rang 4, mit zehn Punkten Vorsprung. Auf Gustafsson wartet viel Arbeit. Vielleicht bekommt er ein Antrittsgeschenk. Dem Vernehmen nach sollen sich die Zürcher um Owen Nolan bemühen, den Ex-Captain San Joses mit einem Palmarès von 1265 NHL-Spielen. Der 38-Jährige, der zuletzt von den Sharks bei einem Tryout keinen Vertrag bekam, ist nicht mehr der Schnellste. Aber er verkörpert kämpferische Tugenden und fährt dorthin, wo sich die meisten ZSC-Stürmer hinzugehen scheuen: vors Tor.Interview mit Gustafsson, Seite 42 Der Abgesetzte: Colin Muller. Foto: EQ Der Neue an der ZSC-Bande: Bengt-Ake Gustafsson, hier noch bei seinem letzten Job als schwedischer Nationaltrainer. Foto: Key

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch