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Das lange Warten auf die Kantonspolizei

Nur zwei Patrouillen für das ganze Unterland – das ist im Notfall zu wenig, finden Lokalpolitiker und Direktbetroffene. Sie wollen deshalb mehr eigene Polizisten. Doch der Personalmarkt ist ausgetrocknet.

Von Caroline Bossert Der Zürcher Kantonspolizei fehlen rund 100 Polizisten (siehe Kasten) – ein Mangel, den man im Unterland zu spüren bekommt. Nur eine bis zwei Patrouillen seien hier täglich unterwegs, beklagen sich verschiedene Gemeindevertreter. Am Wochenende sei sogar nur eine Streife der Kantonspolizei im Einsatz. Wer Hilfe brauche, müsse mitunter lange warten. Das hat auch Werner Stähli, der parteilose Gemeindepräsident von Oberglatt und Geschäftsführer des Niederhasler Getreidezentrums, erlebt. «Nach einem Einbruch im Getreidezentrum vertröstete mich die Polizei einfach auf den nächsten Tag.» Und Ähnliches erzählt auch Daniel Frei (SP), Sicherheitsvorstand in Niederhasli. Wiederholt hätten sich Bewohner bei ihm über die langen Wartezeiten beschwert, nachdem sie die Polizei alarmiert hätten. «In einem Fall von Lärmbelästigung waren die Störenfriede längst verschwunden, als die Kantonspolizei eintraf.» Nicht immer geht es nur um vergleichsweise harmlose Lärmklagen: Manchmal müssen Geschädigte auch in akuter Gefahr ausharren, bis Hilfe kommt. Davon berichtet ein Velofahrer, der kürzlich im Bezirk Dielsdorf in einen handgreiflichen Konflikt geriet. Ein Automobilist war auf offener Strasse auf ihn losgegangen. Der Velofahrer stürzte, sein Fahrrad ging zu Bruch. Kantonspolizei widerspricht Die sofort alarmierte Kantonspolizei erklärte nach Angabe des Radlers am Telefon, es werde «eine von zwei verfügbaren Streifen geschickt». 35 Minuten später seien die Beamten am Tatort eingetroffen. Während dieser Wartezeit habe die aufgeladene Situation mehrfach zu eskalieren gedroht, sagt der Velofahrer. «Die Vorstellung, dass für die ganze Region nur zwei Streifenwagen zur Verfügung stehen, ist nicht beruhigend.» Die Kantonspolizei widerspricht solchen Darstellungen. «Diese Zahlen stimmen nicht», sagt Marcel Strebel, Chef der Informationsabteilung. Neben den Patrouillen der Kantonspolizei seien auch Streifen der Regionalpolizei, der verkehrspolizeilichen Dienste und der Kommunalpolizeien im Einsatz. Die langen Wartezeiten erklärt Strebel mit der unterschiedlichen Dringlichkeit: «Da die Polizei nicht überall sein kann, müssen Prioritäten gesetzt werden.» Dabei hätten Fälle, bei denen Gefahr für Leib und Leben bestehe oder die öffentliche Sicherheit gefährdet sei, höhere Priorität als etwa eine Nachtruhestörung. Die Verstärkung durch die Kommunalpolizei ist aber längst nicht immer gewährleistet, wie Anfragen bei der Oberglatter Gemeindepolizei und bei der Bülacher Stadtpolizei zeigen. Die dortigen Beamten seien in der Nacht gar nicht verfügbar, heisst es. «Absolut unbefriedigend» «Die jetzige Situation ist absolut unbefriedigend», findet Oberglatts Gemeindepräsident Stähli. Das Dorf will darum seine Gemeindepolizei im nächsten Jahr um einen Polizisten aufstocken. Die Gemeindeversammlung hat diese Stelle mit dem Budget 2011 unlängst genehmigt. Die Kantonspolizei unterstütze die Absicht der Gemeinden, ihre eigenen Polizeien aufzustocken, sagt Stähli. Manche Gemeinden setzen auch auf private Sicherheitskräfte, die in der Dämmerung in den Wohnquartieren präsent sind. «Doch das ist für uns wenig rentabel», findet Stähli. Suche nach Polizisten dauert Auch Niederhasli will eine Gemeindepolizei auf die Beine stellen. Wenn möglich sollen die Ordnungshüter in einem Verbund mit Oberglatt, Rümlang und Niederglatt zusammenarbeiten. «Die Kapazität der Kantonspolizei ist begrenzt. Ihre Präsenz reicht für eine Gemeinde unserer Grösse nicht mehr», begründet Sicherheitsvorstand Daniel Frei diese Pläne. Ganz so einfach lässt sich eine Gemeindepolizei aber nicht aus dem Boden stampfen. Der Personalmarkt ist ausgetrocknet; die Polizeikräfte, die der Kantonspolizei fehlen, fehlen auch den Gemeinden. Ein Problem, das in Oberglatt bekannt ist. «Die Suche nach dem zusätzlichen Gemeindepolizisten wird sicher ein ganzes Jahr dauern», sagt Stähli. Die Patrouillen der Kantonspolizei tauchen nur in den dringendsten Fällen sofort vor Ort auf.Foto: Balz Murer

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