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Das Märchen vom Medienkrieg

reto stampfli

Hinter den trutzigen Mauern des Städtchens Solothurn erzählt man sich noch heute die wundersame Mär, dass vor langer, langer Zeit einmal ein Konflikt aufgeflammt sei, weil eine fremde Medienmacht die behütete Festung aufs schröcklichste belagert habe. Mit schwerem Belagerungsgerät und pompösem Aufzug habe der Störenfried den Solothurnern das Fürchten gelehrt. Doch der Widerstand war schnell formiert. Mit viel Getöse und windigen Aktionen wurden dem lästigen Konkurrenten die Okkupationsgelüste auszutreiben versucht. So hatte jeder brave Bürger des Aarestädtchens seinen Postkasten mit einer Parole zu versehen, die den fremden Fötzeln klar machen sollte, dass sie hier unerwünscht waren. In stolzer Abwehrhaltung stellte man sich den unheilvollen Kräften entgegen und vergass darob, in diesem Gerangel seine eigenen Stärken auszuspielen. Und so ging es hin und her, hier wurde ein Flecken Raub der Fremden, da konnte wieder ein Stück Land zurück gewonnen werden. Doch wirklich entscheidend vorwärts kam niemand. Doch nach Wochen des garstigen Ringens besann man sich eines Besseren: Anstatt in Konfrontation zu verharren, suchte man vorsichtig erste Kontakte mit dem Gegenüber. Ja, und so ist es nicht verwunderlich, dass auch einige Protagonisten leichtfüssig das Lager wechselten und beim einstigen Feind unverhohlen Zuflucht suchten. Es entstand ein munteres Treiben im schmucken Städtchen und der einstige üble Zwist ging fast gar vergessen. Doch eitle Minne war noch lange nicht eingekehrt. Ein bewaffneter Waffenstillstand herrschte nun, und bis auf einige Scharmützel blieb die Lage relativ ruhig, denn das Fussvolk hatte sich arrangiert. Doch Feldherren verhandelten ohne Unterlass und versuchten hilfreiche Koalitionen zu bilden. Mit geballten Kräften wollte man in die Entscheidungsschlacht ziehen. Die Bevölkerung genoss derweil den einzigartigen Umstand, die Informationen aus zwei Quellen zu beziehen und das ganze Umland schaute neidisch nach Solothurn, wo sich ein mediales Jerusalem zu erheben schien. Die Zeit verstrich und die grosse Entscheidungsschlacht schien in weite Ferne gerückt zu sein, da die beiden Kontrahenten in ihren eigenen Reihen einen argen Aderlass zu verzeichnen hatten. Und noch bevor das finale Schlachtgebrüll sich erhob, streckte die eine Partei die Waffen. Die Strategen im Hintergrund trachteten die Belagerung aufzuheben, da im ganzen Land schwierige Zeiten angebrochen waren. Und so war diese wundersame mediale Blütezeit in Solothurn für das gemeine Volk ein veritables Märchen, für die direkt Beteiligten jedoch nicht selten ein Trauertal und das Happy End möge beanspruchen, wer will. Reto Stampfli hat beim Tagblatt wahrlich eindrückliche Arbeit geleistet. Rund sechs Jahre lang hat er Woche für Woche seine Kolumne für uns verfasst: die «Gedankensprünge». Die letzte Kolumne erschien im Januar 2009. Insgesamt schrieb Stampfli zirka 300 Kolumnen. Und er schreibt weiter: Heute ist er im Anzeiger zu lesen. Reto Stampfli ist Lehrer an der Kantonsschule Solothurn, seit kurzem sitzt er für die CVP im Gemeinderat der Stadt Solothurn und ab Januar amtiert er zudem als Chefredaktor des Kirchenblatts Solothurn. >

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