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Dem Truben Zollikon droht das Aus

Restaurant-Tester Daniel Bumann sollte der Wirtschaft zum Truben den erhofften Erfolg bringen. Doch jetzt sucht die Gemeinde einen neuen Mieter.

Von Sabine Linder-Binswanger und Lucien Scherrer Zollikon –Die beiden Wirtsleute Jacqueline Kaufmann und ihr Bruder Roger Maag sahen im April vergangenen Jahres keinen Ausweg mehr: Die Gäste in ihrer Dorfbeiz blieben vor allem in den Abendstunden aus. Das Geld drohte auszugehen. In der Not wendeten sich die beiden an den Restaurant-Tester Daniel Bumann, der für den Fernsehsender 3+ Betriebe unter die Lupe nimmt. Der Spitzenkoch sollte helfen, das Restaurant wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Doch es kam alles ganz anders. Vier Tage lang half Bumann, das Restaurant auf Vordermann zu bringen. Es wurde geputzt, aufgemöbelt und eingekauft. Für den Restaurant-Tester war rasch klar: Das Problem liege nicht bei der Qualität des Essens, sondern bei der mangelnden Erfahrung des Wirtepaars: «Die beiden sind keine Gastronomen, ihnen fehlt der Hintergrund.» Maag versprach, die Ratschläge von Bumann umzusetzen. Er wolle jeden Tag anwesend sein, die Gäste im neuen Wystübli beraten und seine Schwester unterstützen. Angestellte warten auf Lohn Doch kaum war Bumann weg, liess sich auch Roger Maag kaum noch in der Beiz blicken. «Es verging keine Woche, da glänzte er durch Abwesenheit», erzählt eine ehemalige Serviertochter. Und so kam es, wie es kommen musste: Als Bumann zum Überraschungsbesuch zurückkam, war der Geschäftsführer nicht da. Entsprechend negativ fiel die Sendung aus. Es wurde genau das Gegenteil erreicht von dem, was man wollte. Jacqueline Kaufmann zog die Notbremse und verliess – in Unfrieden mit ihrem Bruder – das sinkende Schiff. Roger Maag zeigte sich Anfang November überzeugt, dass er die Wirtschaft allein und mit neuem Personal wieder auf den rechten Weg bringen könne. Doch er machte die Rechnung ohne die Gäste. «Er hat seine Schwester und die Angestellten dermassen mies behandelt, dass ich ihn nicht weiter unterstützen werde», sagt ein Stammgast. Er war nicht der Einzige, der so dachte. So kam es, dass die Gäste wegblieben und das Geld immer knapper wurde. Einige Angestellte warten bis heute auf ihren Lohn. Schliesslich wurden auch Lieferanten nicht mehr bezahlt. Vor ein paar Wochen hing dann ein Schild an der Eingangstür mit dem Hinweis, die Wirtschaft sei bereits ab 20 Uhr geschlossen. Seit fast zwei Wochen ist die Tür gar nicht mehr für Gäste geöffnet worden. Gastrobetrieb nicht zwingend Roger Maag hat in den letzten Tagen alle Anfragen der Presse unbeantwortet gelassen. Anfang März hatte er sich gegenüber dem TA noch beklagt, dass er im Fernsehbeitrag von Bumann schlechtgemacht worden sei. Die Sendung sei derart «geschäftsschädigend» gewesen, dass er jetzt aufhören wolle. Sicher ist, dass für die Gemeinde, die den Betrieb verpachtet, die Ära Maag abgeschlossen ist. Die Frage, wie es mit dem Truben weitergehen soll, hat in den letzten zwei Wochen den Zolliker Gemeinderat beschäftigt. Gestern hat die Behörde mitgeteilt, dass man die Räumlichkeiten für maximal zwei Jahre vermieten wolle. Wobei das Lokal nicht zwingend als Gastrobetrieb genutzt werden muss. Die Gemeinde will sich ausdrücklich nicht an den Kosten beteiligen, die für Sanierung und Unterhalt eines Restaurants investiert werden müssten. Mit Beugi-Schicksal verknüpft Der Gemeinderat bedauert das, begründet seinen Entscheid aber damit, dass er für die anstehende Zentrumsplanung «volle Gestaltungsfreiheit» haben wolle. Denn das Schicksal des Truben hängt mit dem benachbarten Altersheim Beugi zusammen. Letzteres soll durch einen Neubau am Blumenrain ersetzt werden, wobei noch unklar ist, was danach mit dem alten Gebäude geschehen soll. Denkbar ist etwa, dass Alterswohnungen gebaut werden. Inwiefern das Areal des Restaurants durch künftige Projekte benötigt oder tangiert wird, ist derzeit offen. Wie auf der Gemeindeverwaltung gestern zu erfahren war, ist ein Verkauf kein Thema – jedenfalls im Moment nicht. Der Truben wird wohl nicht wieder als Wirtschaft eröffnen. Foto: Sabine Linder-Binswanger

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