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Denkanstoss gegen Mauerbau

Die Bewohner an der Aare sollen Eigeninitiative zeigen und ihre Häuser individuell vor dem Hochwasser schützen. Alt Denkmalpfleger Bernhard Furrer stellte im Mattequartier seine Strategie vor – und erntete Sympathie.

«Wir müssen wieder lernen, mit der Natur zu leben», sagte Bernhard Furrer an einer Informationsveranstaltung im Matte-Quartier. «Eine absolute Sicherheit wird es nie geben, aber bereits mit kleineren Massnahmen kann ein sehr hoher Schutzgrad erreicht werden.» Der ehemalige städtische Denkmalpfleger, Architekt und Parteimitglied der Grünen Freien Liste stellte seine Ideen für den Hochwasserschutz am Dienstagabend der Bevölkerung vor. «Dieser dritte Weg, die Alternative zum Stollen und zur Mauer, ist kein ausgereiftes Projekt, sondern ein Denkanstoss», präzisierte er. Nie mehr wie 2005 Bernhard Furrer appellierte an die Eigenverantwortung der Bewohnerinnen und Bewohner sowie der Hausbesitzer, individuelle Massnahmen zu treffen: Abdichten von Türen, Fenstern und Böden. Elektroinstallationen und Heizungen höher legen und Pumpen zum Absaugen des Wassers installieren. Furrers Credo: «Jedes Haus in der Matte wird einzeln hochwassertauglich gemacht.» Zudem sollen begehbare Stege im Quartier bei Hochwasser zur Verfügung stehen. Diese Massnahmen würden unter folgenden Voraussetzungen greifen: Mit Wasserabflussmengen wie 2005 ist zwar auch in Zukunft zu rechnen, aber es gibt keine mit Schwemmholz verstopften Schwellen mehr. «Eine Durchschwemmung der Matte wie 2005 wird es nie mehr geben», sagte Furrer. Dies sei dank der von der Stadt bisher umgesetzten Massnahmen nicht mehr möglich. Massnahmen getroffen Nach dem Hochwasser 2005 wurden verstärkte Interventionsplätze geschaffen, wo schwere Baumaschinen das Schwemmholz aus der Aare entnehmen können. Die Kräne und Bagger stehen rund um die Uhr zur Verfügung. Zudem können heute Elemente der Schwelle entfernt werden. Und im Bereich des Tychs wurden Absperrungen gebaut und für die Bevölkerung das Alarmsystem (u.a. SMS-Alarm) verbessert. Letztes Jahr wurden aus dem Schwellenmätteli 40000 Kubikmeter Kies entnommen. Kein Holz, keine Fluten Verantwortlich für die verheerende Durchflutung der Matte Ende August 2005 war das Schwemmholz. Innert kürzester Zeit wurden 1000 Kubikmeter (das entspricht etwa 250 Tonnen) Holz in der Matteschwelle verkeilt. Der natürliche Wasserabfluss wurde komplett blockiert. Die Aare führte damals im Maximum 604 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Das Ereignis wurde 2007 an der ETH Zürich simuliert. Fazit: Hätte kein Holz die Matte-Schwelle verkeilt, wäre es nie zu dieser Durchflutung gekommen, trotz der hohen Wassermenge. Beim Hochwasser 1999 führte die Aare sogar 620 Kubikmeter, weil aber kaum Holz kam, waren die Schäden damals weit geringer. Neue Variante prüfen Während Bernhard Furrer ein Verfechter kleinerer Eingriffe ist, favorisiert der Gemeinderat eine Mauer durch das Quartier. Ursprünglich stand neben diesem Objektschutz ein fast drei Kilometer langer Stollen vom Dalmazi in die Seftau zur Diskussion. Er hätte 130 Millionen Franken gekostet. Der Gemeinderat entschied sich im Februar dieses Jahres für die Variante «Objektschutz Quartiere an der Aare» und somit für die Mauer. Diese Variante soll 93 Millionen kosten. Im Mai entschied das Parlament, dass die Regierung nochmals über die Bücher und eine Alternative zur Schutzmauer erarbeiten muss. Ein Stollen existiert bereits Kritik gegen die Verbauungen hagelt es nicht nur aus dem Parlament. Auch zahlreiche Mattebewohnerinnen und -bewohner sträuben sich gegen das Bollwerk. Keiner der etwa 50 Anwesenden am Infoabend machte sich für die Schutzmauer stark. Furrers Idee wurde grossmehrheitlich positiv aufgenommen. Mattebewohner Kuno Seethaler brachte als zusätzliche Schutzmassnahme den ein Kilometer langen Sulgenbachstollen ins Gespräch. Er führt vom Sulgenrain unterirdisch quer durch die Stadt und tritt auf der Höhe des Blutturmes aus. Die Abwasser werden dann via ARA-Zuleitung zur Neubrück geführt. Dieser Stollen könnte laut Seethaler 50 Kubikmeter Wasser pro Sekunde abführen. Dazu müsste in der Sulgenau ein 600 Meter langer Zubringerstollen gebaut werden. Geschätzte Kosten: 5 Millionen Franken. Die billigste Variante Auch Bernhard Furrer hat sich Gedanken über die Kosten seiner Variante gemacht: Pro Liegenschaft würden die Schutzmassnahmen 65000 Franken ausmachen, für das Mattequartier wären das 6 Millionen. Sei noch zu klären, wie viel die öffentliche Hand beitragen würde. Stadtingenieur Hans-Peter Wyss wollte gestern die «Light-Variante Furrer» nicht kommentieren. «Wir stehen in einem laufenden Verfahren, und haben vom Stadtrat den Auftrag, eine Alternative zur Schutzmauer zu prüfen.» Das werde man jetzt seriös angehen und dann kommunizieren. Urs Wüthrich >

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