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Denkmalschutz für Gstaad?

Mit einer Planungszone will die Umweltorganisa-tion Helvetia Nostra von Franz Weber das Dorfbild von Gstaad retten.

«Um in Gstaad zu retten, was noch zu retten ist», hat die Umweltschutzorganisation Helvetia Nostra dem Gemeinderat Saanen geschrieben. Die von Franz Weber präsidierte Organisation stellt ein Gesuch für den Erlass einer Planungszone für das Dorf Gstaad. Damit will Weber verhindern, dass mit dem Abriss von alten Dorfhäusern und dem Neubau von Geschäftsbauten das Dorf «zu einer Art Shoppingcenter für kaufkräftige Konsumenten während ein bis zwei Monaten» im Jahr verkommt. Weber beruft sich auf das Baugesetz sowie das eidgenössische Raumplanungsgesetz. «Keine Drohung» «Es ist keine Drohung, sondern eine Empfehlung an den Gemeinderat, was zu unternehmen ist», präzisierte Franz Weber auf Anfrage. Da Appelle an die Eigentümer, ihre Häuser nicht zu verkaufen, kaum Wirkung zeigen würden, sei das «einzige Mittel zur Rettung Gstaads die Raumplanung». Abklärungen laufen Toni von Grünigen, Vize-Gemeindepräsident von Saanen, bestätigt, dass das Schreiben eingetroffen ist. Er reagiert gelassen: «Die Abklärungen, wie wir die Entwicklung in Gstaad sinnvoll lenken können, ohne uns zu enge Einschränkungen aufzuerlegen, laufen schon einige Zeit. Eine teilweise Planungszone gibt es bereits. Ob dies auch für den Rest das richtige Instrument ist, klären wir ab.» Auf Grund eines als erheblich erklärten Antrages an der Juni-Gemeindeversammlung seien zusätzliche Abklärungen im Gang, das Gesuch von Franz Weber somit hinfällig. «Die Problematik der Liegenschaftenverkäufe, des teuren Wohnraums und des Ortsbildes ist den Einheimischen und den Gästen bekannt und wird mit der laufenden Hauptrevision der Ortsplanung behandelt. Weber springt auf den fahrenden Zug auf.» Durch diese zusätzlichen Arbeiten sei jedoch offen, wann die Revision abgeschlossen werden könne. Weber mischt mit Über die Folgen einer Planungszone schreibt Franz Weber: «Es handelt sich faktisch um eine generelle Bausperre bis zum Inkrafttreten des revidierten Zonenplans.» Nach Meinung der Organisation ist dieser Bau- respektive vor allem Abbruchstopp für fünf Jahre zu verordnen. «Diese Zeit ist zu nutzen, um Schutzbestimmungen in den neuen Zonenplan aufzunehmen.» Weber hat 2009 vier Einsprachen gegen den Abbruch von sieben «schönen alten Dorfhäusern» gemacht. Auch bei der Ortsplanungsrevision ist eine Einsprache von Helvetia Nostra eingegangen. Mit «Nachdruck» wird verlangt, «das Dorf Gstaad unter Denkmalschutz zu stellen». «Unter Schutz stellen ist rechtlich kaum möglich, zudem würde das sogar eine gelenkte Entwicklung verunmöglichen», kontert der Vize-Gemeindepräsident. «Massive Aufkaufaktion» Nichts Neues sagt Weber zur Tatsache, dass zahlreiche Liegenschaften den Besitzer gewechselt haben. «Gstaad ist zurzeit Objekt einer massiven Aufkaufaktion. Es scheint, dass den einheimischen Häuserbesitzern astronomische Offerten für den Kauf ihrer Häuser gemacht werden», heisst es. Weber spricht auf Anfrage von «15 bis 20 Millionen Franken» je nach Lage. In Gefahr sei das Dorfbild Gstaads, insbesondere aber auch das Leben von Gstaad. Das haben bereits vor Franz Webers Gesuch junge Gstaader in einem offenen Brief unter dem Titel «Ausverkauf der Heimat. Einheimische Adieu?» manifestiert (wir berichteten). Damals, im Mai diesen Jahres, appellierten die Behörden an verkaufswillige Landbesitzer, nicht nur die finanziellen Interessen, sondern auch die Traditionen und Existenzbedürfnisse der Jungen zu berücksichtigen. Hans Rudolf Schneider>

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