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Der Hunger treibt die Störche nach Oetwil

Jene Vögel, die nicht in den Süden gezogen sind, werden nur in Oetwil gefüttert. In Hombrechtikon überlässt man sie ihrem Schicksal.

Von Regine Imholz Oetwil – Fast unbeweglich stehen 16 Störche im Schnee, das Gefieder gesträubt von der kalten Bise. Sie warten auf Futter. Futter, das sie beim derzeitigen Wetter aus eigener Kraft nicht finden können. Deshalb hilft Heidi Kaltbach aus, die Präsidentin des Oetwiler Storchenvereins: «Wenn Schnee liegt und der Boden gefroren ist, müssen wir die Tiere jeden Tag füttern.» Zusammen mit ihrem Mann ist sie gerade daran, 5 Kilogramm Weissfisch zu wässern, damit die Stücke für die Vögel gut fressbar werden. Die Störche, die vor 30 Jahren als sogenannte Projektstörche in Oetwil und Hombrechtikon angesiedelt wurden, haben ihren Instinkt, im Spätsommer Richtung Süden zu fliegen, verloren. Sie überwintern hier. «Wildtiere nicht verwöhnen» Von den Störchen, die immer zur selben Zeit in Oetwil auf ihr Futter warten, sind nur gerade sechs im Dorf heimisch. Die anderen kommen aus Hombrechtikon oder Mönchaltorf, denn dort werden sie nicht gefüttert – unter keinen Umständen. «Störche sind Wildtiere», sagt der Hombrechtiker Storchenvater Max Zumbühl. «Wenn wir sie verwöhnen, ziehen sie irgendwann alle nicht mehr in den Süden – mit der Konsequenz, dass sie in einem extrem harten Winter erfrieren.» Zumbühl ist der Auffassung, dass das Eingreifen des Menschen unnötig sei – auch wenn er das menschliche Bedürfnis zu helfen verstehen kann. Aber: «Die schwächeren Störche sterben, so will es die Natur.» Für Heidi Katzbach dagegen ist klar, dass der Mensch, der die Projektstörche seinerzeit quasi zum Hierbleiben gezwungen habe, die Verantwortung dafür trägt, dass diese nicht elend verhungern. Gefüttert würden die Vögel in Oetwil schliesslich nur, wenn es wirklich nötig sei. Für die auswärtigen Störche gelten übrigens eiserne Regeln: Die müssen warten, bis sie an der Reihe sind. Auch Reiher essen mit Bevor die Fischstücke verfüttert werden, muss Hans Jörg Katzbach erst einmal mit der Schaufel ein Stück Wiese vom Schnee befreien. Stoisch beobachten ihn die Tiere dabei. Unterdessen haben sich zwei Reiher zu den wartenden Störchen gesellt. «Die dulden wir», sagt Katzbach. Obwohl alle Vögel hungrig sind, unterschreiten sie eine gewisse Distanz zum Menschen nicht. Erst als das Tor zum Futterhaus geschlossen und niemand mehr in Sicht ist, machen sie sich über die Fischstücke her. Nach wenigen Minuten ist kein Stück mehr übrig. Den Katzbachs ist aufgefallen, dass immer weniger Störche zur Fütterung kommen: «Noch bis vor wenigen Jahren waren es nie unter 30 Tiere, jetzt kommen höchstens noch 20.» Die Projektstörche sterben langsam aus – aus Altersgründen. Im Schnee finden die Störche kaum noch etwas zu essen.Foto: Regine Imholz

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