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Der Maler und sein Modell

Der Förderverein Kunstmuseum Thun feiert sein 50-jähriges Bestehen.

Der Titel des 1996 vom Förderverein Kunstmuseum Thun angekauften Gemäldes von Paul Gmünder (1891–1984) – «Der Maler und sein Modell» – beflügelt die Fantasie. Unwillkürlich assoziiert man mit ihm das Bild einer schönen jungen Frau, einer Muse, die im Atelier stundenlang mit dem Künstler alleine ist. Harte Arbeit statt Erotik Die unterschwellige Erotik des Titels von Gmünders Werk wird aber schon bei einem ersten kurzen Blick auf das Gemälde in ihrem Keim erstickt. Denn das Bild zeigt in erster Linie die harte Arbeit, die mit dem Beruf des Künstlers wie auch dem des Modells verbunden ist. Der Maler – wohl Gmünder selber – ist mit einem weissen Kittel bekleidet und schaut Pfeife rauchend konzentriert auf das entstehende Gemälde, während das Modell vor ihm nackt auf der Stuhlkante sitzend posiert. Sein leicht gekrümmter Rücken und seine angespannte Haltung verweisen darauf, wie anstrengend es sein muss, über Stunden hinweg still zu sitzen. Aktstudien als Etüden Der ab 1929 in Hünibach und ab 1933 in Thun lebende Gmünder ist vor allem für seine Porträts wie auch seine eine friedliche und glückliche Welt zeigende Genredarstellungen bekannt. Heute weiss man, dass er schon in den 1940er- und 1950er-Jahren für seinen Malstil und seine Sujets kritisiert wurde und dass es für ihn zuweilen schwierig war, seine Gemälde in den Berner Weihnachts- und Kramgasseausstellungen zu platzieren. Die Moderne und mit ihr die Tendenz zur Abstraktion und weniger lieblichen Darstellungen hatte schon lange begonnen. Gmünder aber liess sich von seinem Weg nicht abbringen und betonte die Notwendigkeit der Handfertigkeit für den Künstler, die man sich vor allem über Aktstudien aneignen könne: «Ich möchte die Aktstudien den Etüden der Musik gleichstellen», erklärte er etwa. «Sie sind nicht nur reine Fingerübungen, sondern auch Übungen im Gestalten. Nach meiner Meinung unterschätzen die heutigen Maler ihre Bedeutung, weil sie das technische Können geringschätzen.» Vor diesem Hintergrund kann das Gemälde «Der Maler und sein Modell» als Bekenntnis Gmünders zur Relevanz des Handwerks für die Kunst gelesen werden. Petra Giezendanner Die Autorin ist wissenschaftliche Assistentin am Kunstmuseum Thun und beschreibt die zwölf Bilder des Monats, die im Besitz der Fördervereins Kunstmuseum Thun sind.>

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