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Der neue Hoffnungsträger

Der FC Kosova nimmt Kurs Richtung 1. Liga. Dafür hat der in Zürich-Altstetten beheimatete Verein das Team zur neuen Saison verstärkt. Eine wichtige Rolle spielt dabei der ehemalige Fussballprofi Sokol Maliqi.

Von David Schweizer Innert zwei Jahren schaffte der FC Kosova den Durchmarsch von der 3. bis in die interregionale 2. Liga. Für Spektakel sorgten vor allem Torjäger Fazli Haxhiu und Adnan Jashari. 195 Tore in 46 Spielen war die sagenhafte Ausbeute des Albanerklubs. Haxhiu verliess den Verein im Sommer 2009 nach dem zweiten Aufstieg. So lag in der letzten Meisterschaft noch mehr Verantwortung auf den Schultern des ehemaligen FCZ-Spielers Jashari. Kosovas Höhenflug wurde gebremst. Für eine solide Saison mit Platz 6 reichte es dennoch. Damit will man sich beim auf der Sportanlage Buchlern in Zürich-Altstetten beheimateten Verein mit dem treuen und grossen Fananhang aber nicht zufrieden geben. Kosova schielt Richtung 1. Liga. Dafür wurde die Mannschaft zur neuen Saison kräftig umgebaut. Zwar wechselte in diesem Sommer nach Haxhiu auch Jashari zum Drittligisten Volketswil. Dafür wurden mit Alban Hotnjani, Vahid Gjuraj, Nesret Limani und Ardian Laski gleich vier Spieler mit Challenge-League-Erfahrung verpflichtet. 35 000 Fans gegen Brasilien Das neue Aushängeschild Kosovas heisst aber Sokol Maliqi. Der 28-Jährige hat in seiner Karriere rund 100 Spiele (39 Tore) in der zweithöchsten Schweizer Liga für Wil, YF Juventus, Vaduz und Biel absolviert. Nach starken Leistungen bei Wil wurde 2006 sogar Luzern auf ihn aufmerksam und verpflichte den Offensivspieler nach dem Wiederaufstieg in die Super League. Er sei mit breiter Brust nach Luzern gekommen, sagt Maliqi. Auch der Start war verheissungsvoll. Der Schwamendinger debütierte im ausverkauften Basler St.-Jakob-Park vor 35?000 Zuschauern in einem Testspiel gegen Brasilien (0:8). Der 5-fache Weltmeister hatte sich in der Schweiz für die anstehende WM in Deutschland vorbereitet. «Es war ein tolles Ereignis, und ich habe gut gespielt», erinnert sich Maliqi. Doch es blieb der einzige Höhepunkt. Für Aufstiegstrainer René van Eck war Ciriaco Sforza zu den Innerschweizern gekommen, mit dem Maliqi in der Folge aber nicht zurechtkam. Er habe wegen dessen sportlicher Vergangenheit übermässigen Respekt gehabt. Gruppenbildungen und sportlicher Misserfolg hätten bei Luzern für Unruhe gesorgt. «Zudem sind unsere Leistungsträger nicht auf Touren gekommen», sieht er als weiteren Grund für die sportliche Durststrecke des damaligen Teams. Die Entmachtung des bei den Zuschauern beliebten Jean-Michel Tchouga als Captain habe ebenfalls dazu beigetragen. Als neuer Hoffnungsträger wurde schliesslich Mauro Lustrinelli in der Winterpause von Sparta Prag (Tsch) engagiert. In Luzern nie wohlgefühlt Damit war auch Maliqis Zeit in Luzern nach nur wenigen Monaten mit 15 Einsätzen abgelaufen. Im Februar 2007 wurde er gemeinsam mit Genc Mehmeti und José Luis Mamone freigestellt. «Ich habe zu wenig gut gespielt und keine Tore erzielt. Und daran wird man am Ende gemessen», stellt er klar. Doch er habe sich auch nie von den Leuten akzeptiert gefühlt. Und um gute Leistungen zeigen zu können, müsse er sich wohlfühlen. Für Maliqi war es der zweite Knick in seiner Karriere. Bei seinem ersten Engagement in Wil (2000 bis 02) hatte ihn eine Knorpelverletzung im Fuss während fast eineinhalb Jahren ausser Gefecht gesetzt und seine Zukunft als Fussballer infrage gestellt. Maliqi zog es im Februar 2007 zum dritten Mal nach Wil. Doch an die Leistungen früherer Tage konnte er erst 2008 bei Biel bei seiner letzten Station in der Challenge League anknüpfen. Diese waren dann auch die Basis für seine letzte Station im Profifussball bei APEP Pitsilia. Gemeinsam mit dem früheren FCZ-Stürmer Francisco Guerrero wechselte er im Sommer 2009 zum zypriotischen Erstligisten. Den Kontakt hatte Pitsilia-Manager Willy Scheepers hergestellt, Trainer war Marc Hodel – ebenfalls zwei ehemalige Spitzenspieler mit Zürcher Vergangenheit. Turbulente Zeit bei Pitsilia Beide wurden aber kurz nach dem Start entlassen. Sokol Maliqi erlebte eine turbulente Saison mit mehreren Trainerwechseln. Während eines Monats agierte sogar er selbst als Spieler-Trainer und erreichte drei Siege und ein Remis. «Ich hatte nicht das nötige Diplom, um ein Team langfristig zu coachen», erklärt er. «Ich habe allerdings auch gemerkt, dass die Konzentration als Spieler nachlässt und somit auch die eigene Leistung. Somit war ich froh, dass ein neuer Coach kam.» Am Ende sollte es dennoch nicht reichen. Pitsilia stieg aus der höchsten Liga ab und damit wurde auch der Vertrag aufgelöst. Dennoch zieht er ein positives Fazit. «Ich habe viel erlebt und wäre gerne auf Zypern geblieben.» Für Maliqi war das Ende des Auslandengagements der Zeitpunkt, die Zukunft zu regeln. Kosovas Präsident Arsim Hyseni bot dem gelernten Kaufmännischen Angestellten einen Job in seiner Versicherung an. Daneben coacht er die A-Junioren des Vereins. «Ich will das Handwerk lernen und später als Profitrainer arbeiten», so der Inhaber des B-Diploms. Sein Intermezzo bei Pitsilia habe ihm gezeigt, dass er eine Affinität dazu hat. Zunächst will Maliqi aber dem FC Kosova helfen, den Aufstieg in die 1. Liga zu realisieren. «Das Niveau ist gut. Ich werde auch hier gefordert werden», sagt er. Der Start ist auf jeden Fall geglückt. Vor dem dritten Spiel vom Sonntag gegen Schöftland (Buchlern, 15.30 Uhr) befindet sich Kosova noch verlustpunktlos im Spitzenfeld der Tabelle. Büroangestellter statt Fussballprofi: Sokol Maliqi. Foto: Reto Oeschger

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