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Der Präsident und die Asylsuchenden

Er habe doch nur geholfen, sagt Roland Holzer zu einem Geschäft, das derzeit in Sumiswald zu reden gibt: Der Gemeindepräsident hat der Gemeinde in Wasen ein Haus vermietet, in dem seit Anfang Monat Asylsuchende wohnen.

Dass er damit zum Dorfgespräch werden würde, war abzusehen. Immerhin ist er, Roland Holzer, seit Anfang Jahr der Gemeindepräsident von Sumiswald. Und wenn er dann in dieser Funktion der Gemeinde ein älteres, schon seit ein paar Monaten leer stehendes Haus vermietet, hat er die Diskussionen am Stammtisch auf sicher. Zumal Anfang Monat die neuen Bewohner bereits eingezogen sind und damit klar geworden ist, wer hier, an der Dorfstrasse 21 in Wasen, in den nächsten Wochen lebt. Zehn Asylbewerber aus Eritrea . Wobei Roland Holzer von allem Anfang an betont, ihm liege es fern, aus diesem Geschäft Profit zu schlagen. Vielmehr habe er der Gemeinde in einer schwierigen Lage Hand zu einer Lösung geboten – auf der Verwaltung können dem Gemeindeschreiber Eduard Müller und Sozialsekretär Hans Ulrich Schär nur beipflichten. «Mehr als im Rahmen» Alles begann mit der Ankündigung des Kantons, Sumiswald müsse alles in allem 18 Asylsuchende aufnehmen. Doch wohin mit den Neuankömmlingen aus Eritrea und dem Irak, die wohl bis zu ihrem Asylentscheid hier bleiben werden? Die Frage wurde immer drängender, je länger die Gemeinde erfolglos passenden Wohnraum suchte. «Wir hatten wahnsinnig Mühe», bestätigt Gemeindeschreiber Müller, «waren sogar drauf und dran, die Zivilschutzanlage zu öffnen.» Im Wissen darum, dass eine Beherbergung unter Tag ja eigentlich auch nicht die Lösung sein könne. In dieser Situation erinnerte sich Roland Holzer an das Haus in Wasen, das seit dem Auszug seines Sohnes im vergangenen Frühling leer stand. Er bot es der Gemeinde an – zu einer «sehr, sehr günstigen Miete», wie Sozialsekretär Schär betont. Er jedenfalls habe mit Blick auf das in der Region sonst übliche Niveau mit höheren Kosten gerechnet. Auch den Vergleich mit der von den Irakern bezogenen 3½-Zimmer-Wohnung in Sumiswald, die man trotz aller Schwierigkeiten doch noch gefunden habe, brauche Holzers Haus gar nicht zu scheuen. «Sein Zins liegt mehr als im Rahmen.» Ringhörig, «aber schön» Auch sonst hätten die Asylsuchenden bislang in Wasen kaum zu reden gegeben. Schär führt dies auf Holzers Bemühen zurück, die Anwohner rechtzeitig mit der neuen Situation vertraut zu machen. Zudem seien im Haus nur die von der angebauten Nachbarliegenschaft abgewandten Zimmer vermietet worden. Seinem Alter entsprechend sei das Gebäude nämlich ziemlich ringhörig – und doch: «Zum Wohnen ist es schön hier, auch dank der grossen Terrasse.» Dann der Umbau Bei alledem weist Holzer darauf hin, dass er den Asylsuchenden das Haus nur befristet bis Ende November zur Verfügung stellen kann. «Wir wollen umbauen», sagt er zur Erklärung, ohne genauer zu werden. Für die Verwaltung geht die Sucherei dann von Neuem los. Vor diesem Hintergrund kommt Gemeindeschreiber Müller noch einmal auf die Miete zu reden, die Holzer nun erhält. «Wir hätten allenfalls auch auf eine Aufnahme der Zugewiesenen verzichten können.» Dann aber hätte der Kanton, der die Gemeinde heute für ihre Aufwendungen im Asylbereich entschädigt, pro Person und Tag 16 Franken verlangt. Im Monat wären so gegen 5000 Franken fällig geworden.Stephan Künzi>

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