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Der Sonntag rettete die verregnete Herbstmesse

Gewerbe, Vereine und weitere Organisationen sorgten am Wochenende für ein attraktives Dorffest. Auf das anfänglich schlechte Wetter folgte ein Prachtstag.

Von Margrith Waiblinger-Rodel Rafz – Der Sägemehlhaufen hinter dem Gemeindehaus liegt bereit, doch die Schwinger sitzen bei Kotelett und Pommes frites in der Turnerbeiz. «Solange es regnet, steigen wir nicht in die Hosen», sagt einer von ihnen. Am späteren Samstagnachmittag wird das Sägemehl umgelagert, doch ein eigentlicher Wettkampf findet nicht statt. Die Schaulustigen fehlen. Der mitunter starke Regen hält sie davon ab. Auch die Schildkrötenbahn für die Kleinsten bleibt in der Station, und die Ponys vom Reithof Sonnebärg warten vergeblich auf Kinder. Später schont es etwas, sodass beim Ortsmuseum vier Drescher ihre Arbeit aufnehmen. Gekleidet in blaue Blusen, rote Halstücher und Strohhüte, bearbeiten sie mit dem Dreschflegel das Stroh am Boden. Mit Kraft schwingen die Männer den Flegel in die Höhe, um ihn dann auf das Getreide niedersausen zu lassen. Auf diese Weise wurden früher die Getreidekörner aus den Ähren geschlagen. «Das Schwierigste ist, den richtigen Dreschtakt zu finden», sagt Hansruedi Sigrist, einer der Drescher. Die Dreschmaschine, die noch 1960 im Einsatz war, kann nicht vorgeführt werden. Wegen des Regens würde alles verkleben. Geräusche wie Dengeln oder Hämmern locken die Besucher an der Märktgass an den Stand von Schmied und Schlosser Benno Möckli. Auf dem Amboss bearbeitet er ein Werkstück, assistiert von seinem Lehrling Christian Kohler. Unter den kundigen Händen des Lehrmeisters entstehen Gegenstände aus Metall wie ein Kettenhaken oder ein Kreuz. Faszinierend ist die Präzision, mit der das glühende und deshalb leicht formbare Metall durch gezielte Schläge mit dem Hammer geformt wird. «Wenn man die Technik gelernt hat, kann man alle Ideen umsetzen», sagt Möckli. Im Gleichtakt und mit einer scheinbaren Leichtigkeit bearbeiten die beiden Männer das Werkstück, bis ihnen der Schweiss von der Stirn rinnt. Von den Dächern der Zelte rinnt der Regen. Viele Besucher sind deshalb in den unzähligen Festwirtschaften anzutreffen oder flüchten sich in die Unterstände der Gewerbler. «Handwerk ist wieder gefragt», sagt ein älterer Herr mit Gehstock. Er scheint recht zu haben, denn die Informations- und Verkaufsstände stossen auf Interesse. Geschmückt mit Rosen, Sonnenblumen oder Chrysanthemen sind sie eine Augenweide. Auch kulinarisch steht an der Herbstmesse ein vielfältiges Angebot zur Verfügung, oft begleitet von Attraktionen. Zu einer Gerstensuppe kann man in der Museumsschür den Geschichten und Liedern von Marcel Binder lauschen, die er mit der Drehleier oder dem Hexenscheit begleitet. Gar Sonderliches und Schauerliches geschah früher in Rafz. Die Rede ist von Armut und Plünderungen durch fremde Truppen, aber auch von drakonischen Strafen und Unfällen. Der stark betrunkene «Hansjoggel mit sine Holzzoggel» fiel in den Mülibach, und Schmidlis Bethli starb an einem Sonntag auf dem Heimweg von Rorbas, weil sie nicht in den Gottesdienst ging. Viele Besucher am Sonntag Für Gemeindepräsident und OK-Präsident Jürg Sigrist war das Festwochenende in Rafz eine gelungene Sache. «Das Erfreulichste ist sicher, dass das Wetter am Sonntag so gut geworden ist.» Das habe nicht nur die Besucherzahl markant gesteigert, sondern auch die Motivation der Standbetreiber. «Dank dem Sonnenschein fand die Herbstmesse die nötige Beachtung», findet Sigrist. Bis gestern um Mitternacht haben die letzten Besucher am Fest ausgeharrt. Im Dorfzentrum flogen die Schlegel, gleich daneben gab es Dudelsackklänge und alte Handwerkskunst. Fotos: David Baer

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