Zum Hauptinhalt springen

Der stille Chef

Félicien Du Bois ist einer der Hauptgründe für den starken Klotener Start.

Von Etienne Wuillemin, Kloten Neun Siege aus elf Spielen. Der Saisonstart ist den Kloten Flyers mehr als geglückt. Die Basis dafür ist die beste Verteidigung der Liga mit nur 21 Gegentoren. Und die Basis dieser Verteidigung heisst Félicien Du Bois. Der bald 27-Jährige prägt in seiner dritten Klotener Saison das Spiel der Flyers stärker denn je. Der Modellathlet fällt mit viel Einsatz, Konstanz und einem guten Schuss auf. Zudem liest er das Spiel hervorragend und setzt sein Körperspiel gezielter ein. Du Bois erzielte bereits vier Tore (alle im Powerplay) und sechs Assists, er ist damit Klotens produktivster Verteidiger. «Wie Fussball in Italien» Heute trifft Du Bois mit Kloten, das wieder auf Blum und Liniger zählen kann, auf Ambri. Die Tessiner kämpfen bereits um den Anschluss in der Tabelle. Eine Situation, die Du Bois aus seiner Zeit im Tessin bestens kennt. «Klar tut es weh, wenn ich sehe, was bei Ambri Jahr für Jahr läuft», sagt er. «Aber mehr meiner Freunde Duca, Demuth und Croce wegen als wegen des Klubs.» In neun Jahren bei Ambri wurde der gebürtige Chaux-de-Fonnier vom intensiven und «teilweise speziellen» Umgang mit Fans und Medien geprägt. «Eishockey im Tessin ist wie Fussball in Italien, die Emotionen kochen schnell über», sagt er. «Nach schlimmen Niederlagen mussten wir uns jeweils überlegen, ob wir noch auswärts essen gehen durften. Am Tag darauf bombardieren einen die Tifosi dann während des Einkaufens mit kritischen Fragen.» Alltag in einer Region, in der Eishockeyspieler einen Bekanntheitsgrad haben wie Bundesräte. Der tödliche Unfall Im Alltag von Ambri kam für Félicien Du Bois der Tag, den er heute «eine kleine Episode in meinem Leben» nennt. An einem Sonntag im Oktober 2003 fuhren Du Bois sowie seine Teamkollegen Corsin Camichel, Hnat Domenichelli und ein Teammanager nach Bellinzona, um etwas zu essen. «Warum die drei zusammen und ich alleine gefahren bin, weiss ich auch nicht. Wahrscheinlich war mein Auto weiter hinten auf dem Parkplatz», sagt Du Bois. In einer lang gezogenen Rechtskurve kam ihnen ein Geisterfahrer entgegen. Das Auto von Camichel, Domenichelli und dem Teammanager konnte ausweichen, Du Bois dahinter nicht. Nach dem Aufprall war er sofort bewusstlos. Als Erstes realisierte er, wie ihn Camichel an der Schulter schüttelte. «Als ich wieder wach war, dachte ich zuerst, ich sei eingeschlafen, und hatte ein schlechtes Gewissen. Und dann», sagt Du Bois und lacht dabei, «machte ich mir nach einer Minute meine Diagnose gleich selbst»: Armbruch, Nasenbeinbruch und kleine Schnitte im Gesicht – ansonsten nichts. Der Geisterfahrer starb. Heute erinnert Du Bois einzig die Narbe am Arm an den Unfall. «Ich hatte weder schlimme Träume, noch belastet mich der Unfall beim Autofahren.» Die Ruhe in Kloten Knapp drei Monate später stand der Romand mit Ambri wieder auf dem Eis. Und entwickelte sich zum Nationalspieler, der 2008 zu den Kloten Flyers wechselte und auf Anhieb den Playoff-Final erreichte. «Am Schluss war es in Ambri immer der gleiche Film», erinnert er sich. In Kloten – und das behagt ihm, der die Ruhe und die Beschaulichkeit so sehr liebt, besonders – kann er nach einem Match immer unbehelligt in der Stadt essen gehen. Egal, wie ein Spiel wie das heutige gegen Ambri ausgeht. Geniesst die Beschaulichkeit: Félicien Du Bois im Wald hinter dem Klotener Eisstadion. Foto: Nicola Pitaro

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch