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Der Wochen-Krimi

Der dritte Kommissar-Kummer-Krimi spielt im Milieu der Autooccasionshändler.Bild: CLA von stephan pörtner Was bisher geschah: Ein Toter wird auf dem Friedhof Sihlfeld entdeckt. Es handelt sich um Vincenzo Guerra, der in der Nähe eine Autogarage betrieben hatte. Kummer und Strittmatter statten der Garage am folgenden Morgen einen Besuch ab. «Können Sie heute Nachmittag auf die Wache kommen, wir müssen noch ihre Aussagen aufnehmen», fragte Kummer die beiden Mechaniker. «Wir sind verhaftet?» Die Muskeln des Russen spannten sich, er sah Kummer misstrauisch an. «Nein, reine Routine, wir werden Ihnen ein paar Fragen stellen. Bitte überlegen Sie sich genau, ob Ihnen irgendetwas Besonderes aufgefallen ist in letzter Zeit. Ob ihr Chef irgendwie anders war, sich mit jemandem gestritten hat. Verstehen Sie?» «Okay. Ich hab noch zu tun mit dem Toyota, den holen sie um halb zwei, nachher kann ich kommen», sagte der Russe. «Bei mir wirds eher fünf», meinte Olunde. Kummer nickte und erklärte den beiden den Weg. «Und wenn der Stift auftaucht, bringen Sie ihn auf jeden Fall mit.» Er gab den Männern die Hand und ging hinüber ins Büro. Dort wühlte Strittmatter kopfschüttelnd in den Unterlagen. «Das ist kein Büro, das ist ein Saustall, ein verdammter», fluchte sie. «Schau dir diesen Computer an. Der läuft noch mit Windows 3.1 und hat ein Diskettenlaufwerk. Das ist eine Antiquität. Dass der überhaupt noch funktioniert, ist ein Wunder.» «Wir werden das ganze Gerümpel mitnehmen und durchsehen müssen.» «Also los, laden wir ein.» «Meinst du, das hat in deiner Karre Platz?» Strittmatter fuhr einen Nissan Micra. «Aber sicher, wenn wir den Monitor hier lassen, sollte es gehen.» Während Kummer die Papiere in Säcke verpackte und den Schreibtisch räumte, stöpselte Strittmatter fluchend den Computer auseinander. Sie lud umsichtig ein, sodass alles in ihrem wirklich sehr kleinen Auto Platz hatte. Die beiden Mechaniker waren mit ihren Fahrzeugen beschäftigt und taten so, als seien die beiden Polizisten gar nicht vorhanden. «Du musst zur Sanität», sagte Kummer und deutete auf Strittmatters zerrissene und blutige Hose. «Ist nur eine Schramme», winkte sie ab. «Das gibt eine wüste Blutvergiftung, und dann fällst du für Wochen aus. Denk wenigstens an mich!» Strittmatter schüttelte den Kopf. Kummer legte ihr versöhnlich die Hand auf die Schulter. «Komm, das hab ich dir ja noch gar nicht gezeigt.» Er führte sie über die Aussentreppe in den oberen Stock hinauf. «Schau dir dieses Auto an. Das muss für den Ermordeten eine besondere Bedeutung gehabt haben.» Strittmatter runzelte die Stirn. «Ein Auto in der Wohnung, das ist doch nicht normal.» «Das ist ein Cadillac Coupe de Ville. Darum heisst die Garage auch so, verstehst du?» Kummer strich wieder zärtlich über die mächtigen Heckflossen. «En alte Chlapf isch en alte Chlapf», sagte Strittmatter in ihrem breiten Thurgauer Dialekt, und Kummer hätte sich beinahe bei dem Auto entschuldigt. Er wollte ihr die alten Fotos zeigen, aber Strittmatter hatte sich auf den Boden gekniet und redete vor sich hin. Kummer bemerkte, dass sie mit der Katze sprach. Er fragte sich, wie die heraufgekommen war. Vielleicht war sie ihnen gefolgt. Strittmatter hob das Tier auf und nahm es auf den Arm. «Was wird aus ihr?» Kummer zuckte mit den Schultern. «Sie wird wohl in der Werkstatt bleiben.» «Die Brüder fressen sie doch eher, als dass sie das Tier füttern.» Kummer hoffte, dass Strittmatter das nicht ernst meinte. «Ich glaub, ich nehme sie mit.» Sie erklärte der Katze auf ungewohnt zärtliche Weise, was sie mit ihr vorhatte. Diese schien einverstanden und liess sich von Strittmatter nach unten tragen. «Gehört die einem von euch?», fragte sie die Mechaniker. Olunde und Schewtschenko schüttelten die Köpfe. «Sie ist bei mir, wenn jemand nach ihr fragt.» Ohne eine Antwort abzuwarten, verliess Strittmatter die Werkstatt. Kummer holte sie an ihrem Auto ein. «Du kannst das Viech doch nicht einfach mitnehmen, wie willst du es denn transportieren?» «Das siehst du gleich. Steig ein!» Kummer gehorchte. Strittmatter setzte ihm die Katze auf den Schoss. «Spinnst du?», japste er entsetzt. «Wir bringen sie schnell zu mir. Ich kümmere mich am Abend um sie. Ich hatte schon mal eine Katze, ich hab noch Korb und Napf und so.» «Was ist aus deiner Katze geworden?» «Sie wurde überfahren.» Strittmatter fuhr die Badenerstrasse hinunter und bog bei der Ausfahrt Altstetten in die Autobahn ein. Die Katze sass auf Kummers Schoss, Strittmatter streichelte sie ab und zu. Sie bremste vor einer ziemlich trostlosen Blocksiedlung in Dietikon. Kummer war erst einmal bei Strittmatter zu Hause gewesen. Als sie ihn zum Abendessen eingeladen hatte. Zusammen mit ihrer Freundin Ina. Strittmatter wohnte ihm Parterre. Sie stieg aus und öffnete die Wagentür auf seiner Seite. Kummer griff nach der Katze und wollte sie ihr reichen. Das Viech drehte sich blitzschnell um und biss ihn in die Hand. «Tamisiech», fluchte Kummer. «Pass doch auf», schimpfte Strittmatter, nahm das Tier und verschwand im Gebäude. Wenig später kam sie zurück. Sie hatte jetzt Jeans an. Kummer lehnte an ihrem Auto. Er saugte an der Bisswunde auf seinem linken Handrücken. «Mistvieh», schimpfte er. «Du musst zur Sanität», sagte Strittmatter. «Das musst gerade du sagen.» «Wir gehen zusammen, damit nicht noch einer von uns abserbelt.» Sie fuhren zurück auf die Wache und liessen sich auf dem Sanitätsposten verarzten. Es war unterdessen fast Mittag. «So und jetzt kommst du mit mir zum Essen. Du kannst ja einen Fitnessteller nehmen oder so etwas.» Sie gingen ins Molino am Stauffacher. Kummer ass das Menü, Strittmatter stocherte tatsächlich nur in einem Salat. «Wie geht es Ina?», fragte Strittmatter. «Frag sie doch selber», antwortete Kummer barscher als gewollt. «Ihr geht doch zusammen ins Tschei Tschi oder wie das heisst.» «Tu doch nicht so empfindlich», grinste Strittmatter. «Ich habe sie einfach eine Weile nicht mehr gesehen. Letztes Mal war ich nicht im Tai-Chi, davor hat sie gefehlt. Ihr seid doch noch zusammen?» ? Fortsetzung nächste Woche Henry Kummer, Kommissar der Kantonspolizei Zürich, muss sich wieder mit einem mysteriösen Fall herumschlagen. In Altstetten ermittelt er im Milieu der Autooccasionshändler und Immobilienspekulanten und erlebt, wie sich im Quartier langsam der Citydruck bemerkbar macht. «Letzte Ausfahrt Altstetten» ist der dritte Kommissar-Kummer-Krimi, den Stephan Pörtner exklusiv für das «Tagblatt der Stadt Zürich» als Fortsetzungsgeschichte schreibt. Pörtner, Jahrgang 1965, lebt als Schriftsteller und Übersetzer in Zürich. Er schreibt Romane, Kolumnen und Hörspiele. Im nächsten Frühling erscheint im Bilgerverlag sein fünfter Köbi-Krimi. Alle Folgen des neuen Kummer-Krimis sind auch auf der Website des «Tagblatts» nachzulesen. Wer sie lieber hören möchte, hat ebenfalls die Möglichkeit dazu. Der Schauspieler und Komiker Beat Schlatter liest (und kommentiert) die Fortsetzungsgeschichte. www.tagblattzuerich.ch @

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