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Die Alten regieren kurzsichtig

Kommentar Von Raphael Briner Jetzt Männedorf, davor Stäfa: Offensichtlich ist zusätzlicher Wohnraum für Familien in den beiden bevölkerungsreichsten Dörfern des oberen Bezirks Meilen nicht gefragt. Die Männedörfler lehnen die Initiative Hanhart ab. Im März haben die Stäfner einen Vorstoss mit ähnlichem Ziel von SP-Kantonsrat Peter Schulthess bachab geschickt. Natürlich kann man gute Gründe gegen solche Initiativen vorbringen. Auch in den reichen Seegemeinden gilt es, haushälterisch mit dem Geld umzugehen, und die Förderung von Familienwohnungen gehört nicht zu den Kernaufgaben der Kommunen. Zudem nimmt in Männedorf die Zahl der Schüler stetig zu. In Stäfa planen die Behörden derzeit den Ausbau des Schulhauses Moritzberg. Dies zeigt, dass derzeit mindestens von Meilen bis Hombrechtikon keine Vergreisung droht, wie sie in den unteren Gemeinden des Bezirks bereits Tatsache ist. Es fällt aber auf, dass am gleichen Tag, an dem in Männedorf die Initiative Hanhart abgelehnt worden ist, die Herrliberger der Umzonung von Schrebergartenland zwecks Errichtung von Alterswohnungen zugestimmt haben. In Stäfa sagte die Gemeindeversammlung im Juni Ja zu einer Zonenänderung auf dem Hulftegger-Areal mit dem gleichen Ziel. Folgerung: Es regieren die Alten. Sie setzen ihre Interessen durch. Auch weil sie politisch aktiver sind als die Jungen. Da viele Senioren wegen steigender Wohnungspreise eine neue Bleibe in Hombrechtikon oder gar im Oberland suchen müssen, macht dies Sinn. Weitsichtig ist solches Stimmverhalten allerdings nicht. In nicht allzu ferner Zeit wird auch der obere Bezirksteil zugebaut sein, werden die Boden- und Mietpreise für junge Familien – egal ob aus der Unter- oder der Mittelschicht – unbezahlbar sein. Die ganze Goldküste als Altersheim und Luxusresidenz, das ist keine schöne Vorstellung.

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