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Die grossen Fragen des Lebens auf die Bühne gebracht

Die Kammerspiele Seeb eröffnen mit dem Stück «Das Orangenmädchen» von Jostein Gaarder ihre 35. Saison. Eine Aufführung mit Tiefgang.

Bachenbülach. - Die Lichter gehen aus, und Gesang setzt ein: «Deine Zeit gehört dir ganz allein, du kannst sie nicht halten, doch sie gehört dir», singen die Protagonisten des «Orangenmädchens». Und weiter: «Du weisst nicht, wie lange du Zeit hast, doch solange du sie hast, bist du reich.» Diese philosophisch angehauchten Liedtexte begleiten die Zuschauerinnen und Zuschauer während zweier Akten. Szenische Darstellung und Gesang gehen ineinander über.

Über hundert Theaterliebhabern hat die Vorpremiere am Mittwochabend gefallen. Über den roten Teppich waren sie hinein in den Saal der Kammerspiele Seeb in Bachenbülach spaziert, ein auffälliger Kronleuchter schmückt die Decke. «Das Orangenmädchen» stammt von Jostein Gaarder, der sich mit dem Buch «Sophies Welt» einen Namen machte. Leichte Philosophie gehört zu seinem Spezialgebiet.

Verpasste Chancen, entgleiste Gefühle

Die Aufführung unter der Regie von Urs Blaser wurde dem Buch mehr als gerecht: Vor dem Hintergrund eines Sternenmeers sinnierten die Schauspielerinnen und Schauspieler. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, stellten sie sich die grossen Fragen des Lebens. Daraus ergab sich eine Geschichte über die Liebe, das Leben und die Angst vor dem Tod. Verpasste Chancen, auf den Kopf gestellte Weltansichten und entgleiste Gefühle wurden auf feinfühlige Art und mit Humor aufgegriffen. «Die Geschichte ist herzergreifend», meint die Besucherin Evelyne Fuchs aus Embrach.

Und darum geht es: Überraschend erhält der fünfzehnjährige Georg einen Brief von seinem Vater, der starb, als Georg vier Jahre alt war. Der Brief erzählt von der Suche des Vaters nach dem Mädchen, das stets einen Korb voller Orangen mit sich herumtrug und einen orangenfarbenen Anorak anhatte. Es ist die Liebegschichte von Georgs Eltern, dem Arzt und dem Orangenmädchen. Es ist aber auch die Geschichte über Schicksal und Zufall, über Kunst und Wissenschaft. «Es geht auch darum, wie wir das Glas betrachten», sagt Regisseur Urs Blaser: «Ist es halb voll oder halb leer?».

Suche nach Antworten

Das Theaterstück stellt Fragen und fordert die Zuschauerinnen und Zuschauer auf, selbst Antworten zu finden. «Wenn die Gäste aus dem Theater laufen und ihnen bewusst wird, dass sie das Beste aus ihrer Zeit machen müssen, dann haben sie unsere Botschaft verstanden», sagt Urs Blaser.

«Wenn ich nach Hause gehe, werde ich bestimmt über einige Inhalte des Theaters nachdenken», sagt Evelyne Fuchs. Stoff dafür hat sie genug, denn am Ende stellt der Vater in seinem Brief an den Sohn die grosse Frage: «Wenn du entscheiden könntest, ob du zu einem Leben auf diesem Planeten geboren werden möchtest, und wüsstest nicht, wie lange du bleiben könntest, würdest du Ja sagen oder das Angebot ablehnen?» Georg entscheidet sich für das Leben. www.kammerspiele.ch

Georg (Samuel Klauser) erhält einen Brief von seinem verstorbenen Vater.

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