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Die Problemzone eines Handwerkers

Der Oetwiler Weiler Neuguet soll von der Landwirtschafts- in die Kernzone umgezont werden. Das verlangt eine Initiative. Der Urheber hofft, über den Schutz des Weilers seinen Werkstattbetrieb und seine Tierhaltung legalisieren zu können.

Von Patrick Gut Oetwil – Werner Nyffeler aus dem Oetwiler Weiler Neuguet fürchtet um seine berufliche Existenz. Nyffeler arbeitet seit 25 Jahren auf einem Bauernhof, den schon seine Grossmutter bewohnt hatte. Der Hof befindet sich in der Landwirtschaftszone. Bauer ist Nyffeler aber nicht – selbst wenn er die drei Hektaren Landwirtschaftsfläche selber bewirtschaftet. Seit 25 Jahren verkauft und wartet Nyffeler Reinigungsmaschinen. So verdient er seine Brötchen. Der Oetwiler hat im Neuguet seit eh und je eine Werkstatt für seine Handwerkerarbeiten eingerichtet. Handwerker statt Bauer Wäre Nyffeler von Beruf Bauer, dürfte er auf seinem Hof eine Werkstatt betreiben. Für den Verkäufer von Reinigungsmaschinen hingegen gilt das nicht. Die Werkstatt ist nicht zonenkonform und damit illegal. Damit nicht genug: Nyffeler besitzt vier Pferde. Für sie hat er auf seinem Land einen kleinen Sandplatz eingerichtet. Auch das Halten der Pferde ist für Nicht-Bauer Nyffeler in der Landwirtschaftszone nicht erlaubt. «Bis jetzt hat das niemanden gestört», sagt Nyffeler. Vor einiger Zeit habe ihn die Gemeinde dann plötzlich auf die Probleme angesprochen. Nyffeler wollte mit dem Nachbarn zunächst eine Betriebsgemeinschaft gründen. Das hätte die Situation legalisiert. Die Idee habe sich dann aber zerschlagen. So sei er auf den Gedanken gekommen eine Initiative einzureichen, damit der Weiler Neuguet von der Landwirtschafts- in die Bauzone umgezont werde; und zwar als Kernzone. Die Gemeinde habe ihn in der Sache unterstützt. Mit der Umzonung wären Nyffelers Probleme auf einen Schlag gelöst. «Als Kernzone wäre der Weiler Neuguet von seinem Erscheinungsbild auch für die Zukunft geschützt», nennt Nyffeler einen weiteren Vorteil seines Anliegens. Momentan liegen die Unterlagen zur Initiative samt einem erläuternden Bericht des Gemeinderats zur Einsicht im Oetwiler Bauamt. Bis zum 16. März läuft die Vernehmlassung. Der Bericht des Gemeinderats rückt als Argument des Initianten den Schutz des Weilers in den Vordergrund. Werkstatt und Pferdehaltung erwähnt er nicht. Man wollte dem Initianten nichts unterstellen, heisst es dazu auf der Gemeindeverwaltung. Am 20. Juni kommt das Geschäft vor die Gemeindeversammlung. Der definitive Entscheid liegt beim Kanton. Dieser zeigt sich sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, neues Siedlungsgebiet einzuzonen. Schon 1997 unternahm die Gemeinde einen Anlauf, den Weiler einzuzonen. Damals hat die kantonale Baudirektion festgehalten, der Weiler erfülle die Kriterien für eine Einzonung nicht. Er wies die notwendige Mindestgrösse von fünf bis zehn bewohnten Gebäuden nicht auf. An den Grundlagen hat sich nichts geändert, und so kommt der Gemeinderat zum Schluss: «Es ist absehbar, dass die Baudirektion bei einer erneuten Prüfung des Begehrens kaum zu einer abweichenden Einschätzung kommen wird.» Nein mit fatalen Konsequenzen Für Nyffeler wäre eine Ablehnung fatal. «Als Einmannbetrieb könnte ich es mir nicht leisten, mich in einer Industriezone anzusiedeln», sagt der Handwerker. Vermutlich müsste er seine Liegenschaft im Neuguet aufgeben. Die Gemeindeversammlung wird im Wissen um die Haltung des Kantons entscheiden. Sagt der Kanton Nein, die Versammlung aber Ja, muss die Gemeinde gegen den Entscheid der Baudirektion rekurrieren. Werner Nyffeler mit seinen Pferden. Weder die Tierhaltung noch Nyffelers Werkstatt sind heute zonenkonform.Foto: Reto Schneider

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