Zum Hauptinhalt springen

Die schöne Alte Welt von Jaschin

Der Star von St. Petersburg führte SKA zum Auftakt des Spengler-Cups zum 3:1 gegen Servette.

Von Philipp Muschg, Davos Wenn die Eishockeywelt sich trifft, wenn im Rink gekämpft wird und daneben trotzdem lockere Stimmung herrscht – dann ist der Spengler-Cup in Gang. Seit gestern ist es in Davos wieder so weit, und für Alexei Jaschin, den Stürmer von SKA St. Petersburg und langjährigen NHL-Star, kam ein solcher Spengler-Cup-Moment im Anschluss an das 3:1 seines Teams gegen Servette. Nachdem der 37-Jährige bei allen Toren seines Teams auf dem Eis gestanden hatte, musste er einer Gruppe Journalisten Auskunft geben. Plötzlich rief jemand aus dem Hintergrund: «Jetzt hast du mich schon wieder erwischt.» Es war Chris McSorley, der Coach des Verliererteams und 1994 in Las Vegas während einiger Monate der Trainer des jungen Jaschin. «Du schuldest mir noch Geld aus Vegas», antwortete der Russe und lachte. Sherkan fliegt den Puck ein Jaschin und sein SKA waren dem Genfer Turnierdebütanten auch in den sechzig Spielminuten keine Antwort schuldig geblieben. Nachdem Servette den frühen Rückstand ausgeglichen hatte und das Spiel prägte, verliessen sich die Russen lange auf ihr individuelles Können und das Überzahlspiel. «Sie haben schon unheimlich viel Erfahrung», umschrieb OK-Präsident Fredi Pargätzi diese Phase russischer Zurückhaltung, und er lag richtig. Während die Genfer ihre sämtlichen Gelegenheiten ungenutzt liessen, sorgte der erste Block von St. Petersburg im Schlussdrittel für die Entscheidung. Jaschin selbst erzielte den Siegtreffer in der 41. Minute mit einem platzierten Halbdistanzschuss. Für Servette blieb das Resultat der magere Lohn eines engagierten Premierenauftritts, der von Sherkan würdig eröffnet worden war. Der 11-jährige Weisskopfseeadler pflegt während der Meisterschaft den Matchpuck in der heimischen Les-Vernets-Halle einzufliegen und versieht diese Aufgabe nun am Spengler-Cup. Die Genfer wissen, was das Publikum liebt: Sie haben gleich noch einen zweiten Adler mitgebracht, mit dem sich die Fans vor dem verschneiten Eisstadion fotografieren lassen können. Der Star des Auftaktspiels aber trug das Trikot von SKA: Alexei Jaschin war 1992 der erste Draft-Pick in der Geschichte der Ottawa Senators, erzielte danach 808 Punkte in 898 NHL-Partien und spielt seit 2007 in seiner russischen Heimat, seit 2009 in St. Petersburg. Er galt seit jeher als immenses Talent, aber auch als einer, der aus seinen Möglichkeiten nur so viel machte, wie er gerade musste. Zum Abschluss seiner Nordamerika-Karriere kauften ihn die New York Islanders für 17,6 Millionen Dollar aus seinem letzten Vertrag heraus. Jaschin verkörpert das Extrem eines Spielertyps, der beim neureichen SKA häufig ist: Afinogenow, Artjukin, Suschinsky, Grebeschkow oder Weinhandl haben alle das Talent für die NHL, veredeln aber lieber das beste Team Russlands. Jaschin macht keinen Hehl daraus, dass er sein Leben in der Alten Welt geniesst. Dass er inzwischen Flügel statt Center spielt, kommt ihm ebenfalls entgegen. «Das bedeutet weniger defensive Verantwortung.» Er blickt grinsend in die Runde. An der Wand lehnt im Pelzmantel Carol Alt, eine 50-jährige Amerikanerin, einst Supermodel, heute Model, Schauspielerin und seit elf Jahren Jaschins Freundin. Die zwei führen eine Transatlantik-Beziehung und verbringen die Feiertage gemeinsam in der Schweiz. Ein Jahr mit Jursinow in Kloten Beide kennen das Land von früher: Alt machte vor 15 Jahren Werbeaufnahmen für Willy Bogner in St. Moritz, Jaschin verbrachte 1999/2000 fast ein Jahr in Kloten, als die Ottawa Senators ihn intern gesperrt hatten und er sich beim NLA-Klub und seinem Landsmann Wladimir Jursinow fit hielt. Auch der inzwischen 70-jährige Hockeylehrer aus Moskau gehört zu jenen, die das Jahr in Davos ausklingen lassen. Er habe ihn zwar kurz gesehen, sagt der Spieler über seinen einstigen Trainer, aber noch nicht begrüsst. Nicht nur Jaschin wird in den kommenden Tagen noch so manchen Spengler-Cup-Moment erleben. Zwei Tore, ein Assist: Alexei Jaschin.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch